Aus ein bisschen Grünzeug und Wasser ... Foto: StN

In der Serie „Mein Garten“ begleitet die Expertin Iris Faller uns in unserem ersten eigenen Garten durch die Saison und gibt Tipps und Anregungen rund um die Pflanzen und deren Pflege.

Fellbach - In unserem Garten in Fellbach stinkt’s zum Himmel. Der unangenehme Geruch, der sich zum Glück auf einen kleinen Bereich im Garten beschränkt, kommt aus einem Eimer, dem man sich am besten nur mit zugehaltener Nase nähert. Denn darin gärt es mächtig: Löwenzahn, Brennnessel und Giersch suhlen sich im Wasser – und es gilt, das vor sich hin blubbernde Gemisch ab und zu umzurühren.

Neben Kompost, Mist und Gründüngung ist Pflanzenjauche eine der natürlichen und biologischen Methoden, Boden und Pflanzen aufzubessern. Pflanzenjauche ist kostenlos, einfach herzustellen, wirkungsvoll und ökologisch – aber eben keinesfalls geruchsneutral. „Dafür versorgt sie als Dünger die Pflanzen mit Stickstoff und Kali. Sie ist damit für fast alle Pflanzen eine gute Stärkung und ein Nährstofflieferant“, sagt die Gartenexpertin Iris Faller – egal, ob für Nutz- oder Zierpflanze. Zusätzlich kann man den Biodünger auch als Aktivator für den Komposthaufen verwenden.

Diese Jauchedüngung ist immer dann angebracht, wenn man einen kräftigen Wachstumsschub erreichen will. Starkzehrende Pflanzen wie z. B. Kohl und Tomaten können so einen schnell wirkenden Düngerschub während der Vegetationszeit gut gebrauchen. Pflanzen, die eine derart stickstoffreiche Nahrungsergänzung nicht mögen, sind hingegen Erbsen, Möhren, Knoblauch und Zwiebeln.

Zudem fördert die Pflanzenjauche die Bildung des grünen Blattfarbstoffs Chlorophyll und lockt nützliche Gartenhelfer an – beispielsweise Regenwürmer. Und sie wird ­vorbeugend gegen Befall von Pilzkrank­heiten verwendet. Auch Schädlinge wie Blattläuse können damit bekämpft werden.

Pflanzenjauche kann man aus verschiedenen Kräutern herstellen, besonders empfehlenswert sind Schachtelhalm, Giersch, Löwenzahn, Knoblauch, Zwiebel, Kamille und vor allem die Brennnessel.

Wir haben uns für Löwenzahn, Giersch und Brennnessel entschieden. Zunächst weichen wir nach Iris Fallers Vorgaben den Pflanzenschnitt ein. Die Pflanzen sollten am besten noch keine Samen tragen. Man setzt ein Kilogramm frische, grob geschnittene Kräuter in zehn Liter Wasser an, am besten in Fässern aus Holz, Steingut oder Polyethylen – Metallgefäße sollten vermieden werden, da sie die chemische Reaktion stören. Man kann auch fertig getrocknete Kräuter oder Trockenmischungen kaufen, hier genügen 150 bis 200 Gramm auf zehn Liter. „Ich decke die Jauche dann immer mit einem Tuch ab, damit keine Tierchen reinkommen“, sagt Faller.

Der Standort des Gefäßes sollte ein sonniger Platz im Freien sein, an dem der Geruch nicht so sehr stört. Die unvermeidliche Geruchsbelästigung kann durch Zugabe von Gesteinsmehl in Grenzen gehalten werden. Die angesetzte Pflanzenjauche sollte täglich umgerührt werden, um den Gärungsprozess zu fördern. Dieser ist abgeschlossen, sobald sich keine Blasen an der Oberfläche mehr bilden, was etwa nach zwei bis drei Wochen der Fall ist.

Aus der fertigen Jauche werden die festen Bestandteile ausgesiebt. Zur Anwendung muss sie nun nur noch im Verhältnis eins zu zehn mit Wasser verdünnt werden. „Bei empfindlichen Gewächsen – etwa Setzlingen – sollte sogar noch etwas mehr Wasser hinzugegeben werden“, sagt Faller. Beim Düngen sollte man darauf achten, dass nicht über die Blätter, sondern nur der Wurzelbereich gegossen wird. Denn die Jauche kann die Blätter und Stängel leicht verbrennen. Daher wird die Jauche vorzugsweise an trüben Tagen oder in der Dämmerung aufgebracht, am besten auf bereits feuchte Erde. Gegen Schädlinge wird die Jauche im Verhältnis eins zu 20 verdünnt und direkt aufgesprüht – allerdings nicht in der Sonne.

„Meine Gemüsepflanzen, also die Zucchini und Tomaten, dünge ich ausschließlich mit der Jauche, nachdem ich die Beete gut mit Kompost angereichert habe“, sagt Iris Faller. Da ist es gut, dass die fertige Brühe, verschlossenen in einem Gefäß, bis in den Herbst zum Düngen genutzt werden kann.

Für ihre Zierpflanzen nimmt Faller Spezialdünger, „einen für die Zwiebelpflanzen wie meine geliebten Narzissen, einen für die Hortensien und den Rhododendron, und für die Rosen habe ich einen rein organischen Dünger, den ich immer im Landhaus Ettenbühl im Markgräflerland kaufe“, verrät die Gartenexpertin. Im Herbst dann bekommen die Himbeeren und die Brombeeren eine neue Mulchschicht und dazu eine Gabe Hornspäne, die sich dann über den Winter langsam zersetzen.

Halten wir also fest: Viel mehr als die Jauche braucht es nicht zum Düngen – und diese stinkt zwar zum Himmel, aber sie ist einfach himmlisch für das Gemüse.

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