Das jüngste Altensteiger Meisterkonzert bestritt das ebenso erfolgreiche wie preisgekrönte Duo Kermani/Gentili.
Seit 2012 arbeiten die Klarinettistin Kymia Kermani aus den Niederlanden und die italienischen Pianistin Alba Gentili-Tedeschi zusammen. Das Duo kann bereits zwei gemeinsame Alben vorweisen. Im Fokus seines Programms „Love Letters“ standen musikalische Werke von der Romantik bis zur Gegenwart, auch aus der Frauenhand. Fragmente der Korrespondenz zwischen Liebenden sowie lyrische Poesie warfen ein Licht auf die Quellen der künstlerischen Inspirationen und zeugten von der schöpferischen Macht der Leidenschaft.
Zeitlebens liebte und verehrte Johannes Brahms (1833-1897) Clara Schumann (1819-1896), die Ehefrau von Robert Schumann. Diese tiefe und schicksalhafte, auch in der späten Sonate op. 120 Nr. 1 für Klarinette und Klavier verewigte Zuneigung ließ das Duo Kermani/Gentili mit großer Überzeugungskraft wieder aufleben und beleuchtete die Gefühlswelt des genialen Geistes mit zärtlich geführten Phrasen, zaghafter Lyrik und unbändigen Ausbrüchen der Leidenschaft.
Unendliche Traurigkeit füllt das Klangbild
Die Künstlerinnen führten ihre interpretatorischen Linien klar, stimmig und expressiv – wenn auch ihre Emotionalität sich stellenweise unterschiedlich äußerte –, und der technisch versierte Klarinetten-Klang korrespondierte sehr gut mit dem tief gesetzten, „fleischigen“ Anschlag der Pianistin. In dem „Sie liebten sich beide“ von Clara Schumann ließ das Duo ein farbiges und mit unendlicher Traurigkeit gefülltes Klangbild entstehen.
Neben den zwei hoch virtuosen Sätzen aus der Carmen-Fantasie von Pablo Sarasate standen auch einige zeitgenössische Werke auf dem Programm. Nachdem die trüb gefärbte Atonalität des „I shall be the black sun“ von Veronica Anghelescu verklang, brachte das Duo teils neuartige, teils magnetisch deformierte Töne und Geräusche aus dem nach den Vorgaben des Komponisten von „Baki Alami“, Damian Scholl, präparierten Flügel hervor.
Gegen Ende gibt’s etwas leichtere Kost
Traumhaft schön interpretierte Gentili/Tedeschi das „Crépuscule“ für Klavier solo von Mel Bonis, dann bot das Duo den Zuhörern auch etwas leichtere Kost – das liedhaft-tänzerische „Lua Branca“ aus der Feder der brasilianischen Komponistin Chiquinha Gonzaga und den Liebes-Hit aus den 70er-Jahren, „Love Story“ von Francis Lai.
Das Konzert kam sehr gut beim Publikum an und regte die Besucher bereits in der Pause zum Meinungsaustausch an. Nach dem Schlussapplaus bewiesen die Instrumentalistinnen mit einem Jazzstück als Zugabe, dass sie auch in diesem Musikgenre prächtig bewandert sind.