Leser Friedhelm Hoffmann aus Tübingen stimmt Ostelsheimer Bürgermeister Ryyan Alshebl zu, der die Abschiebedebatte kritisiert.
Jeder, der sich in der Lage des Ostelsheimer Bürgermeisters Ryyan Alshebl befände, würde seine Eltern zu sich in Sicherheit bringen wollen.
Denn während der Massaker an den Drusen im Sommer, zu denen die Alshebls gehören, hat die neue syrische Regierung gezeigt, dass sie entweder nicht willens oder nicht in der Lage ist, Übergriffe ihrer islamistischen Klientel gegen Minderheiten zu verhindern.
Rein geopolitische Erwägungen, die dem Werben der amerikanischen Regierung um den Interimspräsidenten Ahmed al-Scharaa zugrunde liegen, sollten nicht alleiniges Kriterium im Umgang mit Damaskus sein. Der Wechsel vom islamistischen Saulus zum proamerikanischen Paulus scheint mir verdächtig abrupt. Zwar ist es verständlich, wenn die Amerikaner al-Scharaa in ihr Lager herüberziehen wollen. Doch sollte seine Bereitschaft, an der Allianz gegen den Islamischen Staat mitzuwirken, nicht dazu führen, dass in Zukunft weggeschaut wird, wenn die Minderheiten drangsaliert werden.
Alshebls Vorschlag – gut durchdacht und geeignet
Traditionell stellten in Syrien Minderheiten wie Alawiten, Drusen, Ismailiten, Kurden und verschiedene christliche Konfessionen ein starkes Drittel der Bevölkerung. Wie wird deren Zukunft, wenn sich das Regime nicht von seinen islamistisch-sunnitischen Ursprüngen löst und zur Gleichbehandlung aller Bürger bereit findet? Daher sollte Berlin beim Wiederaufbau des Landes auf rechtsstaatlichen Vorbedingungen bestehen.
Was nun die Rückführung der Flüchtlinge angeht, so scheint mir Alshebls Vorschlag einer Frist zur freiwilligen Ausreise, kombiniert mit einem Bleiberecht bei beruflicher und gesellschaftlicher Integration, gut durchdacht und geeignet, der Politik als Leitfaden zu dienen.
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