Am Richtbaum flattern die bunten Bänder und Zimmerermeister Herrmann Schmider bringt den traditionellen Richtspruch für die Neumayer Häuser aus. Foto: Kern

Das solidarisch-soziale Wohnmodell Neumayer Häuser in Hausach nimmt Gestalt an. Der Rohbau steht. Nach knapp einem Jahr Bauzeit wurde am Freitag Richtfest mit traditionellem Baumstellen und Spruch gefeiert.

Hausach - "Nirgends sonst wird so deutlich wie im Bau, dass nur die Summe aller Gewerke ein Haus entstehen lassen", stellte Astrid Schimmelpenninck, Vorständin für Projekte der Neumayer Stiftung, in ihrem Grußwort fest.

Es habe mit der Idee und Vision des vor einigen Monaten verstorbenen Stifters Hansjürgen Neumayer begonnen, dessen Fehlen in Momenten wie diesem deutlich bewusst werde. "Es berührt uns sehr, hier zu stehen und zu sehen, wie aus seiner Vision Realität wird. Lassen Sie uns kurz innehalten und seiner gedenken", rief Schimmelpenninck zu einer Schweigeminute auf.

Anschließend nannte die Vorständin in einem langen Dankesreigen die "Macher des Bauprojektes", die sich zum Richtfest eingefunden hatten. Jeder habe an seiner Stelle Professionalität und Arbeitswillen mitgebracht. Alle ausführenden Handwerker und Firmen stehen laut Schimmelpenninck für kollegiales Miteinander sowie ziel- und lösungsorientierte Flexibilität.

Jeder sei ein Teil des Ganzen und arbeite für das Gelingen eines guten Projektes. "Ganz gleich, ob einer allein im Untergeschoss die Leitungen verlegte oder zu zehnt die Sparren auf dem Dach gesetzt wurden", so die Vorständin.

Eine aufgeräumte und sortierte Baustelle

Die Baustelle sei in Wertschätzung der Arbeit anderer aufgeräumt und sortiert. Ganz unter dem Motto "Schwätze mit de Leut" sei bei auftauchenden Problemen der direkte Austausch mit Architekt Benjamin Schmider gesucht worden. "Im Namen des Vorstandes und dem Kuratorium der Stiftung danke ich Ihnen und wünsche nach dem Richtspruch einen geselligen Ausklang", so Schimmelpenninck und übergab das Wort an Zimmerermeister Herrmann Schmider.

Aus luftiger Höhe grüßte Schmider die Anwesenden und erhob das Glas zum traditionellen Richtspruch, der Segen und Glück spenden soll: "Drum Holz her der Bauherrschaft, die diesen Bau begonnen, Holz her dem Architekten und den Handwerksberufen, die diesen Bau erschufen." Einen besonderen Gruß richtete Schmider an den "lieben Hansi, auch wenn er leider nicht mehr dabei sein kann", seiner Frau Mareike und der Neumayer Stiftung.

Auch wenn es Stifter Hansjürgen Neumayer ein Herzensanliegen war, in Hausach für in Not geratene Menschen bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen, besitzt das Projekt Modellcharakter weit über die Grenzen der Stadt hinaus. Die Unterversorgung an erschwinglichem Wohnungen ist auch im Ländlichen Raum längst angekommen und trifft in aller Härte besonders die Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt aufgrund besonderer sozialer Herausforderungen keine Chance haben.

Wesentlicher Bestandteil des Hausacher Projekts ist die sozialpädagogische Unterstützung durch die Diakonie Ortenau.

Das Wohnangebot ist eine Übergangshilfe und soll Menschen in jedem Alter und in allen möglichen Lebenssituationen als Stabilisierungsphase dienen.

Das "Wohnen auf Zeit" hat das Ziel, dass die Mieter nach bis zu fünf Jahren in der Lage sind, eigenständig Wohnraum auf dem freien Wohnungsmarkt zu finden. Eine Begleitung im Einzelfall sowie Angebote zur Stärkung der Hausgemeinschaft und Förderung der Persönlichkeit sind essenzielle Bestandteile des Projekts. Das Diakonische Werk Ortenau in Hausach nimmt eine vermittelnde Rolle ein.

Laufen alle Arbeiten weiter wie bisher, werden die Neumayer Häuser im Sommer 2023 bezugsfertig sein.

Die Neumayer-Stiftung wurde 1998 gegründet und ist seit 2006 eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Gundelfingen. Die Stiftung arbeitet sowohl fördernd als auch operativ in Projekten, in denen generationenübergreifend sozial schwache Menschen, Gruppen oder Themen im Mittelpunkt stehen.