Es gibt Argumente für und gegen eine Videoüberwachung in einer Kirche. Foto: Krokauer

Ist das sinnvoll? Die Meinungen in unserer Redaktion sind geteilt.

 

Pro

Von Wolfgang Krokauer

Gerade in katholischen Gemeinden ist es üblich, dass die Kirchen tagsüber offen sind. Gläubige sollen spontan die Möglichkeit haben, in die Kirche zu gehen, dort zu beten oder einfach auch nur innezuhalten. Doch Unbekannte nutzten dies in Schömberg aus, um ihr Unwesen zu treiben. Als sogar in das Taufbecken uriniert wurde, war das Maß voll. Die Verantwortlichen der Kirchengemeinde entschlossen sich, die Kirche abzusperren. Sie wird erst wieder geöffnet, wenn Videokameras angebracht sind. Das ist nicht unproblematisch, wollen doch viele Gläubige nicht von einer Kamera aufgenommen werden, wenn sie in einer Kirche in sich gekehrt sind. Doch der Kirchengemeinde bleibt nichts anderes übrig, als die Videokameras anzubringen. So werden potenzielle Täter abgeschreckt und die Kirche bleibt offen. Im Vergleich zu den enormen Schäden durch Vandalismus ist diese Lösung das geringere Übel. Von geschlossenen Kirchen haben die Gläubigen erst recht nichts. -

Kontra

Von Ralf Klormann

Brandstiftung, Sachbeschädigung, Urin im Taufbecken: Was Unbekannte in der katholischen Kirche Schömberg angerichtet haben, ist kein dummer Streich, sondern kriminell. Nun sollen Kameras helfen, solchem Treiben Einhalt zu gebieten. Grundsätzlich sinnvoll.

Allerdings muss dann klar kommuniziert werden, was mit den Aufnahmen geschieht, wenn nichts geschieht. Also ob und von wem die Videos eingesehen werden. Denn wer in die Kirche geht, allein, wenn sonst niemand dort ist, hat in der Regel keine bösen Absichten, sondern sucht Abgeschiedenheit. Anonym, vielleicht verschämt angesichts dessen, was nur Gott anvertraut werden soll. Wer wird zusehen? Beim Beten, Flehen, Weinen? Ein abschreckender Gedanke.

Dieses Problem gilt es vorab zu lösen. Geschieht das nicht, gewinnt die Kirche zwar Sicherheit. Sie schafft aber zugleich eine Hemmschwelle für Gläubige. Möglicher Schaden wäre dann nicht verhindert – sondern nur gegen einen anderen ausgetauscht.