Die Schiedsrichter aus Baden-Württemberg bekommen eine höhere Aufwandsentschädigungen – teilweise ist das Geld auch hart erarbeitet. Foto: Andreas Wagner

Die Schiedsrichter bekommen ab der neuen Saison im Schnitt 18 Prozent. Was sich zunächst viel anhört, ist für die meisten nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das sagen drei Unparteiische dazu.

Mehr Geld für Fußballschiedsrichter gibt es ab der kommenden Saison. Die drei baden-württembergischen Fußballverbände hatten zuletzt beschlossen, die Aufwandsentschädigungen für Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter zu erhöhen. Dabei unterscheiden sich die Steigerungen in den verschiedenen Spielklassen, liegen im Schnitt aber bei 18 Prozent gegenüber den letzten Anpassungen zur Saison 2019/20.

 

„Besser als nichts“, sagt dazu Schiedsrichterobmann Markus Teufel der Gruppe Nördlicher Schwarzwald und hatte bei der jüngsten Schiedsrichterschulung in dieser Woche einen ähnlichen O-Ton seiner Kollegen aufnehmen können. „Der eine oder andere hat sich natürlich gewünscht, dass die Erhöhung größer ausfällt.“ Denn 18 Prozent würden sich zunächst mal nach viel anhören, doch gerade bei Jugendspielen falle die Erhöhung kaum ins Gewicht.

Zu wenig für Jugendspiele?

So gibt es beispielsweise bei der C-Jugend drei Euro mehr für die Schiris (von 17 auf 20 Euro). „Gerade in diesen Bereichen wäre es wichtig, wenn es am Ende mehr gewesen wäre“, sagt Teufel. Hier pflichtet auch Schiedsrichter Frieder Eberhardt, der für den SV Oberiflingen pfeift, bei. Er nennt die Erhöhung einen „Tropfen auf den heißen Stein“. Da vor allem teilweise minderjährige Schiris in der Jugend pfeifen, wäre mehr Geld sinnvoll gewesen. „Hier hatten wir uns alle mehr erhofft.“ Denn teilweise müssten sich die jugendlichen Schiedsrichter noch zu Spielen fahren lassen. „Wenn da so wenig übrig bleibt, sagt der Vater schnell: Trägst lieber Blättle aus, da hast du mehr davon“, sagt der 68-Jährige deutlich.

Etliche Stunden im Einsatz

Und auch in den Ligen der Aktiven seien die Beträge weiter zu gering. „Ich fahre teilweise bis nach Spaichingen. Muss um halb 1 los für das Spiel und bin um 7 abends daheim“, schildert Eberhardt. Bei Platzverweisen etc. fallen noch Schriftliches und damit noch mehr Stunden an. „Dafür gibt es 33 Euro, bald dann 40 Euro und 30 Cent Spritgeld.“

Beim erfahrenen Schiedsrichter, der 30 bis 40 Spiele im Jahr pfeift, wird aber auch deutlich, dass es nicht ums Geld geht. „Der Austausch auf dem Platz ist schön, man kommt ein bisschen rum. Ich freue mich, wenn ich auf fremden Sportplätzen bin, da gibt es keine Befangenheit, ich pfeife mein Spiel und gut.“

Endlich einheitliche Spesen

Obmann Teufel findet die Erhöhung in der Kreisliga von 33 auf 40 Euro trotzdem wichtig. „In dieser Liga bewegen sich ja die meisten Schiedsrichter bei uns.“ Froh ist der Obmann zudem, dass die drei baden-württembergischen Fußballverbände sich mit der Erhöhung zudem auf einheitliche Beträge geeinigt hätten. „Dass es einheitliche Spesen sind, ist wichtig für uns“, so Teufel. Sonst hätten in Grenzgebieten Schiris oft in anderen Verbänden mit höhrer Aufwandsentschädigung gepfiffen.

Mit seinen 22 Jahren blickt Luca Storz von der SG Empfingen etwas anders auf die Situation. „Ich finde gut, dass sich im Jugendbereich etwas getan hat. Im Vergleich ist hier der Aufwand auch geringer.“

Nur 1,50 Euro mehr

Er kritisiert allerdings die Beiträge für Assistenten und nennt die Verbandsstaffel der A-Junioren als Beispiel. Von 16,50 auf 17,50 Euro steigen hier die Entschädigungen. „Das hat die Inflation gefressen.“ Die Assistenten hätten den gleichen Aufwand und bekämen im Vergleich zum Schiedsrichter die Hälfte. „Das passt einfach nicht.“

Ermöglichen Spielbetrieb

Insgesamt sieht er die Erhöhung aber auch nicht als optimal an. „Nachdem es seit eineinhalb Jahren angekündigt war, hätten wir uns am Ende mehr erhofft“, sagt Storz, der seit 2017 pfeift. Trotzdem ist er auch der Meinung: „Generell ist es ein Privileg, dass wir für unser Hobby Geld bekommen. Allerdings ist es auch mit Aufwand verbunden. Wir ermöglichen es, dass der Spielbetrieb aufrechterhalten bleibt. Daher ist es okay, dass wir dafür auch Geld bekommen. “

Finanziell lohnt es sich nicht

Schiedsrichter-Obmann Teufel ist unterm Stricht mit den Beträgen zufrieden. „Wir pfeifen ja, weil wir Spaß daran haben. Wegen des Geldes machen wir es ja nicht. Wenn man sieht, dass ein Schiri nun in der Landesliga 55 Euro bekommt, dann würde es sich ja rein aus der finanziellen Sicht nicht für ihn lohnen. Er ist für das Geld schließlich den halben Tag unterwegs“, so Teufel.

Kein Verhältnis

Klar sieht Teufel aber auch, dass für die Vereine wieder Mehrkosten entstehen. „Wir müssen die Leute aber auch irgendwie motivieren, den Job zu machen“, sagt Teufel und teilweise sei, je nach Partie, „das Geld auch hart erarbeitet“. Was am Ende bei den Schiedsrichtern übrig bleibe sieht Teufel auch in keinem Verhältnis,was Spieler ab der Landesliga aufwärts teilweise bei den Vereinen bereits verdienen würden.

Auch Eberhardt lässt die Argumentation der höheren Belastung für Vereine nicht gelten: „Viele nehmen lieber die Strafen in Kauf, wenn sie nicht genügend Schiedsrichter stellen. Noch dazu steht es in keinem Verhältnis, was manche Trainer bereits in der Kreisliga verdienen.“