Das Kreisimpfzentrum in Meßstetten öffnet am Freitag seine Tore. Eine Coronaimpfung wird nur mit Termin verabreicht und wenn man als Gruppe 1 priorisiert wird. Foto: Müller

Termine im Zollernalbkreis direkt ausgebucht. 1170 Impfdoesen zu Beginn zur Verfügung.

Am Freitag nimmt das Kreisimpfzentrum (KIZ) auf dem Gelände der ehemaligen Zollernalbkaserne in Meßstetten seinen Betrieb auf. Doch der Impfstart im Zollernalbkreis im Kampf gegen das Coronavirus wird schleppend verlaufen, ehe die Kapazitäten hochgefahren werden können.

Meßstetten - Die Kapazitäten wären da: Rund 800 Menschen täglich können bestenfalls im Kreisimpfzentrum des Zollernalbkreises (KIZ) auf dem Geißbühl in Meßstetten gegen das Coronavirus, das aktuell die ganze Welt im Griff hat, geimpft werden.

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Doch vorerst müssen kleinere Brötchen gebacken werden. Grund dafür ist die geringe Anzahl an Impfdosen, die der Zollernalbkreis in einer ersten Fuhre bekommen soll. In den kommenden zwei Wochen stehen dem KIZ, an das zwei mobile Impfteams angegliedert sind, 1170 Impfdosen zur Verfügung. Rund die Hälfe der Dosen werden mobil in den Pflegeeinrichtungen im Kreis verimpft und ein Viertel steht medizinischem Personal, das vermehrt Kontakt mit Infizierten hat, zur Verfügung.

Das übrige Viertel wird dann an Menschen verimpft, die zu der ersten Prioritätengruppe gehören – sprich: über 80 Jahre alt sind – und die online einen respektive zwei Impftermine ergattert haben. Denn der Wirkstoff entfaltet erst nach der zweiten Impfung seinen vollen Schutz.

Am Dienstag hatte das Landratsamt die Online-Terminvergabe freigeschaltet, und bereits am Vormittag waren alle verfügbaren Termine für die kommenden zwei Wochen ausgebucht.

Eine weitere Hürde für den Anfang: Der Ultra-Kühlschrank, in dem der lebensrettende Impfstoff bei minus 70 Grad gelagert werden soll, ist bisher noch nicht eingetroffen. Der Landkreis hat daher eine weitere Bestellung aufgegeben. Da die erste Lieferung ohnehin recht überschaubar ist, könne diese noch in speziellen Boxen ausreichend gekühlt werden.

"Der Impfstart ist etwas ernüchternd", stellte Landrat Günther-Martin Pauli bei einer Führung durch das Kreisimpfzentrum fest. Zunächst wurde das Startdatum vom Land Baden-Württemberg nach hinten verschoben, und dann gibt es für den Anfang auch noch weniger Impfdosen als erwartet. "Dennoch freuen wir uns, dass am Freitag dieser wichtige Schritt im Kampf gegen das Coronavirus gegangen werden kann", sagt der Landrat.

Ein Arzt muss grünes Licht für die Impfung geben

Die Leitung des Impfzentrums liegt in den Händen von Kreisbrandmeister Stefan Hermann, der das neugegründete Amt für Bevölkerungsschutz des Landratsamtes seit Frühjahr 2020 leitet. Betreiber der Einrichtung ist der Zollernalbkreis im Auftrag des Landes Baden-Württemberg.

Neben der dauerhaften Verfügbarkeit der Immobilie auf dem Gelände der ehemaligen Zollernalbkaserne seien die vielen Parkplätze und die durchgängige Barrierefreiheit weitere Gründe gewesen, warum das Gebäude als KIZ ausgewählt wurde. Für Impfwillige, die nicht gut zu Fuß sind, stehen im Eingangsbereich Rollstühle zur Verfügung.

Der Zugang zum Kreisimpfzentrum ist nur mit Mund-Nase-Maske gestattet. Dass man nur geimpft wird, wenn man vollkommen gesund ist und keine Covid-19-Symptome zeigt, ist selbstredend.

