Alexander Beller von der Stadt Sulz (links) und Wilfried Baiker (rechts) vom Rottweiler Ingenieur- und Planungsbüro erklären, dass die Grüngutannahmestelle verlegt werden soll, um auf dem Schotterplatz Parkplätze zu schaffen. Foto: Cools

Kreuz und quer parkende Autos, die den Rettungsweg versperren, Verkehrs-Chaos beim Her- und Wegfahren – dass die Parkplatzsituation am Sportgelände in Renfrizhausen "bescheiden" ist, wie der Bürgermeister meinte, daran bestand im Gemeinderat kein Zweifel – an der bevorzugten Lösung aber schon.

Sulz - Erst der Kunstrasenplatz, dann neue Umkleidekabinen und nun die Erschließung – damit seien ins Sportgelände in Renfrizhausen mehr als 1,5 Millionen Euro investiert worden, rechnete André Amon (SPD) am Montag den Stadtratskollegen vor. Zuvor hatte sich der Gemeinderat ein Bild von der Lage vor Ort gemacht.

"Dieses Geld brauchen wir woanders, zum Beispiel beim Hochwasserschutz. Und wenn die Situation in Renfrizhausen so wie aktuell bleibt, wäre das auch nicht der Untergang des Abendlandes", meinte Amon. Außerdem habe man sich noch gar nicht zum Haushalt 2022 beraten, deshalb werde er den Beschlussvorschlag ablehnen.

Das Vorhaben sei bereits finanziert und mit Verpflichtungsermächtigungen in den Haushaltsplänen abgebildet, erwiderte Bürgermeister Gerd Hieber. Auch wenn man noch nicht wisse, wie sich 2022 finanziell entwickle, so seien keine dramatischen Veränderungen ins Positive oder Negative zu erwarten. Hieber wies auch vor allem auf die Sondersituation hin. Das Gelände werde von Mühlheim und Renfrizhausen gleichermaßen genutzt. "Und die Park- und Zufahrtslage ist hier seit jeher unterirdisch schlecht", stellte er klar. Sich nun dagegen zu entscheiden, würde auch früheren Beschlüssen des Gemeinderats nicht gerecht werden, gab Hieber zu bedenken. Schließlich existieren die Pläne zur Erschließung schon seit 2011.

E-Ladesäulen möglich

Aktuell gibt es 20 Parkplätze und 26 Fahrradabstellplätze direkt vor der Halle, wie Straßen- und Wegemanager Alexander Beller ausführte. 25 zusätzliche Bügel-Fahrradabstellplätze sollen entstehen (Kosten: 15 000 Euro). Mit der NetzeBW stehe man bezüglich zweier möglicher E-Ladesäulen an der Halle in Kontakt, so Beller. Gaby Brucker (GAL) bat, auch wegen E-Bike-Ladestationen nachzufragen.

Außerdem will man auf dem unteren, bislang größtenteils unbefestigten Parkplatz 43 neue Parkmöglichkeiten schaffen. Dazu gehören auch einige Querparkplätze direkt hinter der Einfahrt zum Sportgelände.

Der Gehweg soll derweil vom Begrüßungsschild ab rechtsseitig nach oben geführt werden, etwa zehn Meter vor der Hausnummer 34 nach links verlegt und von da aus bis zur Halle geführt werden. Mit diesen Maßnahmen gehen auch eine Erneuerung des Belags und die Beleuchtung der Straße einher.

Des Weiteren möchte man ein Stück des angedeuteten Weges gegenüber des unteren Parkplatzes asphaltieren und damit ermöglichen, dass auch auf der Wiese geparkt werden kann. Heidi Kuhring (GAL) fand, der asphaltierte Weg in die Wiese hinein müsse kürzer werden. So könne man bestimmt auch Geld sparen. "Da würden wir am falschen Ende sparen", erwiderte Beller. Schottern müsse man den Weg ohnehin. Ob man dann eine dünne Deckschicht darauf lege oder nicht, falle finanziell nicht stark ins Gewicht.

Rettungswege blockiert

Es gehe bei der gesamten Erschließung nicht nur darum, für geordnete Verhältnisse zu sorgen, sondern auch um den Schutz der Fußgänger, die bislang auf der Straße laufen müssen, und das Freihalten der Rettungswege, meinte Beller.

Beim Vor-Ort-Termin hatten zwei Autos an der Straße geparkt, so dass ein Feuerwehrauto, das die Halle, die Tennisplätze, das evangelische Gemeindehaus oder die Wohnhäuser hinter der Halle erreichen soll, beispielsweise nicht durchgekommen wäre, wie Hieber anmerkte.

Weiter ging es vom unteren Parkplatz an der Halle vorbei zum Grüngutplatz. Auf dem Weg dorthin informierte Stadtbauamtsleiter Reiner Wössner den Gemeinderat über eine Treppe, die gerade gebaut wird und eine Abkürzung vom Platz vor den Umkleidekabinen zur Grüngut-stelle und der Straße darstellt. Sie soll noch in dieser Woche fertiggestellt werden.

Geschottert lassen

Der Grüngutplatz soll derweil an einen anderen Ort verlegt werden, um die Fläche ebenfalls zum Parken nutzen zu können, wie Beller erklärte. 30 bis 40 Plätze könnten dort entstehen. Der Standort sei ohnehin nur eine Notlösung für das Grüngut gewesen, meinte Renfrizhausens Ortsvorsteher Reiner Kimmich.

Entgegen des Ursprungsplans, der eine Befestigung vorgesehen hätte, schlug Beller vor, lediglich kosmetische Änderungen an der Schotterfläche vorzunehmen und damit rund 170 000 Euro zu sparen.

Dennoch müsse man überplanmäßig Mittel einstellen, so Beller. Die zwischenzeitlich beauftragte Baugrunduntersuchung habe ergeben, dass der aktuelle Straßenbelag gefährliche Abfallstoffe enthält. Das bedeute zusätzliche Entsorgungskosten von mindestens 125 000 Euro.

Im April 2021 hatte man noch mit Gesamtkosten von 705.000 Euro gerechnet. Durch die Schadstoffentsorgung und mit einer Befestigung des Grüngutplatzes würden die Kosten bei 860 000 Euro liegen und das Vorhaben wäre um etwa 200 000 Euro unterfinanziert.

Wenn der Grüngutplatz geschottert bliebe, so lägen die Gesamtkosten bei 690.000 Euro. 50.000 Euro sind im Haushalt 2021 eingestellt. Bislang sind 2022 und 2023 Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von 450.000 Euro und 150.000 Euro eingeplant. Diese sollen für 2022 auf 570.000 Euro und für 2023 auf 70 000 Euro angepasst werden. Damit lägen die überplanmäßigen Kosten nur noch bei 40.000 Euro. Baustart soll im März oder April 2022 sein, Ende der Maßnahmen im Herbst des selben Jahres.

Eberhard Stiehle (FWV) bemängelte die Kostenhöhe der Maßnahme. Eine abgespeckte Version würde ihm besser gefallen. Dass man etwas tun müsse, sei vermutlich jedem bewusst. Bürgermeister Hieber relativierte die Kostenhöhe umgehend: "Die Maßnahme ist nicht teuerer als andere. Nur steht der Investition in diesem Fall keine Förderung entgegen."

Bei zwei Gegenstimmen und ein paar Enthaltungen beschloss der Gemeinderat die Umsetzung der Vorhaben.