Hinter dem Bauzaun soll ein Mehrfamilienhaus entstehen. Einige Anwohner sehen das Vorhaben kritisch.Foto: Roth Foto: Schwarzwälder Bote

Baugrenzenüberschreitung: Einige Anwohner sehen den geplanten Bau eines Mehrfamilienhauses kritisch

Der Bau eines Mehrfamilienhauses hat die Bürgerfragestunde der jüngsten Gemeinderatssitzung dominiert. Das Thema hat Präzedenzcharakter: Es geht um die Überschreitung der Baugrenze.

Der Bau eines Mehrfamilienhauses hat die Bürgerfragestunde der jüngsten Gemeinderatssitzung dominiert. Das Thema hat Präzedenzcharakter: Es geht um die Überschreitung der Baugrenze.

Bitz. "Überdimensioniert" sei das Gebäude, das in der Martinstraße 23 in Bitz errichtet werden soll. Und überhaupt seien am Bauplan schon drei Mal Korrekturen vorgenommen worden, beklagte eine Anwohnerin in der Bürgerfragestunde der jüngsten Gemeinderatssitzung und bat darum, der Baugrenzenüberschreitung, über welche die Räte abzustimmen hatten, nicht zuzustimmen.

Einen Anwohner von gegenüber trieb die Frage nach Stellplätzen um: Vier seien auf dem Plan für das Mehrfamilienhaus mit vier Wohnungen ausgewiesen. "Jede Familie hat aber mindestens zwei Autos", sagte der Anwohner und fragte, wo die alle parken sollten, wenn im Winter Schnee liege.

Die erste Anwohnerin meldete sich noch einmal zu Wort: "Wäre es nicht möglich, einen aktualisierten Bebbaungsplan aufzustellen?" Von der Baurechtsbehörde habe sie erfahren, dass die sich bei ihrer Genehmigungsentscheidung am Votum der Gemeinderäte in Sachen Baugrenzenüberschreitung orientieren werde. Im bisherigen Bebauungsplan "2. Ortsbauplanänderung Gairenweg", der für die Martinstraße gilt, ist laut Bürgermeister Hubert Schiele lediglich eine Baugrenze in vier Metern Abstand zur Straße festgeschrieben, die der Neubau – je nach Stelle – um einen bis anderthalb Meter überschreitet. Laut Baugesetzbuch müsse sich das Bauvorhaben deshalb lediglich in die Umgebungsbebauung einfügen, was es nach Einschätzung der Baurechtsbehörde auch tue.

Frank Hohnwald war da anderer Ansicht – die Firstrichtung passe nicht. Das Kuriosum dabei: Eine Gebäudereihe im Süden des Baugrundstücks trägt den First in Nord-Süd-Richtung, das nördliche Nachbarhaus in West-Ost-Richtung. Welches ist nun die Umgebungsbebauung?

Diese Frage vermochte das Gremium nicht zu klären, wohl aber die Frage nach der Befangenheit Hohnwalds, der Miterbe des Grundstücks gewesen war. Dass er seinen Anteil verkauft habe, erklärte der Gemeinderat mit Nachdruck, wohingegen Hubert Schiele betonte: "Ich habe noch keinen Vertrag gesehen." Letztlich überließ Schiele die Entscheidung jedoch dem Gremium, in dem sich zwei Räte für, fünf gegen eine Befangenheit aussprachen. Der Rest enthielt sich.

Und einige hatten Nachfragen. Ob die Geschosszahl – zwei Vollgeschosse, ein Dachgeschoss – vom Bebauungsplan abgedeckt sei, eine Höhenbegrenzung bestehe, die Abstände zu den Nachbarhäusern geregelt, die Vorschriften zur Lage innerhalb des Baufensters eingehalten seien, ob für den Betrieb einer Wärmepumpe ein Mindestabstand zu den Nachbarn erforderlich sei und wie es überhaupt um Stellplätze stehe? Wolfgang Ziemens Liste war lang. Margitta Barth fragte, wo denn die Schneemassen im Winter abgelegt werden sollten, wenn kein Gehweg mehr Platz habe angesichts der Baugrenzenüberschreitung, und Björn Schiefer gab zu bedenken, dass es ein Mehrfamilienhaus werde – ganz gleich, ob die Baugrenze nun um einen bis anderthalb Meter überschritten sei.

Die Firstrichtungvariiert bei den Nachbarbauten

Der Bürgermeister versuchte erfolgreich, freundlich zu bleiben. Dass ihn manche Frage bewegte, war ihm freilich anzusehen. Die Nachbarn seien nicht betroffen, die Gebäude nebenan vergleichbar hoch, die Grenzabstände – sie richten sich nach der Gebäudehöhe – würden eingehalten, die Firstrichtung sei nicht vorgeschrieben und variiere überdies in der Nachbarschaft, eine Wärmepumpe sei eine gängige Art der Heizung und halte die strengen Lärmschutzvorschriften ein, die in einem allgemeinen Wohngebiet gelten.

Mehrere Änderungen an einem Bauplan seien im Lauf eines Verfahrens üblich, erklärte Schiele, und was die Stellplätze angehe: Einer pro Wohnung sei vorgeschrieben. Und für weitere Autos müssten sich deren Fahrer eben einen Parkplatz suchen – so wie in allen anderen Wohngebieten der Gemeinde auch. Dass in Bitz im Winter Schnee liege, sei bekannt, betreffe ebenfalls alle anderen Wohngebiete und sei keine Tatsache, die einen Hausbau unmöglich mache. "Wir freuen uns immer, wenn ein Grundstück im Innenbereich zum Bauen genutzt wird, betonte der Bürgermeister. "Den Schnee schaufelt man dann eben in den Garten. Das ist ganz normal." Und überdies blieben ja noch 2,50 Meter zwischen Straße und Gebäude: "Wir haben schon größeren Baugrenzenüberschreitungen zugestimmt."

Zum vorliegenden Antrag sagten am Ende sechs Räte ja, einer stimmte dagegen, sieben enthielten sich. Nun liegt der Ball wieder im Feld der Baurechtsbehörde.

Immer wieder gibt es Fälle wie in Bitz: Anwohner kritisieren den Bau von Mehrfamilienhäusern in einer Baulücke innerorts. Denn deren Bewohner wollen natürlich auch Auto fahren und abends ihren Wagen abstellen. Womöglich an jener Stelle auf einer öffentlichen Straße, wo bisher die Nachbarn parken. Schon ist der Interessenkonflikt da. Dass zu wenig Platz bleibe für die "Schneemassen" im Winter, wenn erst Stellplätze vor dem Neubau eingerichtet seien, ist ebenfalls kein hinreichendes Argument gegen das Bauvorhaben. Die südliche Gebäudereihe beginnt gleich mal mit einer Garageneinfahrt – dort haben also auch keine Schneemassen Platz. Bei den nördlichen Nachbarn ist der Gartenzaun zu hoch zum Drüberschaufeln. Wie wär’s, wenn die künftigen Nachbarn Car-Sharing betrieben? Das spart Stellplätze, stärkt die Nachbarschaft und schont die Umwelt.

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