„Jetzt ist es offiziell: Ich habe eine Rolle. Ich werde ab Oktober das Musical Sister Act als Deutschland-Österreich-Tour spielen“, freut sich die 26-jährige Punita Lorch. In Bad Dürrheim kennt man sie noch aus der Zeit als Erzieherin bei den Stadtkäfern.
Der größte Berufswunsch der ausgebildeten Erzieherin geht nun endlich in Erfüllung. Der Weg zum Erfolg war dem indischen Mädchen, das als Findelkind vor einem Krankenhaus in Neu-Dehli abgelegt wurde, nicht in die Wiege gelegt.
Die junge Frau ist vielen Bad Dürrheimern durch ihre Ausbildung bei den Stadtkäfern und ihre Mitwirkung bei der Sommerwerkstatt bekannt. Ganz schnell waren die interessierten Kinder im letzten Sommer von ihrer Idee begeistert, eigene Rollen zu entwickeln.
Feuer und Flamme
Sommerwerkstatt Schnell brachte sie diese zu Papier. Die Themen Verschmutzung des Salinensees und Mobbing standen für die Kinder im Mittelpunkt. Mit Feuer und Flamme blühten die jungen Darsteller in ihren Rollen auf und konnten es schon nach wenigen Proben bei der Sommerwerkstatt vor ihren Gleichaltrigen und den Pädagogen zur Aufführung bringen.
Viel Beifall war ihnen sicher. Die Kulisse bot eine der selbst gebauten Holzhütten mit einem bunten Baumwollvorhang. Die Idee, als Erzieherin Kindern ein Gefühl für Rollenbesetzungen zu vermitteln, war Punita Lorch bei ihrer Ballettausbildung in Hamburg mit Blick auf einen Kindergarten gekommen.
Im Wäschekorb gefunden
Findelkind In einem Wäschekorb fand man die kleine Punita im Dezember 1998 in einem Krankenhaus in Neu-Dehli und brachte sie in ein Kinderheim. Durch einen glücklichen Umstand mit einer Verbindung zum Kloster Hegne entwickelten sich für ein Donaueschinger Ehepaar Adoptionsmöglichkeiten.
Das Mädchen war gerade mal elf Monate als sie auf die Baar eine sichere Heimat fand. Ihre leiblichen Eltern hat sie nie kennengelernt. Sie verbrachte hier eine glückliche Kindheit. Nach dem Besuch eines deutsch-französischen Kindergartens folgten die Erich-Kästner-Schule und das St. Ursula-Gymnasium mit dem Abitur mit Schwerpunkt Musik. Mitten in Klavier- und Querflötenklängen wuchs sie ständig von Musik umgeben auf. Damit wuchs ihre Begeisterung auch für andere Instrumente.
Die Begeisterung wächst
Förderung Ihr Papa, der noch heute Klavier, Querflöte spielt und singt, ist auch Zumbatrainer und macht Step-Aerobic. Schnell wuchs bei der jungen Punita die Begeisterung am Blockflötenspiel, auf dem Klavier und der Harfe. Das Spielen auf der Harfe wollte sie während ihrer Abiturzeit professionell ausbauen. „Es war gut, dass wir nur vier in der Klasse waren, da konnte ich mich besser auf das Studium vorbereiten.“ Es zerschlugen sich ihre Pläne.
Ihr musikalisches Talent blieb ihrem Musiklehrer aber nicht verborgen. Von ihm kräftig „gepusht“, stand man gemeinsam mit Gesangsvorträgen auf der Bühne. Weil es mit der Aufnahmeprüfung für das Fach Harfe an den Musikschulen in Freiburg und Mannheim nicht klappte, weil es für 30 Bewerber nur einen Platz gab, begann Punita Lorch in Tübingen katholische Theologie und Englisch auf Lehramt zu studieren.
