Die Sportwagentochter von Mercedes-Benz will für ihre Fahrzeuge höhere Preise erzielen. An Interessenten für den neuen Supersportwagen mangelt es nicht. Was das Besondere an dem 1000-PS-Wagen ist.
Vor fünf Jahren präsentierte Mercedes-AMG auf der Automesse IAA in Frankfurt ein spektakuläres Showcar mit dem Namen Project One – einen Supersportwagen mit Hybridantrieb und mehr als 1000 PS. Der Preis: 2,7 Millionen Euro.
Das Zukunftsprojekt verkörperte einen Aufbruch der Tochter Mercedes-AMG: in die Elektromobilität sowie in höhere Preisgefilde. Die Tochter aus Affalterbach im Kreis Ludwigsburg spielt eine wichtige Rolle in der Strategie von Mercedes-Chef Ola Källenius, mehr Luxus zu verkaufen. Die Submarke AMG steht für sportliche Wagen, für die Kunden gerne auch etwas tiefer in die Tasche greifen.
Die Entwicklung des Supersportwagens dauert länger als geplant
Im vergangenen Jahr sollten eigentlich die ersten Exemplare des Supersportwagens an Kunden übergeben werden. Die Entwicklung dauert jedoch länger als geplant. „Das Project One ist das komplexeste Projekt, das ich jemals gesehen habe“, erläutert Mercedes-AMG-Chef Philipp Schiemer im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Zusammenspiel eines Formel-1-Motors mit der Elektrik und Elektronik eines Straßenfahrzeugs sei eine große Herausforderung. Bei einem Formel-1-Rennen sei beispielsweise ein ganzes Team von Mechanikern im Einsatz. „Bei uns drückt der Kunde einfach auf den Startknopf, und alles muss tadellos funktionieren“, erläutert der 57-jährige Manager.
Nach der neuen Planung sollen nun in diesem Jahr die ersten Exemplare des Mercedes-AMG One, wie das Modell jetzt heißt, ausgeliefert werden. Insgesamt werden nur 275 Autos davon produziert. An gut betuchten Interessenten mit viel Geduld mangelt es offenbar nicht. „Es gibt eine Warteliste“, sagt Schiemer. Auch die anderen Modelle sind derzeit stark gefragt. Im vergangenen Jahr kletterte der Absatz von AMG um rund 17 Prozent auf 146 000 Autos. „Dies war ein Rekord. Ohne die Chipkrise und ähnliche Einschränkungen hätten wir noch mehr Wagen absetzen können“, sagt Schiemer und zeigt sich sehr optimistisch, dass auch dieses Jahr wieder gut wird. „Wir planen einen weiteren starken Anstieg des Absatzes.“ Der Mercedes-Manager fügt allerdings einschränkend hinzu, dass man die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine und der Chipkrise nur schwer einschätzen könne.
Der Absatz ist im vergangenen Jahr kräftig gestiegen
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Innerhalb von nur zehn Jahren hat sich der Absatz damit verzehnfacht. Zu diesem Wachstum hat auch beigetragen, dass die Modellpalette ausgeweitet wurde. „Früher waren wir nur mit großen Autos unterwegs, heute gibt es auch AMG-Versionen der Einstiegsmodelle von Mercedes-Benz“, erläutert Schiemer. Wichtigster Markt für AMG sind die USA. Im vergangenen Jahr war China auf Platz zwei – allerdings mit großem Abstand. Deutschland war auf Platz drei. „In China haben wir 2021 doppelt so viele Autos verkauft wie im Jahr zuvor. Wir sehen hier noch viel Potenzial, diese positive Entwicklung fortzusetzen“, sagt Schiemer. Wichtig sei in China vor allem, die Marke noch bekannter zu machen.
Bisher reicht die Preisspanne der Modellpalette fast bis 200 000 Euro
Bisher reicht die Bandbreite der Basispreise der Modellpalette hierzulande von mehr als 50 000 bis fast 200 000 Euro. „In den kommenden Jahren wollen wir den Umsatz je Fahrzeug weiter steigern“, kündigt Schiemer an. Dies bedeutet höhere Preise und mehr Gewinn. Dazu sollen auch mehr Angebote zur Individualisierung der Wagen beitragen, etwa bei den Farben oder der Gestaltung des Interieurs. „Zudem wollen wir Kleinserien als limitierte Sonderauflagen anbieten, die von Sammlern gefragt sind“, so der Chef der Sportwagenmarke.
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Die Umstellung auf die Elektromobilität soll in drei Schritten erfolgen. „Wir starten mit Hybridfahrzeugen und wollen das Thema Hybrid neu definieren“, kündigt Schiemer an. Wie in der Formel 1 soll der Hybridantrieb dazu genutzt werden, um die Leistung des Fahrzeugs zu verbessern. Zweitens kommen vollelektrische AMG-Fahrzeuge auf Basis der EQ-Familie von Mercedes-Benz auf die Straße. Dritter Schritt wird eine eigene Sportwagen-Architektur sein, also eine gemeinsame technische Plattform, die unterschiedliche Modelle nutzen können. Die ersten dieser Fahrzeuge sollen 2025 auf den Markt kommen.
Der elektrische Antrieb wird laut Schiemer von AMG entwickelt. Auch Prototypen von Batterien sollen selbst entwickelt werden. Eine Serienfertigung der Energiespeicher in Affalterbach ist aber nicht geplant. „Es steht noch nicht fest, woher die Batterie kommen wird“, sagt Schiemer.
In Affalterbach werden künftig elektrische Antriebe entwickelt
Für die Umstellung auf die Elektromobilität wird in Affalterbach investiert. „Wir bauen gerade ein großes Prüfzentrum, wo wir künftig auch unsere Elektroantriebe testen können. Zudem investieren wir in unsere Entwicklungswerkstätten für die Elektromobilität“, berichtet der Chef der Mercedes-Tochter. In Affalterbach sind etwas mehr als 2000 Männer und Frauen beschäftigt. Der größte Teil davon ist die Projektmannschaft, die Fahrzeuge und Antriebe entwickelt. „Diese Mitarbeiter werden sich künftig auf die Entwicklung von elektrischen Antriebskonzepten fokussieren“, so Schiemer.
Produziert werden die Wagen in Mercedes-Werken. Viele Motoren kommen allerdings aus Affalterbach. Rund 300 Mitarbeiter sind derzeit in der Motorenproduktion und den angrenzenden Bereichen beschäftigt. Der Mercedes-Manager will sich noch nicht konkret dazu äußern, welche elektrifizierten Antriebskomponenten in Affalterbach produziert werden sollen, und versichert stattdessen: „Das Motorenwerk ist auch in den nächsten Jahren gut ausgelastet.“