Autoverkäufer sagen: Den Boom gibt es – doch der Ärger an der Tankstelle allein bringt niemanden zum E-Auto. Auch die Förderung werde überschätzt.
Das E-Auto boomt wieder – bundesweit. Der Verbrenner hat es dagegen momentan schwer – und das, obwohl die Bundesregierung als ausgesprochen „verbrennerfreundlich“ gilt. Doch die E-Förderung scheint für viele Menschen in Deutschland attraktiv genug zu sein, sodass sich viele Menschen das in der Anschaffung teurere E-Modell leisten wollen.
Hinzu kommen der Iran-Konflikt und die daraus resultierenden stark gestiegenen Benzinpreise, die den Verbrauchern schmerzhaft deutlich gemacht haben, wie fragil die Nutzung von fossilen Brennstoffen ist. Gilt die Wende hin zur Elektromobilität auch in der Region? Wir haben nachgefragt.
Den E-Auto-Boom merke man schon deutlich, sagt Christian Incognito vom bhg-Standort in Binzen. Die E-Förderung sei dabei nur unwesentlich daran beteiligt. Grund: Die Förderung ist an die Einkommen gekoppelt – wer mehr als 80 000 Euro im Jahr verdient, geht leer aus. Große Teile seiner Kundschaft verdienten schlicht zu viel, um von der Förderung zu profitieren, sagt der Autoverkäufer.
Boom ja – aber warum?
Was aber nicht heißt, dass Audi-Fahrer nicht aufs Geld schauen: „Die Kunden ärgern sich schon über die hohen Spritpreise.“ Ein Umdenken hin zum E-Auto sei eher ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Nach wie vor gebe es die Angst vor einer unzureichenden Infrastruktur und einer zu geringen Reichweite. Zwar würden vor allem die Schnelllader immer schneller, doch an die Geschwindigkeit einer Zapfsäule kämen sie noch nicht heran. „Viele Menschen wollen nach 600 bis 700 Kilometern nicht längere Zeit anhalten müssen.“
Deshalb seien nach wie vor Hybridmodelle gefragt. Besonders guten Zulauf habe das E-Auto aber auch beim Firmenleasing: „Da entscheiden sich die Leute für einen Zeitraum von drei Jahren, ob E-Autos gut für sie sind, und wollen dann weiterschauen.“
Renault setzt stark auf kleinere, vergleichsweise günstige E-Autos. Bei Joachim Winzer, Geschäftsführer des Renault-Autohauses Winzer in Rheinfelden, gibt es dementsprechend viel Nachfrage nach E-Modellen. Die Förderung habe dabei einen weiteren Effekt auf den Absatz, ebenso die Benzinpreise.
Die Annahmen, die Infrastruktur sei schlecht ausgebaut, das Laden zu kompliziert und langwierig und die Reichweite der Autos viel zu kurz, kennt Winzer nur von Menschen, die noch nie ein E-Auto besessen haben. Er hält sie für überholt: „Da müssen wir manchmal noch Aufklärung betreiben.“ Und Winzer räumt bei der Frage, wer bei ihm vor allem E-Autos kaufe, mit einem weiteren Mythos auf: Dass es vor allem Städter sind, die E-Autos fahren. Tatsächlich seien viele Menschen auf dem Land aufgeschlossener gegenüber Elektromobilität als Einwohner in Städten, aus praktischen Gründen: „Viele installieren sich parallel zum E-Autokauf auch gleich die Ladeinfrastruktur zu Hause. Und das geht in Großstädten oft nicht.“
Hybride als Zwischenlösung für viele Käufer
Weiterhin funktioniere der Verkauf von Hybridautos, sagt Winzer. Für viele sei dies ein Sprung ins nicht ganz so kalte Wasser, verglichen mit der reinen Elektromobilität. Damit wird auch deutlich, dass es unterschiedliche Wege gibt, den Ängsten vieler Menschen beim Einstieg in die Elektromobilität zu begegnen. Winzer sagt: „Manche milden Hybridtypen sind im Grunde noch Verbrennermotoren, die etwas Elektrozuschuss bekommen. Andere Hybride lassen ihre Nutzer wählen, welchen Antrieb sie nutzen wollen.“
Das Autohaus Vollmer ist Partner für VW-, Audi- und Skoda-Modelle. Verkaufsberater Michael Wegert geht davon aus, dass die ab Ende April bestellbaren Fahrzeuge aus dem niedrigen Preissegment für einen deutlichen Anstieg bei der Nachfrage sorgen werden: „Das sind die Autos, auf die unsere Kunden warten.“ Auch er sieht in der Förderung eine Art Obolus, aber keinen Alleingrund für den Autokauf.
Probleme gibt es beim Gebrauchtmarkt
Ins Grübeln bringen könnte manche Befürworter der Elektromobilität jedoch ein Hinweis Wegerts: „Der Gebrauchtwagenmarkt geht überhaupt nicht.“ Schuld daran sei die Vorstellung, dass alte E-Autos über eine deutlich schlechtere Technik verfügen. Vor allem gebrauchten Akkus stünden viele ablehnend gegenüber. Ganz unbegründet sei diese Sorge nicht, so Wegert. „Die neuen Systeme sind besser – Punkt.“