Der FK Bratstvo Villingen ist in Torlaune. In den ersten fünf Saisonspielen schoss das Team von Spielertrainer Marko Matosevic 30 Treffer. Ein Erfolgsfaktor ist Ex-Profi Mert Püsküllü, der uns seine außergewöhnliche Geschichte erzählt. Kevin Großkreutz spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Püsküllü spielte neun Jahre in der Jugend des VfB Stuttgart, machte sogar ein Länderspiel für die deutsche U16-Nationalmannschaft. 2017 nahm seine Laufbahn dann aber eine erste Wendung: Ex-BVB-Star Kevin Großkreutz war mit VfB-Jugendspielern unterwegs. Danach war der Weltmeister in der Stuttgarter Innenstadt in eine Schlägerei verwickelt. Großkreutz landete im Krankenhaus, sein Vertrag wurde aufgelöst.
Püsküllü erzählt: „Ich war in diese Geschichte verwickelt. Ich und der VfB Stuttgart haben uns dann voneinander getrennt.“ Der Deutsch-Türke unterschrieb daraufhin einen Profivertrag bei AD Oliveirense in der zweiten portugiesischen Liga. „Ich habe mir dann das Kreuzband gerissen, hatte fünf OPs und musste meine Karriere früh beenden“, erinnert sich Püsküllü an diese Zeit zurück.
FC 08 Villingen und FSV Schwenningen
Nach drei Jahren ohne Fußball hielt sich der Angreifer während der Saison 2020/21 bei seinem Jugendverein, dem FC 08 Villingen, fit. „Das lief nicht, wie vorgestellt“, gibt Püsküllü zu. Zwei Jahre später versuchte er es bei der FSV Schwenningen erneut, auch hier fand Püsküllü sein fußballerisches Glück nicht.
Püsküllü machte ein Jahr Pause, bevor er zum FK Bratstvo Villingen kam. „Beim FKB habe ich den Spaß am Fußball wiederentdeckt. Hier sind die richtigen Leute. Alle sind meine Freunde“, sagt der 24-Jährige. Auch Spielertrainer Marko Matosevic lobt den Zusammenhalt beim Multikulti-Club: „Wir hatten nie irgendwelche Probleme. Wir verstehen uns alle und hören in der Kabine Musik in jeder Sprache, egal was.“
Türk. SV Singen
Dennoch zog es Püsküllü in der Rückrunde der vergangenen Saison aus beruflichen Gründen zum Türk. SV Singen, wo er mit dem Team in die Verbandsliga aufstieg. „Ali Günes macht sehr gutes Training. Ich habe mich dort sehr, sehr weiterentwickelt“, lobt Püsküllü.
In dieser Saison ist er zurück bei Bratstvo – mit Erfolg. Nach Platz drei in der Vorsaison steht der serbische Klub nach fünf Spieltagen an der Tabellenspitze. „Wir haben viel Qualität und spielen als Mannschaft gut zusammen“, will Matosevic, dass sein Team „schnell nach vorne“ spielt.
Der Spielertrainer und sein Torjäger rechnen mit einen Vierkampf um die Meisterschaft und um den zweiten Platz, der zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde berechtigt. Sie sind aber „vorsichtig“, nachdem der Aufstieg in der vergangenen Saison in der Rückrunde verspielt wurde.
Duell mit Ex-Teamkollege
In der kleinen Liga mit nur zwölf Teams könne jedes Spiel entscheiden, betont Matosevic. Er ergänzt: „Wenn wir in jedem Training und in jedem Spiel 100 Prozent geben, dann haben wir aber gute Chancen.“
Was auch an Spielern wie Dragan und Sladjan Jovanovic, Kapitän Thomas Rehm und eben Mert Püsküllü liegt. Püsküllü schoss zehn Tore, traf gegen den FV Möhringen II und den FC Hausen vor Wald jeweils vierfach. „Er hat brutales Potenzial. Er ist spritzig, flink und schwer zu verteidigen“, lobt Matosevic.
Dieser meint: „Es lief wirklich gut. Ich hoffe, ich kann daran anknüpfen.“ Aktuell sieht es im Torjägerrennen nach einem Zweikampf mit Ex-Teamkollege Adrian-Giorgian Dumitru aus. Auch Dumitru steht bei zehn Treffern. Püsküllü sagt grinsend: „Ich habe einen guten Konkurrenten. Er hat schon in Singen getroffen ohne Ende. Ich darf nicht nachlassen.“