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Meßstetten Am Anfang zierte sich das Mädle

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Wie heißen die Partner-Städte Meßstettens? Luynes und Savigné-sur-Lathan, nicht wahr? Fast richtig – aber da war noch etwas: Wenige werden sich daran erinnern, aber Meßstetten hatte noch eine dritte Partnerstadt: Toccoa in den USA.

Meßstetten. Toccoa? Wo liegt das? Im amerikanischen Bundesstaat Georgia – dort spielt unter anderem "Vom Winde verweht" – , in den "Blue Ridge Mountains", ungefähr 168 Kilometer nordöstlich von Atlanta, wo auch einmal Olympische Spiele stattfanden – 20 Jahre ist das her.

Toccoa hat ungefähr 8000 Einwohner, einen pittoresken Wasserfall, ein historisches Gerichtsgebäude, ein Militärmuseum und ein Sinfonieorchester – und es war 1977 auf dem besten Wege, eine Partnerschaft mit Meßstetten einzugehen. Die Kontakte zwischen den "Sister Cities" rissen jedoch irgendwann ab, und seither liegt die Partnerschaft zwischen Meßstetten und Toccoa im Dornröschenschlaf. Oder im Koma – wie man will.

Wie kam es zu der Partnerschaft in Übersee? Hans Filbinger, von 1966 bis 1978 Ministerpräsident von Baden-Württemberg, hatte seinerzeit große Anstrengungen unternommen, die Verbindungen zwischen Deutschland und den USA zu stärken, und war mit George Busbee, dem Governor von Georgia, gut befreundet – das deutsche Bundesland und der amerikanische Bundesstaat unterhielten recht enge Kontakte.

Just zu dieser Zeit, im Jahre 1976, beschlossen die Bürger von Toccoa, sich eine Partnerstadt zuzulegen, und baten die Organisation "Sister City International", ihnen bei der Suche behilflich zu sein. Da die Beziehungen zwischen Atlanta und Stuttgart so gut waren, lag es nahe, sich auf den deutschen Südwesten zu konzentrieren, und so trat "Sister City International" an das Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart heran – und womöglich Hans Filbinger an seinen alten Weggefährten und Mitstreiter aus dem Landtag, den Meßstetter Bürgermeister Erwin Gomeringer. Ob man sich eine Partnerschaft mit einer Gemeinde am Fuß der Blauen Berge vorstellen könnte?

"Was denken Sie? Was machen Sie? Wie arbeiten Sie?"

Wenig später hielten die Amerikaner offiziell um Meßstettens Hand an: Am 2. Dezember 1976 traf ein Brief in Meßstetten ein, in dem das Institut für Auslandsbeziehungen anfragte, ob man sich etwas in Richtung Partnerschaft vorstellen könne.

Das schwäbische Mädle gab sich erst einmal spröde: Man werde sich beraten, hieß es – Erwin Gomeringer scheint anfangs nicht unbedingt begeistert von der Idee gewesen zu sein.

Ganz anders die Amerikaner: Ben F. Cheek Jr., Chairman of the Board der Franklin Discount Company, ließ die Meßstetter in einem Brief vom 4. Januar 1977 wissen, dass man in Toccoa darauf brenne zu erfahren, "was Sie denken, was Sie machen, wie Ihre Tage verlaufen, was Sie für Ihre Erholung tun oder auch wie Ihre Schulen arbeiten."

Bei so viel Überschwang kann einem angst und bange werden. In der Gemeinderatssitzung am 18. Januar 1977 wurden jede Menge Bedenken vorgebracht: Ob man sich als erste Partnerstadt nicht lieber etwas "Näherliegendes", sprich: eine europäische Gemeinde, aussuchen solle, statt gleich in transatlantische Fernen zu schweifen. Und ob das nicht alles gewaltig teuer werden könnte – Erwin Gomeringer, der es sich in der Zwischenzeit offenbar anders überlegt hatte, erwiderte, man lasse die Sache langsam angehen und müsse ja nicht sofort hinüberfahren nach Georgia – fürs Erste tue es auch eine Brieffreundschaft.

Seine Argumente verfingen: Bei einer Enthaltung stimmte der Gemeinderat für die Partnerschaft – es sollte die erste Verbindung dieser Art zwischen einer Stadt in Baden-Württemberg und einer in Georgia werden. In Toccoa war die Begeisterung anfangs riesig – die Bürger schrieben Briefe ans Rathaus, in denen sie um die Vermittlung von Kontakten von Künstlerin zu Künstlerin, von Anwalt zu Anwalt, von Banker zu Banker, von Altenpfleger zu Altenpfleger und von Hausfrau zu Hausfrau baten.

Eine Toccoanerin schickte ihre Lieblingsrezepte zum Ausprobieren, und gleich mehrere ihrer Mitbürger, darunter Roy Gaines, der Bürgermeister, bekundeten die Absicht, so bald wie möglich zu Besuch auf den Heuberg zu kommen. Erwin Gomeringer gestand in einem Antwortschreiben offen ein, dass man mit einer solchen Euphorie nicht gerechnet habe.

Natürlich nahmen beide Seiten sich vor, die Partnerschaft, die sich so schön anließ, irgendwann auch offiziell zu besiegeln – am liebsten in Meßstetten, da die Amerikaner ja so neugierig und die Meßstetter so sparsam waren. Was damals noch keiner ahnen konnte – es sollte nie dazu kommen.

 
 

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Karina Eyrich

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