Die Innenstadt ist ein Aushängeschild Lörrachs. Ihre Attraktivität verdankt sie auch der konsequenten Umsetzung des Märkte- und Zentrenkonzepts. Foto: Kristoff Meller

Das Lörracher Märkte- und Zentrenkonzept ist Anfechtungen ausgesetzt. Das gefährdet die Entwicklung des Einzelhandels und der Stadt, findet unser Redakteur Bernhard Konrad.

Derzeit kämpfen Radprofis um den Sieg bei der Tour de France. Der Gesamtsieger gewinnt nur wenige Etappen – die meiste Zeit macht er das, was Sieger tun: Er verfolgt ein kluges Konzept. Genau so funktioniert das Lörracher Märkte- und Zentrenkonzept (MZK): Es will nicht den Tagessieg, es will den Gesamtsieg im Wettbewerb. Und Lörrachs Stellung in der Region belegt, dass dieses Konzept aufgeht.

 

Dennoch ist das MZK zuletzt durch kritische Forderungen aus der Kommunalpolitik unter Druck geraten. Deren Umsetzung hätte eine Aufweichung des erfolgreichen Ansatzes zur Folge – indes: Die tröpfchenweise Verwässerung würde eine positive Stadtentwicklung gefährden.

Das Konzept hat sich als robust erwiesen

Das MZK hat sich als zentrales Instrument der Einzelhandelssteuerung bewährt: Es legt fest, nach welchen Kriterien Einzelhändler in Lörrach angesiedelt werden und bildet damit eine Basis der kommunalen Stadtplanung. Diese wiederum bietet Investoren und Betrieben Verlässlichkeit.

Das MZK hat sich – den schwieriger werdenden Rahmenbedingungen zum Trotz – als wetterfest erwiesen: Weder der wachsende Online-Handel noch die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie haben die Funktionstüchtigkeit der Lörracher Einzelhandelszentren entschieden geschwächt. Richtig ist zwar: Auch in der Innenstadt gibt es mittlerweile Leerstand – aber im Vergleich zu anderen Städten ist dieser gering.

Mehr Umsatz, als das lokale Kaufpotenzial eigentlich hergibt

Das jüngste Gutachten für die Fortschreibung des MZK spricht von einem „Zentralitätswert“ von 1,48 – das heißt: Der Einzelhandel generiert rund 48 Prozent mehr Umsatz, als das lokale Kaufpotenzial eigentlich hergibt.

Im Juni hat der Gemeinderat mehrheitlich eine Veränderungssperre für den Bebauungsplan „Meeraner Markt“ ausgesprochen und damit den Einzug von Woolworth verhindert: Der Markt soll den Geschäften in der nahen Innenstadt keine Konkurrenz machen. Einige Stadträte der Freien Wähler, der FDP und der „Bürger für Lörrach“ haben diese Entscheidung kritisiert.

Wie das erfolgreiche Konzept plötzlich umgedeutet wird

„Lieber einen Gewerbesteuerzahler mehr, als die Gewerbesteuer erhöhen“, wird Birger Bär (Bürger für Lörrach und Lörracher AfD-Vorstandsmitglied) in unserer Zeitung zitiert. Vermutlich werden solche Sätze hier und da mit einem kernigen „Jawoll!!“ aufgenommen. Aber Vorsicht: Es sind genau jene kurzsichtigen Effekte, die die Stadt klugerweise vermieden und dadurch erst den Weg zu einer fruchtbaren Entwicklung geebnet hat.

Das MZK wird hier schlicht umgedeutet: von einem funktionierenden Werkzeug der Kanalisierung der Einzelhandelsentwicklung zu einem Instrument der Verhinderung, zur Wachstumsbremse, zur staatlichen Schikane. Indes ist tatsächlich das Gegenteil der Fall: Das MZK ist ein Stabilitätsfaktor, der Erfolg für eine Stadt gesamthaft als Langfristprojekt denkt und nicht auf den Effekt des einfachen Tagessiegs setzt.

Etliche Galeria-Filialen wurden geschlossen, in Lörrach wurde investiert

Niemand stellt in Frage, dass das MZK weiterentwickelt und angepasst werden muss. Aber im Grundsatz basiert es auf dem Leitgedanken, auch Mal „nein“ zu sagen, wenn es der perspektivischen Entwicklung dient. Und die ist gut – das zeigen auch jüngste Bekenntnisse großer Kreisstadt-Magneten: Andernorts wurden Galeria-Filialen geschlossen, in Lörrach wurde investiert.

Ein Blick nach Haagen – und über den Tellerrand hinaus

Auch beim Blick in die Ortsteile, vor allem nach Haagen, gilt: Ja, das Dorf ist in einer schwierigen Situation, insbesondere seit der Markt der Metzgerei Bachmann im Ortszentrum geschlossen hat. Aber: Würde auf dem ehemaligen Schöpflin-Areal ein Lebensmittelmarkt zugelassen, der deutlich über die von der Stadt festgelegte Größe hinaus geht, könnte dies den Brombacher Markt der Familie Henle gefährden und in Tumringen „Kaisers Gute Backstube“ sowie den benachbarten „Vita-Biomarkt“ und die Metzgerei Hug. Wäre das im Sinne Lörrachs? Oder wenigstens im Sinne Haagens? Nein.

Lörrach hat genügend innenstadtnahe Parkplätze

Was zuletzt ebenfalls wieder aufploppte: eine Diskussion von gestern. Die Lörracher Innenstadt, so ist von Einzelnen zu hören, verfüge über zu wenig Parkplätze. Abgesehen davon, dass Lörrach mit zentralen Parkhäusern fast schon überversorgt ist: Wenn eine Stadt belegt, dass für den Erfolg des Einzelhandels nicht die Anzahl der Auto-Parkplätze ausschlaggebend ist, sondern andere Faktoren, dann Lörrach.