Es ist gut, dass die Bewerberzahlen bei der Bundeswehr gestiegen sind. Doch das reicht nicht. Um auf eine ausreichende Zahl von Soldaten und Reservisten zu kommen, müssen sich drei Dinge ändern, kommentiert unser Korrespondent Tobias Peter.
Es ist ganz sicher noch nicht die große Wende, aber es ist ein ermutigendes Zeichen: Die Bundeswehr hat mehr Bewerber als im Vorjahr. Niemand weiß, wann der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine beendet sein wird. Die Sicherheitsverhältnisse in Europa werden fragil bleiben. Diese Aussichten könnten davon abschrecken, Soldat zu werden – und das ist derzeit offenbar nicht so. Wenn mancher sich sogar bewerben sollte, weil die Aufgabe wichtiger geworden ist, umso besser.
Dennoch darf der kleine Aufwuchs über eines nicht hinwegtäuschen: Die Bundeswehr hat ein massives Personalproblem, das sich nicht ohne große zusätzliche Anstrengungen beheben lässt. Um – wie Verteidigungsminister Boris Pistorius es richtig formuliert – „kriegstüchtig“ zu sein, muss die Zahl der Soldaten und auch der Reservisten kräftig steigen.
Pistorius’ Vorschläge müssen Realität werden
Dazu müssen drei Dinge gelingen. Erstens braucht die Arbeit der Truppe eine Wertschätzung in der Gesellschaft, die Menschen motiviert, bei der Bundeswehr ihre berufliche Zukunft zu finden. Zweitens muss die Bundeswehr die bestmögliche Ausrüstung bekommen – und es dürfen auch keinem Rekruten verschimmelte Duschen zugemutet werden. Drittens sollte rasch das vom Verteidigungsminister vorgestellte Modell umgesetzt werden, mit dem mehr junge Menschen für einen Dienst gewonnen werden sollen.
Pistorius hat vorgeschlagen, einen Fragebogen an alle 18-Jährigen zu versenden. Männer müssten ihn dann ausfüllen, Frauen stünde das frei. Ein Teil der jungen Menschen soll dann zur Musterung eingeladen werden. Viele kritisieren, dieses Modell sei zu wenig – gebraucht werde eine Rückkehr der Wehrpflicht. Hier gibt es viele gute Argumente dafür und dagegen – es braucht eine intensive gesellschaftliche Debatte. Jetzt ist es Zeit für einen ersten Schritt. Das ist wichtiger, als sich schon jetzt auf einen möglichen zweiten festzulegen.