Michael Keßler wird ab Oktober als neuer OB von Horb im Amt sein. Foto: Jürgen Lück

Was die Wahl von Michael Keßler (CDU) zum neuen Stadtoberhaupt bedeutet beschreibt unser Autor Jürgen Lück.

Ab Oktober hat Horb ein neues Stadtoberhaupt – Michael Keßler (CDU). Viele befürchten, diese Wahl bedeutet für unsere Stadt einfach ein „weiter so“.

 

Klar ist: Vergleicht man Amtsinhaber Peter Rosenberger mit seinem Nachfolger, sieht man zwei völlig unterschiedliche Typen. Rosenberger hat – egal, was man von seinen Entscheidungen hält – immer Kurs gehalten. Und hat auch noch die besondere Gabe, zu kommunizieren.

Unvergesslich, wie er es schaffte, das City-Schleifle beim Kernstadtumbau trotz heftiger Gegenwehr im Gemeinderat in intensiven Diskussionen durch zu bekommen und einen Beschlussvorschlag durchzusetzen, der alle Optionen offen hält. Als Vize-Vorstand der IG Gäubahn konnte Rosenberger auch glänzen – kommunikativ und im Auftritt.

Keßler betont Zusammenhalt

Bei der OB-Wahl 2025 hatte der Wähler die Wahl zwischen dem auf den ersten Blick „nüchternen Sachstandsverwalter“ Michael Keßler (CDU) und dem Finanzmanager Winfried Asprion (parteilos). Der legte klare Zahlen, Strategien und Ideen vor – Keßler betont den Zusammenhalt, strahlt Bescheidenheit und Bodenständigkeit aus. Asprions Agenda verschreckte offenbar die wichtigen Multiplikatoren im Rathaus und in den Ortschaftsräten.

Keßler dagegen verspricht Frieden. Will Rathaus-Mitarbeiter in die Ortschaftsverwaltungen versetzen, falls gewünscht. Was er wirklich Innovatives vorhat, lässt der neue OB – außer beim Kernstadtumbau – im Dunkeln. Klingt schon nach dem Motto: „Alles bleibt beim Alten“.

Doch: Das politische Personal wird komplett neu gemischt. Ein neuer Landrat kommt – der verlorene Kampf zwischen Peter Rosenberger an der Spitze gegen Landrat Rückert und dem Kreistag um die Schließung des Horber Krankenhauses wird mit Keßler und dem Rückert-Nachfolger keine persönliche Note mehr haben. Keßler und Freudenstadts OB Adrian Sonder scheinen sich hervorragend zu verstehen.

Kooperativer Ansatz

Klar ist auch: Von den Festangestellten im Rathaus kann man „Underperformer“ nicht feuern. Ein kooperativer Ansatz könnte hier die Bürokraten wirklich weiter auf Zack bringen. Rosenberger sagt: „Als OB bist du da der Einzige im Rathaus, der einen Zeitvertrag hat. Du bist derjenige, der geht, wenn es nicht funktioniert.“

Der verweigerte Handschlag von Winfried Asprion mit Bürgermeister Ralph Zimmermann (FDP) hätte auch nichts Gutes für die große Kreisstadt verheißen. Horbs OB Peter Rosenberger hatte mir gesagt, dass eine Loyalität zwischen dem neuen OB und dem wiedergewählten Bürgermeister gut für die Stadt sei. Und die ist zwischen Ralph Zimmermann und Michael Keßler vorhanden.

Weil sich sonst – wie in den Zeiten von Jan Zeitler (SPD) als Bürgermeister von Horb und Rosenberger – OB und Bürgermeister dauernd belauern würden. Das hemme auch die Zukunft der Stadt. Fakt ist: In der gemeinsamen Zeit von „Ralph“ und „Rosi“ (Fasnets-Spitzname) hat sich Peter Rosenberger definitiv weiterentwickelt und an Statur noch einmal gewonnen. Das ist auch dem neuen Stadtoberhaupt von Horb zu wünschen.

Was die Stadt voranbringen könnte

Entscheidend wird sein, dass Michael Keßler in kniffligen Situationen wie beim City-Schleifle einen Weg findet, ähnlich brillant wie Peter Rosenberger zu kommunizieren. Und ob er es schafft, Ideen von Modernisierern wie Asprion oder Ex-Bim-Fraktionschefin Christina Nuss („Shopfloor-Board“) dezent in seine Arbeit als Stadtoberhaupt einfließen zu lassen. Und zu versöhnen. Landkreis, Freudenstadt und Horb. Die Kernstadt, Hohenberg und die 17 Ortsteile. Das könnte unsere schöne Stadt voranbringen – trotz schwerer finanzieller Zeiten.