Bei der Hauptversammlung wird viel Kritik der Aktionäre an der Geschäftsführung laut. Dennoch werden Vorstand und Aufsichtsrat mit über 97 Prozent entlastet.
Die Redebeiträge der Aktionäre und ihrer Vertreter folgen auf der Hauptversammlung der Mercedes-Benz Group AG einem wiederkehrenden Schema. Sie beginnen mit der Kritik an den Rahmenbedingungen. Die seit Corona-Zeiten im Digital-Format stattfindende Veranstaltung wird von allen Seiten weggewünscht und die frühere Präsenz herbeigesehnt. Ganz so, als würde man auf diesem Weg auch gleich zurückkehren in wirtschaftlich bessere Zeiten.
Die Gegenwart sieht dagegen so aus: Der Absatzrückgang liegt bei neun Prozent, zuletzt wurden nur 1,8 Millionen Pkw verkauft, das Konzernergebnis halbierte sich 2025 auf 5,3 Milliarden Euro. „Die einseitige Fixierung auf das Luxussegment war eine Fehlkalkulation, die das Fundament dieses Konzerns gefährdet hat“, so Moritz Kronenberger. Gleichzeitig honorierte der Sprecher von Union Investment aber „den Mut zur Kurskorrektur“, womit er sich direkt an Mercedes-Vorstandschef Ola Källenius wendet, dem am Donnerstag bei der Frage- und Ausspracherunde viel Gegenwind entgegenschlägt.
Verflogen ist da die entspannt zuversichtliche Atmosphäre, die zu Beginn des Veranstaltungsmarathons vom „Mercedes-Benz Global Trainingscenter“ in Stuttgart-Vaihingen ausgesendet worden ist. Dort hatten sich die Mercedes-Vorstandsmannschaft und Aufsichtsratschef Martin Brudermüller versammelt, um ihre Sicht der Dinge nach außen zu transportieren. Inklusive der Präsentation eines C-Klassen-Erlkönigs. Das neue Modell feiert in der kommenden Woche seine Weltpremiere.
Diskussion zur Modelloffensive von Mercedes
In diesem Kontext verweist Källenius auf die größte Produktoffensive in der Geschichte des Konzerns, aus der zwischen 2025 und 2027 insgesamt 40 neue Modelle hervorgehen. Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz mahnt an: „Die derzeitige Modelloffensive muss auch erfolgreich sei.“ Und fügt hinzu: „Die Uhr tickt.“
Tanja Bauer von Deka Invest wiederum merkt an, dass vor allem Modelle fehlten, um das schwache China-Geschäft wieder anzukurbeln. Worauf Ola Källenius entgegnet, dass es sehr wohl ein chinaspezifisches Angebot gebe und nennt den CLA mit einem auf verschiedene Dialekte abgestimmten Sprachassistenten als ein Beispiel dafür. Der CLA wird von den Aktionären mehrheitlich als die dringend notwendige Kurskorrektur zur als in weiten Teilen verfehlt angesehenen Mercedes-Luxusstrategie gewertet.
Außerdem widerspricht Ola Källenius vehement der Ansicht, dass Kunden mit der Vielzahl von neuen Modellen überfordert seien. Man wolle jedem Kunden in dem jeweiligen Segment ein für ihn perfektes Modell anbieten, so seine Maxime. Was einen Aktionär zu der Aussage verleitet: „Machen Sie mal wieder was wie die A-Klasse von 1999 – die war nämlich richtig gut.“
Kritik am Prüfungsausschuss von Mercedes-Benz
Die Kritik von Hendrik Schmidt vom Vermögensbildungsfonds DWS richtet sich auch an den Aufsichtsrat, der die unregelmäßige Teilnahme einzelner Gremiumsmitglieder des Prüfungsausschusses bemängelt. Außerdem kritisiert er das aus seiner Sicht nicht nachvollziehbare Vergütungssystem für die Mercedes-Vorstände.
Ob daran der Hinweis etwas geändert hat, dass die Vorstände derzeit nicht mit der Erhöhung ihrer Bezüge rechnen dürften? Der Vergütungsbericht jedenfalls wurde am Ende von den Aktionären mit einer Zustimmungsquote von über 92 Prozent durchgewunken. Noch deutlicher fiel die Unterstützung zu den weiteren abstimmungspflichtigen Tagesordnungspunkten aus – trotz zuvor deutlicher Kritik der Aktionäre. Vorstand und Aufsichtsrat wurden jeweils mit mehr als 97 Prozent der Stimmen entlastet.
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Insgesamt 60,46 Prozent des Aktienkapitals beteiligte sich durch Vertreter oder durch die Aktionäre selbst an den Abstimmungen. Den höchsten Wert mit 99,95 Prozent erzielte dabei, die vorgeschlagene Dividende in Höhe von 3,50 Euro pro Aktie auszuzahlen.
Einen Blick in die Zukunft wirft am Ende Ola Källenius, der künftig wieder Umsatzrenditen zwischen acht bis zehn Prozent erreichen und den Pkw-Absatz von 1,8 Millionen auf zwei Millionen steigern will. Davon sollen bis 2030 über 40 Prozent auf Elektro-Autos entfallen.
In Stuttgart hat Mercedes 160 Mitarbeiter eingestellt
Für Überraschung sorgte auch noch eine Aussage von Finanzvorstand Harald Wilhelm. In Zeiten großer Abfindungsprogramme hat Mercedes im vergangenen Jahr 400 neue Mitarbeiter eingestellt, davon 160 in Stuttgart.
Den zukünftigen Personalbedarf müsse man differenziert betrachten, so Finanzvorstand Harald Wilhelm. Im sogenannten indirekten Bereich, also außerhalb der Produktion, würden weniger Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen benötigt.