Der Regen hatte unaufhörlich auf das Messegelände in Schwenningen geprasselt, doch die Besucherinnen des Stoffmarkts Holland ließen sich davon kaum beeindrucken.
Schon am Sonntag Vormittag waren zahlreiche Menschen gekommen und hatten sich für Stoffballen, Muster und Nähzubehör interessiert. Viele waren aus der Region angereist, manche sogar aus der Schweiz.
Der Stoffmarkt, der seit Jahren regelmäßig Station in Schwenningen machte, hat sich längst zu einem festen Termin für Hobbynäherinnen, Schneider, Kreative und Stoffliebhaber entwickelt.
Zwischen den farbenfrohen Ständen stand Axel Segers von den „Stoffpiraten“, die den Markt organisieren. Er sortierte sein Angebot, beantwortete Fragen und lächelte. „Eigentlich ist einiges los – trotz Regen“, sagte er und blickte über das Gelände. „Wir sind bei Wind und Wetter draußen. Das hält uns nicht ab.“
Nur selten müsse ein Markt abgesagt werden, erklärte er. „Das passiert wirklich nur alle paar Jahre, und dann auch nur, wenn es zu gefährlich wird – wenn zum Beispiel die Dächer der Stände nicht halten oder etwas wegfliegen könnte.“
Segers ist seit vielen Jahren auf Stoffmärkten unterwegs, quer durch Deutschland und die Nachbarländer. „Am Samstag hatten wir in Weil am Rhein 27 Grad“, erzählte er lachend. „Und heute stehen wir hier im Regen. Aber das gehört dazu. Wir machen das gern.“
Stoffe anfühlen
Die Tour führte sie regelmäßig auch nach Schwenningen. Am kommenden Wochenende stehen unter anderem Fürth und Würzburg auf dem Plan. In vollem Gange war zu diesem Zeitpunkt die Saisonumstellung. „Wir switchen jetzt langsam auf Frühling und Sommer“, erklärte Segers. „Leichte Stoffe, frische Muster, Früchte, Blumen – alles, was man für die warmen Monate braucht.“ Grundsätzlich sei das Sortiment jedoch das ganze Jahr über breit aufgestellt. „Wir haben für jeden etwas dabei.“
Was viele Besucherinnen und Besucher besonders schätzten, war die enorme Auswahl. „Kein Stoffladen in Europa hat so eine Vielfalt wie der Stoffmarkt“, betonte Segers. „Die Händler bringen alles mit, was sie haben – und die Leute können anfassen, vergleichen, kombinieren.“ Genau das sei der große Vorteil gegenüber dem Onlinehandel. „Online sieht alles schön aus, aber man muss Stoff fühlen. Die Haptik entscheidet. Viele kommen hierher, um genau das zu erleben.“
Persönliche Beratung
Auch die persönliche Beratung spielte eine große Rolle. „Die Leute sind super drauf“, sagte Segers. „Man kann auch mal einen Spaß machen. Das gehört dazu.“ Viele Händler seien seit Jahren dabei, manche sogar seit Jahrzehnten.
Doch die Stoffbranche steht vor Herausforderungen. „Die Container aus China sind teurer geworden“, sagte Segers. „Das spiegelt sich natürlich im Einkauf wider.“ Trotzdem blieb die Stimmung gut. „Wir verkaufen gut und haben immer gute Laune. Das gehört zu unserem Job.“
„Qualität muss stimmen“
Während er sprach, drängten sich weitere Besucher an den Stand. Eine Frau hielt zwei Stoffe nebeneinander und fragte nach Kombinationsmöglichkeiten. Segers nahm sich Zeit, erklärte Muster, Farben und Eigenschaften. „Viele Kunden bestellen später online bei uns“, sagte er. „Aber sie wollen vorher wissen, wie sich der Stoff anfühlt. Und sie wollen sicher sein, dass die Qualität stimmt.“
Die Stoffpiraten wie auch die anderen Händler setzten auf gleichbleibende Standards. „Die Qualität bleibt immer gleich. Wir schrauben da nichts runter. Die Leute sollen sich darauf verlassen können.“
Der Stoffmarkt Holland zeigte an diesem verregneten Tag einmal mehr, warum er so beliebt ist: Er war ein Ort des Austauschs, der Farben, der Kreativität – und ein Treffpunkt für Menschen, die Stoffe nicht nur kaufen, sondern erleben wollten. Und selbst der Regen konnte daran nichts ändern.
Das nächste Mal macht der Stoffmarkt Holland am Sonntag, 11. Oktober, Station auf dem Schwenninger Messegelände.