Auch das im Jahr 1566 erbaute Gebäude, in dem der Polizeiposten untergebracht ist, beschäftigt den neuen Postenleiter. (Archiv) Foto: Priestersbach

Seit vier Monaten steht der Polizeiposten Wildberg unter neuer Führung. Sascha Dengler erzählt im Gespräch mit unserer Redaktion über sein Einleben im Nagoldtal.

Wildberg - Sascha Dengler fühlt sich in der Klosteranlage in Wildberg sichtlich wohl. In den vergangenen vier Monaten konnte er schon so einiges erreichen. Vor allem sich erst einmal mit Stadt, Bürgern und der allgemeinen Situation auf dem Land vertraut machen.

Nach zehn Jahren bei der Autobahnpolizei wechselte Dengler im September vergangenen Jahres nach Wildberg. Langweilig wurde es dem neuen Polizeipostenleiter dort auf jeden Fall nicht. Bei etlichen Internetbetrügereien, dem ein oder anderen Verkehrsunfall, Sachbeschädigungen, Nachbarstreitigkeiten oder einfach als Ansprechpartner für Zivilrecht – der Polizeiposten in Wildberg sei stets zu Diensten.

Welle von Internetbetrügereien

Besonders die Internetbetrügereien stachen für den 42-Jährigen heraus. "Das war die erste Welle, die einen überrollt hat", meint Dengler. Immer wieder gebe es Fälle. Einen recht großen: In einem aktuellen Fall wurde in Wildberg ein Bürger um 64 000 Euro betrogen, erzählt der Postenleiter.

Und auch sonst komme gerade der "Enkel/Kind-Trick" oft zur Sprache. "Da kommt eine SMS wie: ›Hallo Mama, ich hatte einen Verkehrsunfall. Ich sitze bei der Polizei und die verlangt 15 000 Euro Kaution‹", nennt der 42-Jährige ein Beispiel. "Geschockt denkt man vielleicht nicht direkt, dass die Nachricht nicht echt ist." Und dann kann es mitunter schnell gehen. Oft über Mittelsmänner lande das Geld dann beispielsweise in "Litauen, Zypern, im Senegal oder auch Tunesien".

Das Thema kommt bei Dengler also immer häufiger vor. Aber in den vergangenen Monaten hat ihn auch der Fall um den Ziegenbock Franz in Effringen oder die Brandserie in Sulz am Eck auf Trab gehalten.

Arbeiten auf dem Revier stehen an

Und somit konnte er sich im Nagoldtal direkt im Polizeialltag einleben. Doch nicht nur Anzeigen und Straftaten beschäftigen ihn in der Klosteranlage in Wildberg. Auch das im Jahr 1566 erbaute Gebäude beschäftigt Dengler. "Es ist ein wahrer Traum in einem Kloster zu arbeiten", betont er. Und doch mache das unter Denkmalschutz stehende Gebäude dem Postenleiter zu schaffen: "Wir hatten einen Wasserschaden, der behoben wurde. Demnächst werden neue Elektroleitungen verlegt und ein Serverraum eingerichtet", zählt Dengler auf. Auch das fällt in seine Zuständigkeit.

Diese sei in Wildberg übrigens bestens geregelt. So lief auch die bisherige Zusammenarbeit mit der Stadt sehr gut, beteuert er. Es gebe klare Abgrenzungen, wer für welchen Fall zuständig ist, und so spreche sich gerade der gemeindliche Vollzugsdienst mit dem Polizeiposten ab.

Dritte Stelle wieder besetzt

Auch seine Kollegen Joachim Eisenblätter und Kai Zacher unterstützen ihren Postenleiter mit allen Kräften. "Es ist viel los", meint Dengler im Gespräch. Deswegen und auch möglicher Ausfälle sei es auch nötig gewesen, die offene dritte Stelle mit Zacher zu besetzen. Seit Dezember ergänzt er das Wildberger Team.

Denglers Hauptziel war schon bei seiner Einsetzung Präsenz zu zeigen. "Gerade weil wir zu Beginn nur zu zweit waren", meint er. Doch das Ziel sei erreicht worden. Auch wegen diversen Fahrten, um das Gebiet, die Stadt und auch die Bürger kennenzulernen, waren Dengler und Eisenblätter sehr präsent. "Damit sich die Bürger auch wieder sicherer fühlen", ergänzt der 42-Jährige.

Bürgern mehr Sicherheit vermitteln

Mittlerweile gebe es aber durchaus noch mehr Ziele: Einerseits noch ungeklärte Fälle aufzuklären. "Ich mag es nicht, wenn so etwas stehen bleibt", erklärt er. Und auch Arbeiten im Polizeiposten stehen an. Andererseits will Dengler einen Fokus auf die Verkehrssicherheit setzen. "Das liegt mir auch privat sehr am Herzen", betont er. Gerade wegen Handy am Steuer oder kurzer Unaufmerksamkeit könnten die schlimmsten Unfälle entstehen.

Außerdem will er die Bürger dazu bringen, nicht mehr auf dem Gehweg zu parken. Das habe oft dieselben Folgen, wenn Bürger den Gehweg nicht mehr nutzen können und auf die Straße ausweichen müssen. Klar ist: Dengler will den Bürgern wieder mehr Sicherheit im Alltag bieten.