Im Weil am Rhein kommen ab sofort Distanz-Elektroimpulsgeräte, auch Taser genannt, probeweise zum Einsatz. Innenminister Strobl begleitete den Projektstart in Freiburg.
Beim Projektstart im Ausbildungszentrum der Polizei in Umkirch am Freitag, zu dem Medienvertreter eingeladen waren, stellten Beamte die Verwendung des Tasers in verschiedenen Einsatzszenarien vor.
Auf das einfache Auslösen des Distanz-Elektroimpulsgeräts auf eine Zielscheibe mit einem menschlichen Umriss, folgte der Einsatz in einer nachgespielten Szene in einer Bar. Dabei dringen kleine Pfeile, die mit einem Draht mit der Waffe verbunden sind, in den Körper des Getroffenen ein und geben dort einen Stromimpuls ab.
Am Ende gab sogar Innenminister Thomas Strobl einen „Schuss“ aus dem Taser in Richtung der bereitgestellten Zielfigur ab. Für seinen perfekten Treffer gab es Lob vom Leiter des Einsatztrainings, Thomas Link.
Zuvor hatten der Innenminister und Uwe Oldenburg, Polizeivizepräsident in Freiburg und Projektverantwortlicher die Erprobung des Taser-Einsatzes in Südbaden kurz vorgestellt.
Mit dabei war auch Kathrin Mutter, ehemalige Leiterin des Polizeireviers Weil am Rhein und heute Leiterin des Stabsbereichs Einsatz im Führungs- und Einsatzstab beim Polizeipräsidium Freiburg. Sie übernahm als stellvertretende Projektleiterin die Moderation.
Taser könnten in Situationen eingesetzt werden, die heute noch auf andere Weise gelöst werden müssten, erläuterte Oldenburg. Da die Elektroimpulse aus der Distanz (1,20 bis etwa sieben Meter) abgegeben werden könnten, sei das Risiko für die Beamten weniger hoch.
Oldenburg verwies in diesem Zusammenhang auf 227 Beamte im Bereich des Polizeipräsidiums, die im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre jährlich im Dienst verletzt wurden.
Künftig soll in Testrevieren in jeder Streife mindestens ein Taser mitgeführt werden. 40 davon mit Kosten von 2600 Euro pro Stück inklusive Zubehör wurden dafür zu je 2600 Euro angeschafft.
„Der Taser ist kein Allheilmittel“, betonte Innenminister Strobl. Insbesondere in akuten Lagen, „insbesondere bei einem Messerangriff“, bleibe die Schusswaffe als ultima ratio das Mittel der Wahl, machte er deutlich.
Verschiedene Szenarien durchgespielt
Eine solche Szene kann man sich auch in der Wirklichkeit vorstellen: Beamte richteten den Taser auf einen renitenten Barbesucher, der den Ansagen der Polizeibeamten nicht Folge leistete und sie schließlich mit Gewalt bedrohte.
Bei der Vorführung im Ausbildungszentrum der Polizei war der „Barbesucher“ in dicke Schutzkleidung gehüllt. Er wurde von einem Polizisten gespielt.
Wo Polizisten gut trainierten Kampfsportlern gegenüber stehen
Ebenso war es bei dem trainierten Kampfsportler, dem Polizeibeamte in besonderer Schutzausrüstung in der darauffolgenden Szene gegenüberstanden.
Es handelte sich dabei um Mitglieder einer speziell ausgestatteten Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE). In diesem fiktiven Fall gehe man davon aus, dass diese durch die Kriminalpolizei hinzugezogen worden, wie Thomas Link für die Zuschauer ausführte.
Als Leiter Einsatztraining beim Polizeipräsidium Freiburg ist er für die beiden Ausbildungsstandorte in Bad Säckingen und Umkirch mit 20 Mitarbeitern zuständig.
In städtischen und ländlichen Gebieten
Die Erprobung der Distanz-Elektroimpulsgeräte beim Polizeipräsidium Freiburg erfolgt außer im Streifendienst Weil am Rhein auch in jenen der Polizeireviere Freiburg-Nord und -Süd sowie in Titisee-Neustadt.
Zusätzlich wird beim Polizeipräsidium Einsatz testweise eine Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) mit Tasern ausgestattet.
Auf Weil am Rhein fiel die Wahl als Testgebiet, weil es sich einerseits um einen ländlichen Bereich handelt. Diesem gelte, so sagte Innenminister Strobl, stets sein besonders Augenmerk.
Grenzlage Weils ist für Erprobung besonders interessant
Als weiteren wichtigen Punkt benannte Strobl die Grenzlage, die einer höheren Kriminalitätsbelastung ausgesetzt sei.
Im Vorfeld der Erprobung habe man sich auch mit Schweizer Kollegen ausgetauscht, die in einigen Kantonen schon Erfahrung mit Elektroimpulsgeräten gesammelt hätten, nannte Kathrin Mutter, die das Polizeirevier Weil am Rhein bestens kennt, im Nachgang einen weiteren Vorteil der Grenzlage auf.
Taser wirken auch durch Abschreckung
Die Erfahrung dort habe gezeigt, dass die Geräte in 80 bis 90 Prozent der Fälle präventiv wirkten, durch Abschreckung. Dies erhoffen sich die Projektverantwortlichen auch für den Einsatz in Weil am Rhein.
Die Waffe in hellem Gelb wirke eindrücklich, so Mutter. Bevor die Abgabe der Strom-Pfeile erfolgt, werde zur Warnung zunächst ein Lichtbogen ausgelöst, der auch als „elektrisches“ Geräusch deutlich wahrnehmbar ist.
Zwei Probejahre geplant
Die erste Phase der Erprobung mit dem Modell T-7 geht ein Jahr, danach folgt ein weiteres Jahr, in dem ein anderes Taser-Modell (T 10) erprobt wird. Im Anschluss soll über die flächendeckende Einführung dieser Geräte in Baden-Württemberg entschieden werden.
Hintergrund (dpa): Bisher gehörte der sogenannte Taser nur bei Spezialeinheiten der baden-württembergischen Polizei zur Ausrüstung. Mit ihm wird ein Gegner mehrere Sekunden lang handlungsunfähig gemacht, weil die Geräte eine kurzzeitige Lähmung im Nervensystem verursachen. Das soll unter anderem die Polizisten besser schützen. Alle Spezialeinsatzkommandos (SEKs) in Bund und Ländern nutzen Taser bereits. In mindestens zwei von drei Bundesländern sind die Geräte auch schon bei Streifenpolizisten oder Unterstützungskräften im Einsatz. Aus Sicht der beiden großen Polizeigewerkschaften kommen die Tests zu spät und dauern zu lange. Die Gewerkschaften fordern eine sofortige und flächendeckende Einführung der neuesten Taser-Generation.