Der AfD-Abgeordnete Miguel Klauß hat beim Innenministerium wegen eines Vorfalls im Rottenburger Dom angefragt. Klauß nutzt den Vorfall für das eigene politische Narrativ.
Die Ermittlungen laufen noch. Die Motivlage ist unklar. Ein Urteil steht aus. Trotzdem redet der AfD-Landtagsabgeordnete aus dem Kreis Calw von einem „Freibrief für straffällig gewordene Ausländer“, die „auf die Bevölkerung losgelassen werden“, nachdem sich das Innenministerium zu einem Vorfall äußerte, der sich zum Ende des vergangenen Jahres im Rottenburger Dom ereignet hat. Gegen den Abgeordneten wird derzeit ebenfalls ermittelt.
Zum Hintergrund: Am 29. Dezember 2025 berichteten Medien über einen Vorfall im Rottenburger Dom, bei dem ein 30-jähriger Mann randaliert und Personen mit einem Messer bedroht hatte.
Klauß nahm den Vorfall zum Anlass, um eine Kleine Anfrage an die Landesregierung zu richten. In der Antwort von Innenminister Thomas Strobl (CDU) auf Klauß’ Anfrage – datiert auf den 22. Januar – gibt es weitere Details zu dem Vorfall: „Nach derzeitigem Ermittlungsstand betrat der Beschuldigte am 29. Dezember 2025 gegen 11 Uhr den Dom in Rottenburg, nahm dort die Osterkerze an sich und zerschlug diese an einer Säule, wobei die Kerze zerbrach und Weihnachtsschmuck zerstört wurde“, schreibt das Ministerium.
Eine Mitarbeiterin der Kirche forderte den Beschuldigten auf, die Kirche zu verlassen. Dieser Aufforderung kam der 30-Jährige laut Bericht nach. „Beim Verlassen der Kirche hielt er der Mitarbeiterin im Abstand von circa 2 Metern ein Messer vor, mit den Worten: ,Habt ihr ein Problem?‘, bevor er endgültig die Kirche verließ. Der Beschuldigte konnte durch Einsatzkräfte der Polizei in der Marktstraße gestellt und vorläufig festgenommen werden“, so das Innenministerium.
Wie Zeugen damals berichteten, hätten mindestens drei Polizisten den laut schreienden Mann am Boden fixiert. Wie ein Polizeisprecher erklärte, warf der Mann den Polizisten vor seiner Festnahme das Messer vor die Füße. Er wurde nach der Festnahme in eine Fachklinik gebracht.
So viel zum Tathergang. Ermittelt wird wegen des Verdachts der Sachbeschädigung und Bedrohung. Der Sachschaden an der Osterkerze und etwas Weihnachtsschmuck beträgt laut Ministerium etwa 200 bis 300 Euro. Personen wurden keine verletzt.
Für eine „religiöse Motivation“ gebe es laut Antwort des Ministeriums keine Hinweise. Der Tatverdächtige ist der Antwort des Ministeriums nach ein ukrainischer Staatsbürger, der seit Juli 2022 eine Aufenthaltserlaubnis nach Paragraf 24 des Aufenthaltsgesetzes hat – der sogenannte vorübergehende Schutz ermöglicht Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine einen Aufenthaltstitel ohne Asylverfahren.
Verdacht: Volksverhetzung
Laut Ministerium wird von einem Einzeltäter ausgegangen. Klauß hatte angefragt, ob der Täter Verbindungen zu einer terroristischen Vereinigung hat. Die Antwort lautet dementsprechend: „Hinweise auf Verbindungen zu terroristischen Organisationen liegen nicht vor.“ Des Weiteren ist die Schuldfähigkeit des Tatverdächtigen noch Gegenstand der Ermittlungen. Er sei derzeit „vorläufig untergebracht“.
Der Landtagsabgeordnete fordert in seiner Pressemitteilung die „sofortige Abschiebung“, da der Tatverdächtige laut Ministerium wegen „Bedrohung, Unterschlagung, Computerbetrug und vorsätzlicher Körperverletzung“ vorbestraft sei.
Dass der Mann im Rottenburger Fall nicht verurteilt ist, erwähnt Klauß nicht. Interessant ist die Aussage deshalb, da gegen Klauß selbst aktuell ermittelt wird. Im Januar beantragte die Staatsanwaltschaft Tübingen einen Strafbefehl gegen den AfD-Landtagsabgeordneten. Ihm wird Volksverhetzung vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft stehen dabei drei Beiträge von Klauß in sozialen Medien aus den Jahren 2023 und 2024 im Fokus. Darüber hinaus wird Klauß auch die Belohnung und Billigung von Straftaten zur Last gelegt. Der Ausgang des Verfahrens ist offen.
Wer ist Miguel Klauß und was ist ein Kleine Anfrage?
Die strafrechtliche Verfolgung
ist nur ein Auszug einer Reihe von Vorfällen, bei denen der AfD-Mann zahlreichen Personen unangenehm auffiel. 2024 sorgte er mit einem „Abschiebekalender“ für breite Empörung. Zudem gab es Kritik nach einem Schulbesuch in Altensteig (Landkreis Calw). Klauß hatte dort am Rande einer vom Landtag organisierten Veranstaltung in einer Realschule Fotos mit Schülern geschossen und diese gepostet – unterlegt mit Texten wie „Die Jugend wählt AfD“. Später wurden die Bilder teils gelöscht, teils nachträglich verpixelt.
„Ich verurteile das Verhalten des Abgeordneten Klauß
, der den Schulbesuch auf dem Rücken der Kinder und Jugendlichen für parteipolitische Zwecke missbraucht hat“, rügte damals Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne).
Die „Kleine Anfrage“
ist eines der wichtigsten parlamentarischen Instrumente. Abgeordnete oder Fraktionen können damit schriftlich Auskunft von der Landesregierung verlangen – etwa zu Projekten, Zahlen oder Planungen.
Die Regierung
muss in der Regel innerhalb von drei Wochen schriftlich antworten. Die Antworten werden als Drucksache veröffentlicht.