An Tag eins nach der mutmaßlichen Messerstecherei am Villinger Busbahnhof war die Auseinandersetzung nicht nur in der Innenstadt das beherrschende Thema, sondern auch bei der Polizei.
Ein Großaufgebot an Polizisten am Villinger Bahnhof am Samstagabend machte es deutlich: Die blutige Eskalation einer Auseinandersetzung zwischen, laut Polizeimitteilung syrischen und afghanischen jungen Leuten, hallte noch nach.
Hat Villingen einen neuen Brennpunkt und drohen die Konflikte zwischen den beiden sich am Freitagabend bekämpfenden Gruppen sich auszuweiten? Wir hakten bei der Polizei nach.
Samstagabend – Ausnahmezustand in Villingen
Fieberhaft widmete sich die Polizei den Ermittlungen der Geschehnisse vom Vorabend, in deren Verlauf ein 30-jähriger Mann, mutmaßlich durch einen Messerstich, schwer verletzt worden ist. Doch wie Polizeisprecher Dieter Popp bereits am Samstagabend gegenüber unserer Redaktion verdeutlichte, gestalten sich die Ermittlungen schwierig – die fünf bis sechs Personen, welche von den Beamten noch Freitagnacht direkt nach der Tat festgestellt werden konnten, seien nicht sonderlich gesprächig gewesen. Die Suche nach Zeugen begann.
Kurz nachdem die Polizei mit einer Pressemitteilung am späteren Samstagabend in die Öffentlichkeit gegangen war, zeigten sich die Kräfte der Polizei auch schon mit großem Aufgebot am Villinger Busbahnhof. Elf Kastenwägen der Polizei wurden vor Ort gezählt, zwei bis drei wechselten regelmäßig den Standort, fuhren eine Runde durch die Villinger Innenstadt oder bezogen an ausgewählten Stellen Position, um dort gegebenenfalls Passanten zu befragen.
Zeugensuche auf Hochtouren
Eine Polizeistreife behielt offenbar den Bahnhof und die Bahnsteige im Blick. Vis-á-vis des Bahnhofsgebäudes, am anderen Ende der Brücke über die Brigach, sah man derweil zwei Polizisten, wie sie das Gespräch zu offenbar gezielt ausgewählten Passanten suchte. „Die haben gerade zwei rausgefischt und nach gestern Abend gefragt“, erzählte ein Beobachter unserer Redaktion. Ein anderer wunderte sich über die enorme Polizeipräsenz rund um Bahnhof und Busbahnhof und stellte fest, dass die Geschehnisse vom Vorabend in der Innenstadt „überall ’das’ Thema“ gewesen seien.
„Vorwiegend waren wir für den Fall der Fälle verstärkt präsent“, erläuterte Dieter Popp später auf Nachfrage. Einen Tag nach der Eskalation wollte man offenbar nichts dem Zufall überlassen. Und auch die Zeugensuche lief auf Hochtouren. Weitere Auseinandersetzungen oder Ansammlungen der beiden Gruppierungen habe die Polizei in der Nacht auf Sonntag nicht mehr feststellen können, man will die Situation jedoch auch in der nächsten Zeit im Auge behalten.
Bundespolizei bat um Unterstützung
Derweil dauern die Ermittlungen weiter an. Das Gespräch mit den Beteiligten an der Auseinandersetzung am Freitagabend war für die ermittelnden Beamten kaum von Erfolg gekrönt. Aus Sorge um den eigenen Aufenthaltsstatus in Deutschland? „Eher mangelnde Kooperationsbereitschaft gegenüber der Polizei“, denkt Dieter Popp.
Der genaue Tathergang am Freitagabend liegt damit noch immer im Dunkeln. Die Polizei wurde in der Tatnacht nicht etwa durch Zeugen oder gar Geschädigte alarmiert, sondern durch die Bundespolizei. „Wir wurden durch eine Streife der Bundespolizei informiert, die um Unterstützung bat“, erläuterte Dieter Popp im Gespräch. Die Bundespolizei sei für die Sicherheit am Bahnhof in Villingen zuständig, eine Massenschlägerei von 20 Personen jedoch geht hier weit über das übliche Maß der Vorkommnisse hinaus.
So geht es dem Opfer
Die beiden Gruppen von jungen Männern – es soll sich am Freitagabend um etwa 20 Personen gehandelt haben – seien „bislang nicht“ polizeibekannt gewesen, sagte der Polizeisprecher. Auch, ob der Villinger Busbahnhof deren fester Treffpunkt ist oder sich aktuell zu einem Brennpunkt in der Stadt entwickelt, weiß man bei der Polizei derzeit noch nicht. „Da ist in letzter Zeit immer viel Polizei unterwegs“, fand aber zumindest ein Zeuge, der regelmäßig am Bahnhof unterwegs ist.
Eine gute Nachricht gibt es trotz der vielen offenen Fragen, die derzeit noch geklärt werden müssen, schon jetzt: Das Opfer, der 30-jährige Mann, der eine Stichverletzung an der linken Körperseite erlitten habe und stationär im Klinikum aufgenommen werden musste, sei zwar durch die Tat schwer verletzt worden, Lebensgefahr bestehe für ihn aber nicht.