Der Traum wird wahr: Auf dem eigenen Stückchen Land kann man sich kreativ austoben. Foto: Ines Rudel

In der Serie „Mein Garten“ begleitet die Expertin Iris Faller uns in unserem ersten eigenen Garten durch die Saison und gibt Tipps und Anregungen rund um die Pflanzen und deren Pflege.

Fellbach - Der Garten ist gefährlich! Die Infektionsgefahr dort ist groß, sehr groß. Nur zu leicht steckt man sich an – mit dem Garten-Virus. Wer diesen erst einmal eingefangen hat, zeigt folgende Symptome: Dreck unter den Fingernägeln, grüne Daumen, Frischluftgier, Gestaltungsdrang, Blumenliebe, Gemüselust, Obstesszwang und ein großes Ruhebedürfnis.

Auch wir haben uns den Virus eingefangen. Nachdem wir vor zwei Jahren die Gärtnerin Iris Faller in ihrem Garten durch das Jahr begleitet hatten, wagten wir uns im vergangenen Jahr selbst an ein Stückchen Land: Auf einem Acker, den das junge Unternehmen Meine Ernte uns zur Verfügung gestellt hatte, gärtnerten wir im StN-Garten zusammen mit anderen Großstädtern um die Wette. Und hatten großen Spaß und eine noch größere Ernte!

So wuchs der Wunsch nach einem eigenen Garten – rascher und höher als jedes Unkraut. Denn so praktisch ein Gemeinschaftsfeld ist, auf dem bereits Gemüse vorgepflanzt ist, und so schön es ist, dort mit den anderen Gärtnern zu plauschen: Den eigenen Garten kann man selbst gestalten – und, nicht zu vergessen, man kann sich dort auch mal gemütlich in einem Liegestuhl niederlassen oder den Grill anwerfen.

Altes Weinberghüttchen inklusive

Das können wir in diesem Jahr alles tun: Seit kurzem nennen wir einen Garten in Fellbach unser Eigen. Er liegt unterhalb des Kappelbergs, hat guten Weinbergboden und ist mit einem alten Weinberghüttchen ausgestattet. Sprich: Er ist wunderschön– und ein bisschen verwildert. Denn in dem Gärtchen wurde einige Jahre mehr oder weniger nur das Nötigste getan. Er ist ein kleines Idyll. Ein wildes Paradies.

Also packen wir’s an. Doch was alles ist genau zu tun? Wir haben in den vergangenen zwei Jahren einiges von Iris Faller gelernt – aber ein eigener Garten, das ist noch einmal ganz was anderes. Darum laden wir Iris Faller ein, uns im Garten einen Besuch abzustatten. Faller, die schon als Kind mit ihren Eltern im Garten buddelte und die einige Jahre lang die Vorsitzende des Kleingartenvereins Kaltental war, betrachtet den Garten mit professioneller Neugier: die Büsche und Bäumchen nahe am Gartentor, das Beet, das wir bereits umgegraben haben, die zugewucherte Miste, die Regentonnen, die Weinberghütte – und den hinteren Teil des Garten mit seiner Wiese, den Obstbäumchen, den Weinreben und der Brombeerhecke.

Was wird Iris Faller sagen? „Sehr schön“, sagt sie, und ihre Augen glänzen vor Tatendrang. „Aber da muss unbedingt eine Rose her!“ Klar, dass sie zuerst an die Königin aller Blumen denkt – ist Iris Faller doch eine große Rosenliebhaberin. Sie schaut sich um – und kommt dann mit einer Idee daher: „Sie könnten an diesem Baum eine Rambler-Rose hochranken lassen – dann trägt er gleich zweimal im Jahr Blüten“, schlägt sie vor.

Gärtnern heißt Natur gestalten

Und sonst? „Aus dem Garten lässt sich viel machen.“ „Der ist doch schon was“, lautet der innere Prostest – und Iris Faller, als habe sie diesen Gedanken gelesen, fügt an: „Gärtnern heißt, die Natur zu gestalten – sonst ist es Wildnis.“ Gut, ein bisschen wild ist’s hier schon. „Roden ist jetzt erst einmal das Wichtigste, damit nicht alles überwuchert wird“, sagt Iris Faller. Und fügt versöhnlich an: „Romantisch darf’s ja weiterhin sein, es muss nicht geschleckt aussehen – aber man muss sich schon durchsetzen.“

Und um sich durchsetzen zu können, braucht es die richtigen Arbeitsgeräte. Iris Faller nennt die unverzichtbare Grundausstattung eines Gärtners: einen Spaten, eine Harke, einen Rechen, einen Sauzahn zum Bodenlockern, eine Grabegabel, eine Astschere, eine Rebschere, eine kleine Schaufel, eine normale Schere, mehrere Eimer, einen Rasenmäher, eine Säge, eine Gießkanne und einen Wasserbehälter oder -tank – wenn es im Garten keinen Wasseranschluss gibt.

Es gibt also viel zu tun – und viel zu lernen für einen Gartenneueinsteiger. Zusammen mit Frau Faller haben wir eine Liste erarbeitet: Wir werden roden, die Miste freilegen und wieder nutzbar machen, den Löwenzahn ernten (bevor er sich ausbreitet) und Gelee daraus kochen, Himbeeren pflanzen, den Weinreben ein Gerüst bauen, Wassertanks aufstellen, das Beet anlegen und bepflanzen, eine Rambler-Rose pflanzen, Jauche aus Giersch, Brennnessel und Löwenzahn selbst ansetzen, ernten – und, nicht zu vergessen, kochen, backen und genießen.

Wenn Sie uns Ihre Gartengeschichte erzählen wollen, Anregungen haben oder Fragen an Iris Faller stellen möchten, schreiben Sie an: a.jenewein@stn.zgs.de oder an Stuttgarter Nachrichten, Verlagsgesellschaft mbH, z. Hd. Andrea Jenewein, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: