Jasmin Kolberg präsentierte ein imposantes Spektrum ihrer musikalischen Sensibilität und technischer Zuverlässigkeit. Foto: Maria Kosowska-Németh

So einen Andrang erlebte der Altensteiger Bürgersaal selten: Selbst der Anlass des Zustroms, die Perkussionistin Jasmin Kolberg, zeigte sich beeindruckt von den voll besetzten Zuschauerreihen.

Fulminant begann die Saison 2024 der Altensteiger Meisterkonzerte. So einen Publikumsandrang wie am Sonntag erlebt der Bürgerhaussaal selten. Selbst die Solistin des Abends und international anerkannte Musik-Kapazität Jasmin Kolberg zeigte sich beeindruckt von dem Anblick der voll gefüllten Reihen und quittierte diesen gleich zum Anfang ihres Marimba-Recitals mit einem „wow“.

 

Die Künstlerin gewann auf Anhieb die Sympathie der Zuhörer, indem sie jeden Programmpunkt näher erläuterte und auch locker und gelassen aus ihrem beruflichen Nähkästchen plauderte. Doch so bald sie die Marimba-Schlägel in die Hände nahm, veränderte sich ihr Wesen diametral. Von diesem Moment an zählte für sie nur die betörend-magische Kraft der Musik.

Nicht ohne Grund trägt die Marimba den Beinamen „das Holz, das singt“. Unter Kolbergs talentierten Händen brachte das große Instrument mit hölzernen Aufschlagstäben und metallenen Resonatoren die flüchtige Anmut der impressionistischen Musik von Claude Debussy zum Vorschein, gewährte einen Einblick in die Gefühlswelt des Neoromantikers Max Reger und verlieh dem kontrapunktischen Stimmengeflecht einer dreistimmigen Fuge von Johann Sebastian Bach eine quellklare Transparenz.

Lebhaft bis beseelt

Kolberg nannte ihr Konzertprogramm „Animato“ (eine ihrer drei CDs trägt den selben Titel). Diese musikalische Vortragsbezeichnung leitet sich vom Wort „anima“ (Seele) ab und präzisiert den Charakter jeweiliger Interpretation als lebhaft und belebt bis hin zu beseelt.

Auf diesem breiten Feld künstlerischer Freiheiten präsentierte die Solistin ein imposantes Spektrum ihrer musikalischen Sensibilität und technischer Zuverlässigkeit. In den Werken von Astor Piazzolla, Claudio Santangelo oder Keiko Abe (sein „Memories of the Seashore“ stellte eine Quintessenz des Konzerts dar) wirkte ihre instrumentale Fertigkeit geradezu spektakulär, doch den Schwerpunkt sämtlicher Darbietungen legte die Perkussionistin auf tiefgründige Auffassung der Musik, Klangästhetik und emotionale Ausdruckskraft.

Solistin verblüfft mit Präzision

Mit Herzblut stellte sie ein ganzes Arsenal der Ausdrucksmittel in den Dienst der Kunst und gab ihren Gefühlen freien Lauf. Aus Klopfen, Schlagen, Streicheln oder Liebkosen der Holzstäbe modellierte sie zarte, dynamisch fein abgestufte Kantilenen und verblüffte mit Spielpräzision der kontrastreichen und aufwallend hinreißenden rhythmischen Strukturen. Ihre interpretatorische Fantasie schien keine Grenze zu haben und beflügelte die Vorstellungskraft der Zuhörer. Immer wieder tönten frenetischer Applaus und Bravorufe durch den Raum.

Ein Sahnehäubchen setzte Kolberg auf ihren Altensteiger Auftritt, indem sie ein Chanson in eigener Begleitung als Zugabe mit sicherer Stimme aufführte. Danach unterhielt sie sich gerne auf der Bühne mit mehreren Konzertgästen über ihr etwas exotisch wirkendes Lieblings-Instrument