Am Empfang wird zunächst geklärt, ob die Person einen Termin hat und laut der aktuellen Regelung auch impfberechtigt ist. Impfwillige müssen ihren Termincode, der bei der Buchung vergeben wird, vorlegen, ebenso wie ihre Gesundheitskarte, den Impfpass und ihren Personalausweis.

Dann geht es zunächst einmal ins "Kino": Ein kurzer Informationsfilm soll über die Wirkung und mögliche Nebenwirkungen der Corona-Impfung aufklären. Weitere Fragen können dann in einem persönlichen Gespräch mit einem Arzt geführt werden. Hier können Impfwillige Rücksprache halten über eigene Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien und bereits erhaltene Impfungen. Gibt der Arzt grünes Licht, steht der Corona-Impfung nichts mehr im Weg.

Landrat Günther-Martin Pauli und Leiter des Amts für Bevölkerungsschutz Stefan Hermann haben im 21. Bürger-Dialog Fragen rund um das Impfzentrum beantwortet:

In der ersten Phase werden Arztgespräch und Impfung noch in einem Zug stattfinden; wenn sich die Schlagzahl erhöht, werden diese Stationen getrennt. Insgesamt sollten Impfwillige für ihren Besuch etwa eine Stunde einplanen, wobei der entscheidende Pieks mit dem wertvollen Impfstoff nur wenige Sekunden dauert.

In Meßstetten wird der Impfstoff Comirnaty der Firma Biontech eingesetzt. Der Stab des KIZ ist in ständigem Austausch mit dem Zentralen Impfzentrum in Tübingen, wo der Betrieb bereits am 4. Januar angelaufen ist. Nennenswerte Probleme aus Tübingen seien bisher nicht bekannt, erklärt Stefan Hermann. Dennoch sei man auf alles vorbereitet. Eine der Impfkabinen ist für die Behandlung von Notfällen ausgestattet.

Mobile Impfteams sind parallel unterwegs in Pflegeheimen

Die letzte Station ist der Ruheraum. Fast alle der bisher geimpften haben die Prozedur problemlos überstanden. Dennoch wird empfohlen, sich nach der Impfung einen Moment auszuruhen, bevor es wieder nach Hause geht.

Etwa drei Wochen später wiederholt sich die Prozedur erneut. Denn gegen das neuartige Virus geschützt ist nur, wer die zweite Impfdosis ebenfalls erhalten hat.

Die beiden mobilen Impfteams, die Bewohner und Personal von Pflegeeinrichtungen impfen, hatten nach Weihnachten ihre Arbeit aufgenommen. Bisher haben sie mehr als 300 Bewohner in sechs Einrichtungen geimpft.

Die Bewohner des Pflegeheims St. Verena in Straßberg erhalten am 20. Januar ihre zweite Impfung. Das Ziel, dass bis Ende Februar alle impfwilligen Bewohner der 27 Pflegeeinrichtungen im Zollernalbkreis eine Impfung erhalten haben werden, hält Hermann freilich für ambitioniert.

Wenn in den kommenden Wochen die volle Kapazität des Kreisimpfzentrums in Meßstetten ausgenutzt werden kann, sind täglich etwa 40 Mitarbeiter im Einsatz, darunter Ärzte und Einsatzkräfte der Bundeswehr. Geimpft wird vorerst an fünf Tagen pro Woche zwischen 10 und 16 Uhr. Diese Zeiten können bei erhöhtem Aufkommen ausgedehnt werden.

Derzeit können nur Personen der Gruppe 1 geimpft werden. Wann andere Gruppen zur Impfung zugelassen werden, stehe noch nicht fest. Landrat Pauli betont jedoch, dass das Impfzentrum nicht nur Zollernälblern vorbehalten ist – auch Menschen aus den umliegenden Landkreisen können einen Termin ausmachen. n Impftermine können Impfwillige unter der Adresse www.impfterminservice.de im Internet vereinbaren.

Wie läuft die Impfung ab? Das Landratsamt hat dazu ein Video veröffentlicht:

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