Alexander Doth wagt den Schritt in die Selbstständigkeit – mit einem Pflegedienst. Weshalb die Nachfrage riesig ist und wie er Personal findet.
Mit „Donau Ambulant“ startet im Städtedreieck ein neuer ambulanter Pflegedienst, der auf Flexibilität, persönliche Betreuung und innovative Konzepte setzt. Gründer Alexander Doth will damit nicht nur auf den steigenden Bedarf reagieren, sondern auch die Pflege neu denken. Alexander Doth, 46 Jahre alt, fasste Ende 2024 den Entschluss, in seiner beruflichen Laufbahn einen weiteren Meilenstein zu setzen. Er gab seine Pflegedienstleitungsstelle bei der Interessengemeinschaft Multiple Sklerose Erkrankter Donaueschingen e.V. (IMSED) auf. „Ich möchte in meiner beruflichen Tätigkeit noch mehr gestalterischen Freiraum haben“, begründet Doth.
Nach intensiven Gesprächen mit Fachleuten und Institutionen im Landkreis sei ihm klar geworden, dass angesichts des wachsenden Pflegebedarfs genügend Raum für einen weiteren Dienst bestehe. Auch Krankenkassen hätten ihn bei den notwendigen Zulassungen unterstützt, die zügig erteilt wurden. Ab März 2025 nahm das Projekt konkrete Formen an. Einfach war der Start in die Pflegebranche nicht. „Um eine ambulante Pflege zu starten, muss man viele Hürden nehmen – von Zulassungen über Personalanmeldungen bis hin zu steuerlichen Vorgaben. Wir haben das in sechs Monaten geschafft“, berichtet Doth. Jetzt startet der Dienst mit vier Pflegefachkräften. Ab Mitte November können auch erste Anfragen für Haushaltshilfe personell abgedeckt werden.
Überrascht habe ihn die hohe Nachfrage gerade im hauswirtschaftlichen Bereich. Konkurrenz zu anderen Anbietern oder Nachbarschaftshilfen sieht Doth nicht: „Der Bedarf an Unterstützung, sowohl pflegerisch als auch hauswirtschaftlich, wächst stetig. Die bisherigen Kontakte zu anderen Diensten waren alle kollegial.“ Der Pflegestützpunkt und andere Partner hätten den steigenden Bedarf bestätigt.
Das Team stellte Doth teils über Online-Plattformen, teils über persönliche Kontakte zusammen. Pflegedienstleiterin Caroline Gehring, eine frühere Kollegin bei IMSED, gehört ebenso dazu. Seit Oktober habe die Zahl der Onlinebewerbungen stark zugenommen, und Doth steht bereits mit weiteren Interessenten in Kontakt. „Wir setzen auf flexible Teilzeitmodelle, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein“, erklärt er.
Innerhalb von 24 Stunden
Aktuell kann „Donau Ambulant“ die Versorgung innerhalb von 24 Stunden aufnehmen – ein Service, den viele Wettbewerber nicht mehr bieten könnten. Wichtig sei ihm zudem, dass Patientinnen und Patienten von einem festen Pflegeteam betreut werden, um Vertrauen und Kontinuität zu fördern.
Zum Start arbeitet Doth mit den üblichen Kassenleistungskatalogen, langfristig aber möchte er auf so genannte „zeitorientierte Pflegekonzepte“ umstellen. Dieses Modell, auch „Pflege nach Zeit“ genannt, werde etwa in Brandenburg bereits erfolgreich erprobt. Anders als das klassische Schema orientiert sich die Pflegezeit dabei am individuellen Tagesbedarf des Patienten. In Baden-Württemberg sei dieses Konzept noch wenig verbreitet. „Das wird noch viele Gespräche mit den Kostenträgern erfordern, doch ich rechne damit, bis 2027 erste Ansätze umsetzen zu können“, so Doth. Bundesweit sei er im Pflegebereich gut vernetzt und stehe im Austausch mit Fachleuten, die neue Versorgungsmodelle entwickeln.
Demografischer Wandel
Aussichten
Jede zweite Person in Deutschland ist heute älter als 45 Jahre, und jede fünfte Person älter als 66 Jahre. Die Aussichten für die Pflege in Deutschland sind von steigendem Bedarf und einem Fachkräftemangel geprägt, da die Zahl der Pflegebedürftigen durch den demografischen Wandel voraussichtlich deutlich ansteigen wird, während gleichzeitig immer weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen.