Das Bebauungsplanverfahren für das Wohngebiet „Kehlenstraße“ befindet sich weiterhin in der Warteschleife.
Es vergeht kaum eine Ortschaftsratssitzung, in der nicht Ratsmitglieder zum aktuellen Verfahrensstand des geplanten Wohnbaugebiets „Kehlenstraße“ nachfragen.
Aufgrund eines Urteils des deutschen Verwaltungsgerichts in Leipzig musste vom vereinfachten Verfahren, das fast schon abgeschlossen war, ins Regelverfahren mit frühzeitiger Bürgerbeteiligung, Umweltbericht und artenschutzrechtlichem Gutachten gewechselt werden.
Das Regierungspräsidium (RP) Freiburg sprach der Stadt allerdings die Notwendigkeit trotz hoher Bauplatznachfrage in Waldmössingen ab. Es bestand nur die Möglichkeit, einen erhöhten Bedarf nachzuweisen, um das Verfahren wieder anzustoßen. Dies stellte sich allerdings schwieriger heraus als gedacht und scheint sich zur unendlichen Geschichte zu entwickeln.
Mehrere Verzögerungen
Wie Stadtplaner Joschka Joos in der jüngsten Ratssitzung bekannt gab, halte die Stadt weiterhin an den geplanten Wohngebieten „Gründlesee“ (Schönbronn) und „Kehlenstraße“ fest. Vor bereits eineinhalb Jahren sei dem Sachbearbeiter beim RP mitgeteilt worden, weshalb die Bauflächen dringend gebraucht würden, unter anderem durch einen erhöhten Pendlerüberschuss. Dies habe jedoch nicht ausgereicht. Das RP habe gefordert, dass die Stadt im Flächennutzungsplan (FNP) Flächen für eine beabsichtigte Wohnbebauung herausnehme, erläuterte Joos. So habe man in Tennenbronn am Waldrand, wo gar nicht gebaut werde dürfe, eine Fläche von 3400 Quadratmeter herausgenommen.
Weitere 12 000 Quadratmeter seien beim Schramberger Friedhof und auf der Sattelecke gestrichen worden sowie eine kleine Teilfläche des Wohngebiets „Hausteile“ in Heiligenbronn. „Als wir mit dem RP-Sachbearbeiter soweit einig waren, hat es dort einen Personalwechsel gegeben und es musste mit dem Nachfolger eine erneute Abstimmung erfolgen. Das Ganze hat sich dann mit einem weiteren Stellenwechsel wiederholt“, schilderte der Stadtplaner die Umstände, die zu weiteren Verzögerungen führten.
Neue Arbeitsplätze
Mit der beabsichtigten Erweiterung des Industriegebiets „Inkom“ in Waldmössingen/Seedorf rechne die Verwaltung mit 900 bis 1000 neuen Arbeitsplätzen. Hierfür brauche es neue Wohnungen. „Aber jetzt will das RP einen Flächennachweis für das Gewerbegebiet. An diesem Beispiel sieht man, dass es immer schwieriger wird, wenn sich eine Kommune weiterentwickeln will“, tadelte der Stadtplaner indirekt die Behörde.
Um endlich grünes Licht für die Kehlenstraße zu bekommen, sei ein persönliches Gespräch für Montag, 1. Dezember, in Freiburg vereinbart worden, bei dem das neue Konzept nochmals vorgestellt werde. „Wenn wir die Zustimmung erhalten, geht das Verfahren in der Kehlenstraße Anfang 2026 in eine zweite Offenlage. Da es bei der ersten Öffentlichkeitsbeteiligung keine Einwände gegen das Baugebiet gegeben hat, kann ein Satzungsbeschluss noch vor Sommer 2026 gefasst werden“, stellte Joos erleichtert in Aussicht. Mit dem Aufstellungsbeschluss des Wohngebiets Kehlenstraße im Juli 2018 wären dann acht Jahre ins Land gegangen, bis mit der Erschließung begonnen und die ersten Bauanträge eingereicht werden können.