Nikolaus Geiler (vorne rechts) und seine Mitstreiter vom Verein Regio Wasser haben auf dem Freiburger Rathausplatz ein Schwammstadt-Modell errichtet. Foto: Alexander Blessing

Der Verein Regio Wasser sieht bei der Entwicklung Freiburgs zur Schwammstadt großes Potenzial. Beim Fernwärmeausbau sollten künftig mehr Maßnahmen gegen den Klimawandel umgesetzt und jährlich weitere Flächen in der Stadt entsiegelt werden.

„Bei 95 Prozent der Menschen, die auf das Modell aufmerksam werden, stoßen wir auf positive Resonanz“, erklärt Nikolaus Geiler vom Verein Regio Wasser. Der Verein hat zusammen mit vielen Unterstützern auf dem Rathausplatz nach Berner Vorbild eine „Pocket-Schwammstadt“ aufgebaut. Mit dem Modell wollen er und seine Mitstreiter auf das Thema aufmerksam machen und den Gemeinderat sowie die Bürgermeister zu mehr Tempo beim Umbau von Freiburg zur Schwammstadt ermutigen.

 

Bei Neubauten und neuen Stadtteilen, wie Dietenbach werden Schwammstadtmaßnahmen bereits berücksichtigt, aber im Bestand habe man noch großen Nachholbedarf in Freiburg. Bern sei ein gutes Beispiel. Dort werde bereits das „Huckepack-Verfahren“ angewendet. „Immer wenn die unterirdische Infrastruktur angefasst wird, etwa beim Fernwärmeausbau, überlegt man sich in Bern vorab, ob man zeitgleich auch den öffentlichen Straßenraum sozial und ökologisch aufwerten kann“, erklärt Geiler. So werde geprüft, wo zusätzliche Bäume gepflanzt werden könnten oder wo noch eine Versickerungsmulde oder einen Retentionsraum für Regenwasser hin könnte.

Ein weiterer Vorteil des Verfahrens sei laut Geiler, dass dabei die Anwohner in den Prozess eingebunden werden und so nicht nur frühzeitig über Baumaßnahmen erfahren würden sondern diese auch aktiv mitgestalten könnten.

Das Modell soll auf das Thema „Schwammstadt“ aufmerksam machen. Foto: Alexander Blessing

Bisherige Bemühungen von Regio Wasser, die Bemühungen und Maßnahmen der Stadt auf bestimmte Ziele festzulegen, sind bisher gescheitert. Man hoffe nun, mit dem neu zusammengesetzten Gemeinderat einen neuen Anlauf starten zu können. „Wir favorisieren weiterhin eine 0,5 Prozent-Initiative“, erklärt Geiler. „Die Stadt soll sich verpflichten, jährlich 0,5 Prozent des öffentlichen Straßenraums zu entsiegeln und mit Bäumen zu bepflanzen“, sagt der Biologe.

Freiburgs OB Martin Horn hat dem Verein mitgeteilt, dass er sich nicht auf konkrete Maßnahmen festlegen lassen möchte, da es zu Zielkonflikten zwischen dem Ausbau der Rad- und Fußwege und den wasserwirtschaftlichen Zielen kommen würde.

Stadt will sich nicht auf konkrete Ziele festlegen

„Die einzelnen Maßnahmen müssen gegen- und untereinander abgewogen werden, um im Sinne des Allgemeinwohls die beste Lösung zu generieren“, erklärt Martin Horn in einem Schreiben an den Verein, dass unserer Redaktion vorliegt. Auch der Leiter des Garten und Tiefbauamtes (GuT) Freiburg, Frank Uekermann, hat dem Verein versichert, dass das GuT bereits Synergieeffekte nutze und, „dass jede Planung nach den Möglichkeiten zu Schwammstadtmaßnahmen analysiert wird“.

Diese Versprechen Stadt sind für den Verein nicht ausreichend. Deshalb werden sie noch bis zum Start des Weihnachtsmarktes mit ihrem „Schwammstadtmodell“ auf dem Rathausplatz zu finden sein. „Wir suchen schon nach einem geeigneten Standort, wo wir das Modell dann hinstellen können“, erklärt Geiler, der regelmäßig vor Ort ist, um Interessierten das Modell zu erklären. Dieses fange Regenwasser auf und könne anhand zweier Solarkollektoren, die eine Pumpe betreiben, die Pflanzen in den Kästen bewässern.

Übertragen auf die Stadt Freiburg solle so aufgezeigt werden, dass es wichtig sei, Regenwasser zu speichern und aktiv zu nutzen – und nicht einfach in die Kanalisation abfließen zu lassen, zeigt Geiler auf.