Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

"Mein Leben kann ein Buch füllen"

Von

Von Magdalena Rupp

Nagold. Die zweitälteste Bürgerin Nagolds wird am heutigen Donnerstag 103 Jahre alt. "Mit meinem Leben kann man ein ganzes Buch füllen", sagt Berta Rothfuß, die mit ihrer Tochter seit 1995 in Nagold wohnt. Geboren wurde sie 1907 als Jüngste von 13 Kindern in Rosenberg im Kaukasus. Dort ging sie sechs Jahre lang in die Dorfschule, habe später aber noch die Abendschule besucht, so Tochter Hildegard.

Gelebt hat Bertas Familie damals von der Landwirtschaft. Als Kind habe sie in Georgien vom Ersten Weltkrieg kaum etwas bemerkt. Nur dass ihrem Vater die Pferde weggenommen wurden, daran kann sie sich noch erinnern. Ansonsten sei ihre Jugend die schönste Zeit in ihrem Leben gewesen. Bevor sie verheiratet war, habe sie noch keine Kindersorgen gehabt. "Solange man noch frei ist, ist man frei", merkt sie an.

Ihren Ehemann, der bereits 1978 gestorben ist, hat Berta in Georgien kennen gelernt und 1927 geheiratet. Im selben Jahr kam auch das erste ihrer sechs Kinder auf die Welt, von denen heute noch fünf leben. Den Überblick über ihre Enkelkinder habe sie schon lange verloren, sagt sie, aber es seien wohl 16 Enkel und 32 Urenkel, so ihre Tochter. Bei den Ururenkeln habe sie aber inzwischen auch aufgehört mitzuzählen.

Eine Zeit voller Hunger und Elend waren die Jahre des Zweiten Weltkrieges, erzählt die Jubilarin. Ohne Essen und Kleider mussten sie 1941 von Georgien nach Kasachstan umsiedeln. "Damals war ich zwei Jahre alt", bemerkt die Tochter. Erst 1947, als der Vater in einer Kohlegrube in Sibirien arbeitete, hätte sich ihre Situation langsam verbessert, meint die Tochter. 1956 kehrte die Familie dann zurück nach Kasachstan, wo sie während der Sowjet-Zeit im Kollektiv arbeiten mussten. Bei der Ernte hätten sie geholfen und die Ochsen geführt, sagt Berta Rothfuß. Überhaupt habe ihr Leben viel aus Arbeit bestanden.

Früher habe sie ihre wenige freie Zeit mit Handarbeit verbracht. Aber Stricken und Häkeln könne sie heute wegen der zittrigen Hände nicht mehr. Auch gelesen habe sie immer sehr gerne. "Was ich erwischt habe, ob es gut war oder schlecht, alles habe ich gelesen", sagt sie. Aber auch das könne sie heute nur noch wenig, wegen ihrer schlechten Augen. Wenn sie mal lese, dann mit Brille und Vergrößerungsglas und nur noch in der Bibel, so die Tochter Hildegard.

Weiter erzählt sie, dass ihre Mutter aus einem sehr religiösen Elternhaus komme. Als die Familie in der Sowjetunion nicht mehr offen ihren Glauben leben konnte, hätten sie eben während geheimer Treffen zusammen in der Bibel gelesen.

Heute verbringt Berta Rothfuß die meiste Zeit vor dem Fenster oder hört Radio. Trotz ihres hohen Alters und der schmerzenden Glieder steht sie noch jeden Tag auf. Und auch ihr Kopf sei noch recht fit, erklärt Tochter Hildegard.

Ein Rezept für ihr hohes Alter habe sie nicht, sagt die 103-Jährige. Sie könne selbst nicht verstehen, wie sie so alt werden konnte. Allerdings habe ihre Schwester mit ihren 95 Jahren ebenfalls recht lange gelebt, erinnert sie sich.

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.