Karriere nimmt Fahrt auf
Traumberuf Weiterhin von ihrem großen Berufstraum gefangen, war der Besuch der Musical-Academy Tübingen ein Teil ihres Aufenthaltes in der Stadt am Neckar. Für ein Jahr wirkte sie dort im Ensemble in einer Rolle im Stück „Addams Family“ mit. Mega Spaß machte ihr auch das darauffolgende Jahr in der Hauptrolle bei „Pippin“ auf der Musicalbühne.
Lehramtsstudium abgebrochen
Beeindruckt von diesen Erfolgen brach sie zum Sommersemester 2019 ihr Lehrerstudium ab. Sie begründet es damit, dass „es einfach zu wenig Praxis mit den Schulfächern gab.“
Es schloss sich für sie ein Praktikum als Erzieherin in einem Kindergarten an. Bei den Bad Dürrheimer „Stadtkäfern“ machte sie ihre Ausbildung und beendete diese im Sommer 2022. Auch nach dieser Ausbildung ließ sie ihr großes Vorhaben nicht los, denn die Bühnenauftritte in verschiedenen Rollen hat sie sehr vermisst.
Nachjustiert
Ausbildung Beim Gesangsunterricht spürte sie aber, dass es in die angestrebte Richtung geht. Dabei stellte sie sich immer wieder die Frage „Warum soll ich es nicht professionell versuchen?“ Sie machte an der Hamburger Stage-School im Herbst vor zwei Jahren ihre Aufnahmeprüfung. Schnell habe man dort gespürt, dass die gebürtige Inderin schon weit über den Anforderungen liegt. Daraufhin nahm sie gern das Angebot an, das erste Ausbildungsjahr in nur einem halben Jahr absolvieren zu dürfen. Mit dieser Zusage folgte im Januar 2023 der Umzug mit ihrem Mann in die Hansestadt in eine 34 Quadratmeter große Wohnung.
Ganz schön hart
Hamburg „Ich habe noch nie etwas Härteres im Leben gemacht“, erzählt sie aber mit einem Schmunzeln. Eine ganz besondere Herausforderung waren die Fitnessstunden, bei denen sie gleichzeitig ihr Können im Singen unter Beweis stellen musste. Und sie zählt die Schulfächer auf: Sprechtechnik (Lautschrift und Hochdeutsch), Schauspiel, Gesangstechnik mit Einzelunterricht. Ihre Kenntnisse konnte sie bei der Musiktheorie mit Gehörbildung schon nutzen. Bei der Interpretation von Liedern war eine weiter Anforderung, einen ausgewählten Song schauspielerisch darzustellen.
Stage School selbst bezahlt
Für das Repertoire nutzte sie die wertvollen Tipps eines Korrepetitors durch seine Klavierbegleitung. Großen Spaß hatte sie in den sechs Monaten ebenso bei der Ballett,- Jazztanz,- Stepp, und Chorausbildung. Einmal die Woche nutzte sie die Mittagspause, bei Auftritten vor Schülern viel Applaus für ihr Können auf der Bühne zu ernten. Wenn auch der Tag von morgens bis Abends für sie voller Verpflichtungen war, schwärmt sie noch heute davon, den ganzen Tag all das machen zu können, was sie liebt. Wieder eine große Bereicherung in Richtung Traumberuf. „900 Euro musste ich jeden Monat für die Ausbildung an der Stage School hinblättern.“
Auf zur Wunscherfüllung
Casting Voller Erlebnisse sind für Punita Lorch ihre Bühnenauftritte. Hier ist sie richtig in ihrer Rolle drin und bekommt um sich herum gar nichts mit. Für das Casting stand sie sowohl bei „Aladdin“ als auch bei „König der Löwen“ auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Statt ihrer erhofften Festanstellung blieb es leider nur beim Casting. Im Juli letzten Jahres kündigte das junge Ehepaar deshalb wieder ihre gemietete Hamburger Wohnung und zog zurück in den heimatlichen Süden.
Nach der letztjährigen Sommerwerkstatt begann sie in ihrem erlernten Beruf als Erzieherin in einem Kindergarten am Bodensee. Nun wird sie sich im Herbst von dort verabschieden und endlich ihren größten Wunsch als Musicaldarstellerin verfolgen können.