Ulrike Scherer hat originelle Ideen für die Zukunft der Kaserne zu Papier gebracht: ein Konzept mit vielen Beinen

Von Karina Eyrich

Meßstetten. Querdenken muss erlaubt sein, wenn es darum geht, eine sinnvoll Nachnutzung der Zollernalbkaserne zu finden, nun, da die Bundeswehr sie nicht mehr braucht. Ulrike Scherer war dort selbst Krankenschwester gewesen und hat ein spannendes Konzept verfasst.

"Die Idee treibt mich schon eine Weile um", sagt Ulrike Scherer. Von 1985 bis 1993 hat sie als Krankenschwester im Sanitätsbereich der Zollernalb-Kaserne in Meßstetten gearbeitet, kennt die Gebäude und das Gelände gut und findet es schade, dass beides nun ungenutzt ist. Weil sie weiß, wie schwer es ist, für ein solch großes Areal mit so vielen Gebäuden einen Nutzer zu finden, der alles gebrauchen kann, hält Ulrike Scherer es für sinnvoll, dort mehrere Einrichtungen für Menschen jeden Alters unterzubringen – auch um Kosten und Risiko zu verteilen.

Ihr Konzept, das fügt sie hinzu, sei noch kein finanzielles – lediglich eine Ideensammlung, und als solche nach oben offen. Wenngleich Ulrike Scherer auch in punkto Finanzen trittfest ist: Ihr Studium im Fach Krankenhaus- und Sozialmanagement hat sie als Diplom-Betriebswirtin abgeschlossen und ist heute im Bereich betreutes Wohnen zuständig.

Der Kern: Wohnungen für Senioren

Weitergeleitet hat Ulrike Scherer ihr Konzept inzwischen, unter anderem an den Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß, und für sie würde sich ein großer Wunsch erfüllen, wenn es klappte, es in Teilen oder gesamt umzusetzen, wie sie betont. Kern des Konzeptes ist es, einen Teil der Gebäude barrierefrei und seniorengerecht umzubauen, um darin Wohnungen für Senioren und für betreutes Wohnen einzurichten. Da das Gelände großräumig eingezäunt ist, würde es sich sogar eignen, um dort Senioren, die an Demenz erkrankt sind, einen Lebensraum einzurichten, in dem sie sich auch draußen frei bewegen können, ohne Gefahren ausgesetzt zu sein. Außerdem findet Ulrike Scherer es wichtig, dass es möglich ist, dass auch externe Kunden alle Angebote dort nutzen.

u In den Mannschaftsunterkünften könnten Wohnungen mit anderthalb, zwei und drei Zimmern entstehen.

u Im Verwaltungsgebäude wäre Platz für einen Friseur, ein Kosmetikstudio, einen kleinen Laden mit Bäckerei, für Maniküre und Pediküre sowie für einen Internetraum, den Hausmeister- und den Putzservice. Auch die Hausverwaltung und ein Informationsbüro hätten dort noch Platz, so dass sich die Bewohner zentral über Aktivitäten und Veranstaltung in der Anlage und der Umgebung informieren könnten.

u Der Sanitätsbereich sollte laut Ulrike Scherer entsprechend genutzt werden. "Dort könnten ein Arzt und ein Zahnarzt aus der Stadt tage- oder stundenweise Sprechstunden abhalten", erklärt sie. Dasselbe gelte für eine Apotheken-Verkaufsstelle, Krankengymnastik und Physiotherapie und eventuell sogar für einen Heilpraktiker.

Ständig dort präsent sein sollte hingegen der Pflegedienst, die Hausnotrufbereitschaft und ein Fitnessraum. Sogar für eine stationäre Unterbringung im Akutfall gäbe es dort Möglichkeiten, weiß die frühere Bundeswehr-Krankenschwester.

Essen und Geselligkeit im Offiziersheim vereint

u Essen und Geselligkeit – dafür sei das Unteroffiziersheim – UHG – ideal, meint Ulrike Scherer und schlägt ein Restaurant und eine kleine Bar vor. Außerdem hält sie einen Catering-Service und Essen auf Rädern für denkbar.

u Das Offiziersheim, genannt OHG, bietet laut Ulrike Scherer Platz, um dort Tanzkurse und Tanzveranstaltungen sowie Vorträge, Computer- und Ernährungskurse, Gymnastik- und Gedächtnistraining abzuhalten. Außerdem hält sie es für denkbar, Räume zum Übernachten an Angehörige oder sonstige Besucher sowie Räume für Feiern zu vermieten und sogar Kinofilme zu zeigen.

u Wofür aber wäre der Bunker Martin wohl nützlich? Führungen durch denselben könnten viele interessieren, meint die Verfasserin, und hat außerdem ein paar Ideen, für welche die unterirdische Lage des Bunkers durchaus nützlich wäre: ein Schlaflabor, Zimmer für Menschen mit Lichtallergien und ähnlichen Krankheiten oder gar eine Pilzzucht. Auch an die jungen Leute denkt Ulrike Scherer: "Underground Parties könnte man dort veranstalten, ohne die ganze Nachbarschaft zu stören."

u Für draußen hat Ulrike Scherer ebenfalls originelle Einfälle. Sie reichen von themenbezogenen Wanderungen mit Picknick, Langlauf und einem großen Schwimmteich oder Naturschwimmbar über diverse Sportangebote und Konzerte bis hin zu einer Biogärtnerei, in der die Senioren selbst Gemüse und Obst züchten könnten, um sich selbst, aber auch andere Kunden zu versorgen. Darüber hinaus wäre Platz für Werkstätten, etwa zum Töpfern, Malen und Arbeiten mit Holz, sowie einen Streichelzoo.

u Dass das Ganze umweltfreundlich sein sollte, ist für Ulrike Scherer, die inzwischen am Bodensee lebt, selbstverständlich: Solarstrom, ein Blockheizkraftwerk und eine Wasser-Zisterne gehören für sie dazu.

u Was die Werbung angeht, sieht sie viele Pluspunkte, angefangen von der Lage und der sauberen Luft über viele Jahressonnenstunden und die räumlichen Entfaltungsmöglichkeiten bis hin zur Ruhe. Ruhe?

Ist nicht der weiterhin benutzte Truppenübungsplatz Heuberg in unmittelbarer Nähe? "Was sich dort abspielt, hört man auf dem Kasernengelände kaum", sagt Ulrike Scherer. Sie weiß es aus eigener Erfahrung.

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