Yannic Meier will in seinen Club investieren, um den Weg aus der Disco-Krise zu schaffen. Foto: Köhler

Die Disco-Szene steckt weiter in der Krise. Der Lahrer Clubchef Yannic Meier will mit Investitionen gegensteuern, sieht aber auch die Stadt in der Pflicht zu handeln. Hoffnung setzt er in eine „Fröhlich-Revival-Party“, einen neuen „Beach“ – und den Surfpark.

An diesem Samstagabend soll „alles so wie früher sein“, sagt Yannic Meier. Das Gesicht der Lahrer Disco-Szene führt die Clubs am Flugplatz, das „Mensch Meier“ und das „Universal D.O.G“, nach dem Rückzug von Sebastian Class nun alleinverantwortlich und bereitet ein großes Event vor: die „Fröhlich-Revival-Party“.

 

Neun Jahre nach Gründung der Diskothek und ein Jahr nach dem Abschied und der Umwidmung ins „D.O.G“ soll heute wieder „unbefangen und ausgelassen“ gefeiert werden, erklärt Meier. Allerdings nicht in den alten Räumlichkeiten, sondern nebenan im „Mensch Meier“, denn der Clubchef rechnet damit, dass es mehr Kapazitäten braucht. Schließlich werden die klassischen Musikhits aus dem „Fröhlich“ gemischt mit einigen neuen gespielt und der Eintritt ist – wie früher – frei.

Diese alten Zeiten mit regelmäßig proppenvoller Tanzfläche und Warteschlangen an den Theken wünscht sich Meier zurück. Denn die Discokrise trifft weiter auch die Lahrer Clubs hart. „Die Zahlen gehen deutlich zurück, das Fasentloch war deutlich stärker als in den vergangenen Jahren“, macht Meier keinen Hehl aus der Lage – und wird deutlich: „So schwer hatten wir es noch nie.“ Ein Grund: Die Ausgehkultur in Lahr sei an einem Tiefpunkt. Meier attestiert der Stadt ein „Imageproblem“ und sieht auch die Stadtverwaltung und den Gemeinderat in der Pflicht, Änderungen anzustoßen.

Unattraktive Innenstadt schwächt die Diskotheken

Anzufangen ist, so Meier, in der Innenstadt. Er selbst hatte im vergangenen Jahr Interesse, das Bistro Wolkenkratzer nach dem Rückzug von Peter Wochnig zu übernehmen. Auch mit zwei weiteren Objekten habe er sich beschäftigt, rückte schließlich jedoch davon ab. „Wer halbwegs rechnen kann, macht in Lahr nichts mehr auf“, lautet sein vernichtendes Urteil. Meier kritisiert hohe Mieten und Auflagen sowie die Sperrstunde um 23 Uhr im Außenbereich, „wenn man eigentlich den meisten Umsatz macht“. Die Entwicklung mit immer mehr Leerständen und der schwindenden Vielfalt in der Innenstadt bereitet ihm Sorge. Darunter leide die Gastroszene und letztlich auch die Clubs. Denn die meisten gingen erst in der Innenstadt etwas essen und dann am Flugplatz feiern. Wenn ersteres nicht mehr attraktiv ist, so Meiers Bedenken, raffe sich niemand mehr für den Clubbesuch auf.

„Ein bisschen mehr offenes Denken“, wünscht sich der Nonnenweierer. Viel Hoffnung hat er nicht. Dass der Gemeinderat im Herbst die Aussetzung der Vergnügungssteuer für die Lahrer Clubs abgelehnt hat, bezeichnet er als „Unding“. Es gebe so weiterhin einen Wettbewerbsnachteil etwa gegenüber Offenburg. Auch die erhöhte Gewerbesteuer treffe die Diskotheken. „Sollte kein neues Denken aufkommen, ist nichts mehr zu rütteln. Lahr schießt sich selbst ins Aus“, sieht Meier schwarz.

Yannic Meier will an eigenen Stellschrauben drehen

Dennoch will er den Kopf nicht in den Sand stecken. Im Gegenteil: „Wir müssen gegensteuern“, sagt Yannic Meier und dreht an eigenen Stellschrauben. Der Club, kündigt er an, werde künftig verstärkt auf spezielle Events setzen. Seine Erfahrung zeige, dass besondere Anlässe die Menschen eher von der Couch locken. An Halloween oder Heilig Abend etwa sei auch sein Club wieder sehr gut besucht gewesen. „Doch einzelne Abende reichen nicht.“ Kommt das Revival am Samstag gut an, kann er sich ähnliche weitere Events gut vorstellen. „Das ,Fröhlich’ hatte einen deutlichen Mehrwert für das Haus“, sagt Meier. Diese Marke will er nicht untergehen lassen.

Auch im „Meiers Beach“ wird sich etwas tun. Der Strandbereich wird eine neue Tanzfläche erhalten, es gibt neue Pflanzen, Liegestühle und Lounges, das Ambiente soll „trendiger und hipper“ werden. Dafür nimmt Meier trotz der schwierigen Lage Geld in die Hand, aber es ist für ihn viel mehr ein notwendiges Invest als ein Risiko. Es brauche ein neues Konzept, denn „lange kann es nicht mehr so weitergehen“.

Strandbereich wird bis Mitte Mai umgestaltet

Die Szene sei sehr schnelllebig, es gelte immer wieder neue Reize zu setzen. „Wir wollen etwas einzigartiges kreieren und zurückkehren mit einem großen Knall.“ Losgehen soll es im neu gestalteten Strandbereich Mitte Mai und das mitunter auch tagsüber. Meier kündigt so genannte „Day Drinking“-Events an, bei denen der Club schon um 16 Uhr öffnet und die Gäste bei Tanzmusik und Cocktails Urlaubsatmosphäre schnuppern können.

Hoffnung für die Zukunft macht Meier der geplante Surfpark. Wird das „Leuchtturmprojekt“ der Stadt tatsächlich wie vorgesehen am Flugplatz realisiert, also in unmittelbarer Nähe zu den Diskotheken, verspricht sich der Club-Chef Synergieeffekte. Touristen, die tagsüber surfen und am Abend wenige Meter weiter feiern gehen – das könnte passen. Ähnlich wie die Clubs bereits von Europa-Park-Gästen profitieren. „Es wäre eine große Chance. Für Lahr allgemein und die ganze Gastro“, so der Clubchef, der dennoch betont, dass man sich nicht nur auf einen möglichen Tourismusboom in der Zukunft verlassen könne. Meiers Appell: „Ich hoffe, dass die Stadt Lahr jetzt etwas tut. Dann profitieren alle.“

Die „Revival-Party“

Das „Fröhlich-Revival“ beginnt am heutigen Samstag um 22 Uhr im „Mensch Meier“. Einlass ist für die ersten 100 Gäste ab 18 Jahren, danach ab 21 Jahren. Der Eintritt ist für alle Gäste frei. Als DJs sind Aire und Axel F. am Start.