Stefany Goschmann, geschäftsführende Gesellschafterin der SMA Südwest Messe- und Ausstellungs-GmbH, hofft, dass die Südwest-Messe vom 11. bis 19. Juni unter Corona-Auflagen, aber ansonsten in gewohnter Form stattfinden kann. Foto: Kratt

Im Interview mit unserer Redaktion spricht Geschäftsführerin der SMA Südwest Messe- und Ausstellungs-GmbH über die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Messewesen und berichtet, auf welche Veranstaltungen rund ums Messegelände man sich in diesem Jahr freuen kann.

VS-Schwenningen - Die eine oder andere Messe konnte unter Corona-Auflagen stattfinden, die meisten Veranstaltungen mussten in den vergangenen beiden Jahren abgesagt werden. Zusammen mit unserer Redaktion blickt die Geschäftsführerin der SMA Südwest Messe- und Ausstellungs-GmbH, Stefany Goschmann, auf die aktuellen Herausforderungen der Messebranche und zeigt sich relativ optimistisch, was die Zukunft betrifft.

 

Frau Goschmann, wie beschreiben Sie aus Messe-Sicht die vergangenen beiden Jahre?

Es war und ist eine Katastrophe! Kurzarbeit für die Mitarbeiter, weil kein normales Arbeiten in der Branche möglich war und ist, ist wirklich schlimm. Weil wir lange Vorlaufzeiten für die Planung der Messen brauchen, hat es uns besonders getroffen. Trotz Corona-Hilfen und Kurzarbeit haben wir im Jahr 2020 ein siebenstelliges Minus eingefahren. Ohne die Hilfen gäb’s uns jetzt nicht mehr, das muss ich so sagen.

Waren die Entscheidungen, einige Messen trotz Corona (in teils abgespeckter Form) durchzuführen, rückblickend richtig?

Ja, auf jeden Fall. Die Auflagen haben wir sehr sorgsam erfüllt, auch wenn es wirtschaftlich natürlich eine Herausforderung war. Die Jobs for Future haben wir 2020 und 2021 von März auf September verlegt und werden es auch dieses Jahr wieder so handhaben. Auch wenn der Termin im September nicht ganz ideal ist, ist die Messe wichtig für die Region und sie ist in beiden Corona-Jahren richtig gut gelaufen.

Auch das Südwest-Messe-Spezial hatte trotz einiger Kritik im Nachgang seine Daseinsberechtigung. Es war schwierig, zu transportieren, dass bei der kompakten Ausgabe nur ein regionales Thema im Fokus steht und es die für jahrzehntelange Messebesucher typischen Angebote diesmal gar nicht gibt.

Die Dreh- und Spantage im Oktober waren hingegen der Knüller, das war Messe pur! Die Messe hat gezeigt, dass die Firmen persönliche Kontakte zu ihren Kunden brauchen.

Gibt es eigentlich auch andere, digitale Alternativen zur Messe vor Ort?

Vor allem seit der Corona-Krise gibt es immer mehr digitale Messen. Das Medium hat in den vergangenen beiden Jahren vieles überbrückt. Aber es ist definitiv nicht dasselbe. Es hat einfach eine andere Qualität, wenn jemandem etwas gezeigt oder vorgeführt wird. ›Mensch begegnet Mensch‹, das ist ein urmenschliches Bedürfnis. Der persönliche Kontakt ist einfach unschlagbar intensiv. ›Wir vermissen Euch‹: Diesen Satz haben wir von Ausstellern und Besuchern in den vergangenen Monaten oft gehört. Daher können wir uns auch keine digitale Alternative vorstellen.

Welche Messen und Veranstaltungen stehen in diesem Jahr an? Wie soll die Südwest-Messe über die Bühne laufen?

Die Südwest-Messe soll dieses Jahr wieder traditionell am Samstag nach Pfingsten beginnen (11. bis 19. Juni) und mit den gewohnten Fachschauen über die Bühne laufen. Aus allen Bereichen gibt es Anmeldungen. Trotzdem ist die Planung schwieriger als bisher, weil sie leicht zeitverzögert ist. Viele Aussteller zögern wegen der unsicheren Corona-Lage noch, manche haben ihr Geschäft in der Zwischenzeit sogar aufgegeben. Wir hoffen, dass wir sie unter den dann geltenden Corona-Auflagen wie gewohnt durchführen können.

Die genannte Jobs for Future im September ist neben der Südwest-Messe die zweite Schau, die wir selber veranstalten. Als größere und mittlerweile traditionelle Veranstaltung soll am 19. und 20. März Trau, die Hochzeitsmesse, stattfinden, die für Ende Januar abgesagt wurde. Mit dem Volksfest VS vom 6. bis 15. August will die Schaustellerfamilie Gebaur an den Erfolg von 2019 anknüpfen. Dazwischen, 12. August, tritt im Rahmen des Sommersound-Festivals Mark Foster auf dem Messegelände auf. Der Messekalender ist auch mit kleineren Veranstaltungen gefüllt, zum Beispiel die Alpaca Show (22. und 23. Oktober) oder Mein Hund (5. und 6. November) und wir hoffen, dass sie diesmal wieder alle stattfinden können.

Mittlerweile hat die Stadt die Austragung der Weihnachtsmärkte in Villingen und Schwenningen übernommen. Warum haben Sie diesen Part abgegeben?

Wir haben die Veranstaltung der Weihnachtsmärkte im Jahr 2013 mit der Hoffnung übernommen, mit der langjährigen Erfahrung aus Mannheim hier auch etwas umsetzen zu können. In Mannheim betreiben wir den Weihnachtsmarkt seit 1972. Wir haben unterschätzt, dass sich zum Beispiel das Kunsthandwerk in VS schwerer tut. Daher war es auch leider nicht so, dass wir wirtschaftlich auf Null herausgekommen sind. Unser Defizit war wesentlich höher trotz Zuschuss der Stadt.

Welche langfristigen Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die Messebranche und im Speziellen auf die Messegesellschaft VS?

Im Messewesen wird es auf jeden Fall Messen geben, die nicht wieder stattfinden werden. So gibt es auch bei uns einen Bruch mit der SÜMA-Tradition, der Süddeutschen Motorrad-Ausstellung, die sowohl im vergangenen als auch in diesem Februar ersatzlos abgesagt wurde.

Ich habe meinen Mitarbeitern schon früh im Jahr 2020 versprochen, dass wir die Situation durchstehen werden. Alle, die bei uns bleiben wollten, durften auch bleiben.

Gibt es etwas, was Sie sich für die Messebranche in Zukunft wünschen?

Muss es immer so kurzfristig sein, wenn (hinsichtlich Corona) weitreichende Entscheidungen von oben getroffen werden, die uns betreffen? Das Messewesen muss unbedingt mehr Planungssicherheit erlangen als jetzt! Und das ist nicht nur für die Messe wichtig.

Wie ist Ihre Gefühlslage aus beruflicher Sicht mit Blick in die Zukunft?

Aufgeben ist keine Option! Wir sind vom Hochgefühl getragen, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen – und das auch in Zukunft. Bis der Messeplatz Deutschland wieder ausgewogen ist, bedarf es Zeit. Ich bin mir sicher, dass auch bei uns wieder Normalität herrschen wird, aber es braucht eine Wiederaufbauphase. Wir haben auf jeden Fall den Willen, wieder etwas zu bewegen – wenn auch im Bewusstsein, dass vieles erst einmal anders sein wird, bevor das Vor-Corona-Niveau erreicht werden kann.