Auf dem Rasen der Mercedes-Benz-Arena entsteht derzeit die Rennstrecke für“Stars & Cars“ Foto: Daimler

In jeder Motorsport-Serie, in der Mercedes in dieser Saison angetreten ist, stellte das Team den Gesamtsieger. Die Jahresabschluss-Party mit den Fans findet dieses Jahr in einem ganz besonderen Rahmen statt.

Stuttgart - „Tue Gutes und rede darüber“ lautet der Titel eines 1961 erschienenen Buches von Georg-Volkmar Graf Zedtwitz-Arnim. Innerhalb eines halben Jahrhunderts ist das Zitat zum geflügelten Wort für erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit (neudeutsch: Public Relations) von Unternehmen geworden. Im 21. Jahrhundert betreiben die internationalen Konzerne eine umfassende PR, was die Daimler AG an diesem Samstag nachhaltig demonstriert.

 

Das erfolgreichste Motorsportjahr der Marke Mercedes wird mit der Publikums-Party „Stars & Cars“ in Stuttgart gefeiert – pompös mit Glanz und Gloria. Mit den Champions Lewis Hamilton (For-mel 1), Pascal Wehrlein (DTM), Felix Rosenqvist (Formel-3-Euroserie) und Luca Ludwig/Sebastian Asch (GT Masters), dazu gesellen sich Formel-1-Pilot Nico Rosberg, alle DTM-Fahrer sowie Altstars wie Mika Häkkinen, David Coulthard und Bernd Schneider. Das Museum ist von 9 Uhr an bei freiem Eintritt geöffnet, in der Arena beginnt die Show mit Musik und Motorsport um 14 Uhr.

„Wir wollten die Veranstaltung weiterentwickeln“, sagt Marc Frank, Leiter Motorsport-Marketing, „wir wollten ein kompaktes Event. Es war uns wichtig, dass die Strecke von allen Fans einsehbar ist.“ Heraus kam „Stars & Cars 2.0“: Es fahren nicht wie gewohnt historische Rennautos mit prominenten Lenkern rund ums Museum, anno 2015 finden Ausscheidungs-Rennen nach dem Vorbild des Race of Champions in der (Fußball-)Arena statt – dann muss Hamilton beweisen, dass er auch im Mercedes AMG A45 4Matic (381 PS/4,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h) der Schnellste ist. Zudem wird es Demo-Runden mit Rennfahrzeugen geben. Es ist die einzige Fahrt eines Formel-1-Boliden in Deutschland in diesem Jahr, der Grand Prix am Nürburgring ist ausgefallen.

Aus der Mercedes-Benz-Arena wird eine Rennstrecke

Um den Motorsport-Freunden nicht nur ein Bonbon, sondern ein erlesenes Praliné zu Saisonende zu bieten, hat Mercedes sich ins Zeug gelegt. Innerhalb von 108 Stunden, von Sonntagabend bis Donnerstagabend, werden 2400 Tonnen Schotter und 1220 Tonnen Asphalt in die Arena gekarrt. Daraus wird eine Rennstrecke modelliert. Die Innenbahn ist 336, die Außenbahn 345 Meter lang – macht insgesamt 681 Meter für eine Rennrunde.

Einziger Wermutstropfen für Motorsport-Begeisterte: Die Zuschauerkapazität ist begrenzt, es konnten aus Sicherheitsgründen und aufgrund der Logistik lediglich 35 619 Karten angeboten werden. Wer kein Ticket besitzt, kommt nicht ins Stadion, sondern kann sich nur im Museum vergnügen. „Wir hätten die Arena auch gefüllt, wenn alle 60 000 Plätze verfügbar gewesen wären“, sagt Projektleiter Marc Frank (50).

Dass die Veranstaltung nicht nur eine kleine Elite erreicht, sondern zu einem medialen Großereignis wird, dafür sorgt der TV-Sender Sport 1, der die gesamte Veranstaltung von 17 Uhr an live überträgt. Darüber hinaus haben sich 15 TV-Mannschaften angemeldet, darunter Sky Italia, Canal + aus Frankreich sowie eine chinesische Crew. Im Internet bietet Mercedes einen Live-Stream (www.mercedes.me/starsandcars) in deutscher oder englischer Sprache an. Schließlich soll sich der hohe Aufwand, der deutlich über einer Million Euro liegen dürfte, auch in einer hohen Reichweite widerspiegeln – getreu dem abgewandelten Leitspruch „tue Außergewöhnliches und lasse alle Welt daran teilhaben“.

Allerdings gibt es auch ein sportliches Leben nach Stars & Cars in der Arena, das aus Fußball besteht. Noch am Samstagabend beginnt um 22 Uhr der Rückbau – am Montag wird auf Kosten von Mercedes ein neuer Rollrasen mit extra langen Wurzeln und einer besonders dicken Erdschicht verlegt. Kosten: rund 200 000 Euro. So kann der VfB Stuttgart am Mittwoch im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Eintracht Braunschweig auf nagelneuem Geläuf antreten – und vielleicht auch positive PR für sich machen.