Bei den Meisterkonzerten hat die Geigerin Maria Dueñas mit den Wiener Symphonikern Beethoven gespielt.
Sie ist erst 23 Jahre jung und bezaubert schon mit dem feinen, hellen Ton ihrer Nicolò-Gagliano-Violine die Konzertsäle der Welt. Am Freitagabend hat Maria Dueñas im Stuttgarter Beethovensaal das Stück gespielt, das sie fast über Nacht zur Stargeigerin machte. Rund um Beethovens Violinkonzert, rund um den Auftritt der ebenso virtuosen wie eigenwilligen Spanierin ist allerdings Musik zu hören, die kaum jemand kennt – jedenfalls nicht in den gewählten Besetzungen und Bearbeitungen.
Die Wiener Symphoniker haben zu den „Meisterkonzerten“ der SKS Russ zwar nur Werke von in Wien residierenden Komponisten mitgebracht, aber wer kennt schon das Blechbläser-Arrangement, das Bruckners Schüler Ferdinand Löwe vom Adagio aus dessen siebenter Sinfonie anfertigte? Getragen vom geschmeidigen Klang der Wiener Hörner, klingt Bruckner hier: erhaben. Wie viel Wagner in dieser Musik ist! Es duftet nach Kirche, Quinten und Männerchor.
Das Vertraute wird fremd
Und wer hat je im Konzertsaal Arnold Schönbergs Orchesterfassung von Brahms‘ Klavierquartett hören dürfen? Hier wird aus Brahms‘ Radierung ein Ölgemälde, Klangfarben werden raffiniert gemischt und aufgespalten. So wird das Vertraute fremd – vor allem im Schluss-Rondo, wo die Motive durch das gesamte Orchester tanzen.
Mit präzisen Gesten sorgt die Dirigentin Marie Jacquot dabei für Durchblick, und es ist ihr zu danken, dass das Orchester auch beim Kern-Stück des Abends nicht die Orientierung verliert. Diese Leistung ist kaum hoch genug zu schätzen, vor allem im ersten Satz: Hat man das Allegro von Beethovens Violinkonzert jemals so langsam gehört wie hier?
Sie zelebriert Schönheit im Detail
Maria Dueñas beginnt mit großer Zartheit, ja Verletzlichkeit, sehr lyrisch, singend, sehr leise, serviert danach leichtfüßiges Passagenwerk und kuschelweiche Phrasierungen. Zelebriert wird Schönheit im Detail. Das dauert, und so braucht Marie Jacquot am Pult viel Energie, um den Zerfall der Musik abzumildern (ganz verhindern kann sie ihn nicht). Die zähen Tempi der Solistin im ersten Satz nivellieren auch den Kontrast zum folgenden Larghetto, und zu Beginn des Finales beenden Teile des Orchesters nicht rechtzeitig ihren Schlafmodus.
Immerhin: Maria Dueñas spielt eigene, zwar sehr lange, aber interessante Kadenzen, und nach der ersten entsteht, getragen vom delikaten Streicher-Pizzikato der Wiener Symphoniker, eine zauberhafte Klangmagie. Den weiteren Weg der hochbegabten Geigerin erwarten wir mit Spannung.