Martina Schneider (links) leitet den Menü-Service beim DRK Balingen. Die Mahlzeiten werden täglich von ehrenamtlichen Fahrern ausgeliefert, so auch von Annalena Schledzewski (rechts). Foto: Hoffmann

Schweinegulasch, Zwetschgenknödel und ein offenes Ohr gleich mit dazu – worüber sich alte Menschen freuen, wissen die Mitarbeiter des Menü-Services vom DRK Balingen. Sie berichten von Angst und Freude ihrer Kunden im Zollernalbkreis.

Die Tür geht auf, eine ältere Dame schaut heraus und nimmt lächelnd das warme Essen entgegen.

 

Diese Dankbarkeit ist es, die Martina Schneider, Abteilungsleiterin beim DRK-Kreisverband Zollernalb in Balingen und für den Menü-Service zuständig, täglich motiviert. Sie sagt: „Mit meinem Beruf kann ich jemanden glücklich machen.“

Mahlzeiten für den veränderten Geschmackssinn

Denn: Jeden Tag ein anderes warmes Essen direkt nach Hause geliefert zu bekommen, sei für viele Senioren der Grund, in den eigenen vier Wänden bleiben zu können. Da gibt es Schweinegulasch mit Erbsen und Kräuterspätzle, Zwetschgenknödel mit Vanillesoße und ein buntes Spargelgemüse-Ragout.

Und das alles „seniorengerecht“, wie Martina Schneider erklärt: Jede Mahlzeit bestehe den „Löffeltest“, werde schonend weichgekocht und entspreche außerdem den jeweiligen Unverträglichkeiten und geschmacklichen Anforderungen. „Der Geschmacksnerv verändert sich im Alter“, deshalb würze man das Essen nur schwach, so Schneider.

Essen kommt tiefgefroren beim DRK an

Doch woher kommt die Mahlzeit in der Kunststoffschale? Von der Firma Apetito, klärt das Team des DRK Balingen auf. Das Essen käme an den geringeren Appetit der älteren Menschen angepasst und schockgefroren an; in der Küche des DRK in Balingen wird dieses dann 80 Minuten lang dampfgegart – wegen der Vitamine, sagt Schneider.

Eine Seniorin erhält ihr Mittagessen vom Menü-Service des DRK. Foto: Hoffmann

Das ganze Jahr über liefert der Menü-Service im Zollernalbkreis warme Gerichte und einige tiefgekühlte Essenspakete zum Selbst-Warmmachen aus. Dabei ist es eben nicht nur das – den Kunden das Essen vor die Tür zu stellen – sondern auch der persönliche Kontakt.

Wie die Erfahrung von Martina Schneider und Fachbereichsleiterin Annette Oster-Haug zeige, vermittelten die Essenslieferungen Sicherheit. Von Einsamkeit geplagte Menschen, so die beiden Mitarbeiterinnen, zeigten Freude, wenn die ihnen bereits vertrauten Fahrer vorbeikämen.

Auch Angehörige seien beruhigt, dass die Versorgung ihrer Eltern und Großeltern auf diesem Wege sichergestellt sei.

Fahrer wenden sich im Notfall an Kontaktpersonen

Und was, wenn der Kunde die Haustür nicht öffnen kann, weil es ihm nicht gut geht oder er gestürzt ist? Auch das sei schon vorgekommen, wie Oster-Haug berichtet. Erst kürzlich sei eine Seniorin hingefallen, hatte dem Fahrer nicht aufgemacht. Der konnte jedoch eine Kontaktperson der Frau erreichen, die sich schließlich um die am Boden Liegende kümmerte.

uch der Schlüssel könne beim DRK hinterlegt werden, so dass die Mitarbeiter das Essen mit Zugang zur Wohnung direkt auch ans Bett oder den Tisch bringen könnten, erklärt Fachbereichsleiterin Oster-Haug.

Damit deckt das Rote Kreuz gleich mehrere Aufgaben ab: Ältere Menschen bekommen nicht nur ein warmes Mittagessen, sondern auch jemanden, der nach ihnen schaut und der ein offenes Ohr für sie hat – etwas, das die Digitalisierung nicht leisten kann, ergänzt Martina Schneider.

Besonders schön sei das an Feiertagen, speziell in der Weihnachtszeit. Wie die Abteilungsleiterin erklärt, leiden in dieser Phase überdurchschnittlich viele Menschen unter der Angst vor Einsamkeit.

Die Erleichterung sei deshalb groß, wenn auch an diesen Tagen ein Mitarbeiter des DRK mit dem Essen vor der Tür steht.

Blinde, pflegebedürftige und kranke Menschen

Zu den Kunden des Menü-Services gehören Menschen, die aufgrund ihres Alters Unterstützung annehmen oder sich aus Zeitgründen nicht um ein warmes Mittagessen kümmern können.

Und auch blinde, pflegebedürftige oder kranke Menschen versorgt das DRK. Martina Schneider erzählt aber auch von Männern, deren Frau verstorben ist, und die gar nicht wissen, wie man kocht.

Vor allem im ländlichen Raum gebe es jedoch bei vielen Senioren noch Bedenken, dass die Nachbarn es belächeln könnten, wenn das Auto des DRK vorfahre.

Doch Annette Oster-Haug appelliert, die Unterstützung durch den Menü-Service anzunehmen, vielleicht gemeinsam mit einer Nachbarin zu essen. Sie ist der Meinung: „Auch wir Schwaben dürfen uns etwas Gutes tun“.

Kontakt

Anmeldung
 Wer sich ehrenamtlich engagieren und für das DRK Essen ausfahren will, kann sich unter Telefon 07433 / 90 99 818 oder unter menueservi ce@drk-zollernalb.de melden. Dies sind auch die Kontaktdaten für Senioren, die das Essen geliefert bekommen möchten.