Esther Birringer gilt als eine der begabtesten Pianistinnen ihrer Generation Foto: Kosowska-Németh

Der Klavierabend mit Esther Birringer am Flügel versetzte die Zuhörer im Altensteiger Bürgersaal ins Staunen und löste mehrere Wellen der Begeisterung aus.

Dem jüngsten Meisterkonzert im Bürgerhaus ging allerdings ein organisatorisches Problem voraus: Nachdem das Duo Ulf Schneider/Jan Philip Schulze seinen Auftritt krankheitsbedingt kurzfristig absagen musste, gelang es dem Team vom Kulturamt, im allerletzten Moment einen anderen musikalischen Hochkaräter zu gewinnen. Die beidseitige Flexibilität steht in Musikerkreisen eben ganz hoch im Kurs.

 

Es gab nicht einmal die Zeit, neue Programmhefte drucken zu lassen. Deshalb stellte Birringer die Reihenfolge ihres Auftritts selbst vor und fügte den Werken von Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven, Georg Händel, Peter Tschaikowski und Claude Debussy einige ergänzende Worte hinzu.

Gleich zu Beginn des Konzerts fielen die interpretatorische Freiheit und stilistische Fantasie, die Lebendigkeit des transparenten Anschlags sowie die Vielfalt der Artikulation und Dynamik auf. Die künstlerische Intuition von Birringer ließ bildhafte Stimmungen durch Stile und Epochen hindurch entstehen und beleuchtete deren Aussagekraft mit farblichen Nuancen – wie in der hoch virtuosen, orchestral klingenden Suite aus dem „Nussknacker“ von Tschaikowski oder in der subtil phrasierten Passacaglia von Händel, die wie eine Nocturne wirkte und den Applaus bedeutend verzögerte.

Mehrfach preisgekrönt

Die mehrfach preisgekrönte und von der Fachpresse als eine „der begabtesten Pianistinnen ihrer Generation“ bezeichnete Birringer lebte ihre farbliche Sensibilität und innere Emotionen besonders suggestiv in impressionistischen Klavierstücken von Debussy aus.

Ganz in sich gekehrt, mit authentischer Hingabe und beinahe abwesend faszinierte sie die Zuhörer durch ihr musikalisches Naturell, malerische Tonsprache und echte Poetik im Spiel. Zeitlos und unfasslich dichtete sie auf den Flügeltasten Naturszenen aus dem Zyklus „Images“ , irreal schön gab sie „Clair de lune“ wieder, und auch die Melancholie der wenig bekannten „Ballade“ ließ die Zuhörer lange inne halten.

Debussy als Zugabe

Da das Publikum die grandiosen Darbietungen von Birringer mit fortwährendem Applaus sowie Anerkennungsrufen honorierte und nach einer Zugabe verlangte, spielte die Künstlerin zum Abschied eine Arabesque von ihrem (wie es scheint) Lieblingskomponisten Debussy.