Der Rottenburger Gelatiere Thomas Micolino kann sich nach der Deutschen Meisterschaft auch den Titel als weltbester Eismacher sichern. Dazu muss er in die Wüste fliegen.
Den Pokal als Deutschlands bester Eismacher hat er schon. Jetzt will Thomas Micolino auch Weltmeister der Gelatiere werden. Dazu muss sich der 36-jährige Chef des Rottenburger Eiscafés Rino in den Flieger nach Las Vegas setzen. Denn dort findet vom 24. bis 26. März das Finale der Gelato Festival World Masters statt, der Weltmeisterschaft im Eismachen.
Der Wettbewerb wird hart. Micolinos Konkurrenten kommen aus 15 Ländern, von A wie Argentinien bis S wie der Schweiz. Jedes Land schickt drei Vertreter des Eismacher-Handwerks in die größte Stadt im US-Bundesstaat Nevada, die hierzulande vor allem für ihre Spielcasinos und ausgefallenen Mottohotels berühmt ist.
Thomas Micolino hatte sich im Oktober 2023 beim Regionalwettbewerb in Rangendingen für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Mit seiner Kamelatte – einer exotischen Kreation aus Kamelmilch, Datteln und einem Topping aus marinierten Mandeln und Pistazien – überzeugte der Rottenburger am 20. Januar 2025 als einer von 15 Eismachern aus Deutschland auch die Jury in Rimini, wo auf der internationalen Messe für handwerkliches Eis, Konditorei, Bäckerei und Kaffee neben der deutschen auch die spanischen und portugiesischen Meisterschaften im Eismacherhandwerk ausgetragen wurden.
Neben Micolino treten der Zweit- und der Drittplatzierte der deutschen Meisterschaft in der Gelato Arena in Las Vegas an: Rino Bernardi aus Ochsenhausen mit der Kreation „Red King“ aus Granatapfelsorbet, Sahne und Honig sowie Enrico Piccin aus Berlin mit seinem Eis „Mediterraneo“ – einem Milcheis mit Olivenöl, Rosmarin und Zitronenschale.
Mindestens so ausgefallen sind die Eissorten, die der Rottenburger Eis-Champion im Repertoire hat. Seine Kundschaft am Marktplatz hat Micolino schon mit crunchigem Grillen-Eis verblüfft. Auch mit Anti-Aging-Eis, das er mit Kollagen anreichert, hat Micolino das Publikum bereits in seine Eisdiele gelockt. Selbst ein Luxus-Eis mit Flittern von 24-karätigem Gold hat er mal in die Waffel gepackt. In Las Vegas aber wird er wieder mit seinem schon vor drei Jahren kreierten Eis aus leicht salziger Kamelmilch antreten. So sind die Regeln. „Man muss immer das Eis der deutschen Meisterschaft präsentieren“, sagt Micolino.
Mit Isländischem Moos verfeinert
Aber ein bisschen Verfeinern ist erlaubt. So hat der Rottenburger Eismacher den Winter über getüftelt. Für die exquisite Geschmacksnote mischt er seinem Milcheis aus Wüstengold, wie Kamelmilch auch genannt wird, nun ein paar Tropfen Tee aus herb-krautigem Isländischem Moos bei. Außerdem mariniert und räuchert er die Datteln, bevor er sie in Wasser aufkocht, zu einem honigartigen Mus verarbeitet und unter die Eismasse aus Kamelmilch hebt. „Das macht das Eis noch cremiger“, hat er festgestellt.
Bisher war Micolino davon ausgegangen, dass die Weltmeisterschaft „irgendwo in Europa“ stattfindet. Erst vor zwei Wochen kam die Einladung nach Las Vegas, der Stadt in der Mojave-Wüste in Nevada. Das stellt den Rottenburger Meistergelatiere vor eine logistische Herausforderung. Denn der Import von Lebensmitteln in die USA ist nicht so ohne Weiteres erlaubt. Ein paar der Zutaten hat er schon per Post an das Hotel geschickt, in dem er während des Gelato Festivals übernachten wird.
Aber wo die Kamelmilch hernehmen – das Wüstengold für sein Meister-Eis? Normalerweise bezieht Thomas Micolino den Hauptbestandteil für sein Kamelatte-Eis frisch von einer Molkerei in den Niederlanden, in der die Milch der einzigen Kamelfarm Europas verarbeitet wird. Ausgerechnet für die Weltmeisterschaft auf H-Milch aus Dubai umsteigen – das wollte der Rottenburger nicht. Zu seiner Erleichterung stieß er im Internet auf eine Kamelfarm, 400 Kilometer entfernt von Las Vegas. „Zum Glück gibt es in Nevada ja auch eine Wüste“, sagt Micolino.
Mit Dolmetscher in die Wüste
Alleine muss Micolino den Weg nach Las Vegas nicht antreten. Seine Frau und die beiden Kinder bleiben zwar in Rottenburg. Dafür nimmt er den Spielerberater Ingo Haspel mit, der bei seinen Transferverhandlungen für die Cracks der Fußballbundesliga schon öfter in der Wüstenstadt Station gemacht hat. „Der kann besser Englisch als ich“, sagt Gelato-Champion über seinen „guten Freund“.
In Las Vegas wird Haspel aber nur als Dolmetscher gebraucht. Für den Eisdielen-Transfermarkt ist Thomas Micolino nicht zu haben, egal wie der Gelato-Wettbewerb für ihn ausgeht: Er will dem Rottenburger Rino treu bleiben. Er habe schon „viele Ideen für die nächsten Eiskreationen“, sagt Micolino. Welche neue Sorte er zur Saisoneröffnung präsentieren will, verrät er nicht. „Das ist noch ein Geheimnis.“
Erst will sich der Rottenburger Gelatiere auf das Finale der Weltmeisterschaft in Las Vegas konzentrieren. „Das ist eine große Chance“, findet Thomas Micolino. „Das kommt nur einmal im Leben.“
Gelato Festival World Masters
Bei den ersten Gelato Festival World Masters
im Jahr 2010 in Florenz waren die Eismacher aus Norditalien noch unter sich. Schnell kamen Gelatiere aus ganz Italien, später aus ganz Europa dazu.
Seit 2017 wird der Wettbewerb
ums beste Speiseeis der Welt auch in den USA ausgetragen. In der Runde darauf, die 2018 begann, beteiligten sich über 3500 Eishandwerker aus der ganzen Welt an der Meisterschaft.
Der Wettbewerb
zieht sich immer über mehrere Jahre hinweg. Regionalen Ausscheiden folgen nationale Meisterschaften und schließlich dann das Finale.