Friseurmeister und Barbier Peter Mayer aus Friesenheim hat sich 2017 mit der Eröffnung seines Barber-Shops einen Traum erfüllt. Männer kämen aber nicht allein nur für die Rasur. Foto: Bohnert-Seidel

Immer mehr junge Männer suchen mittlerweile einen Barbier auf, weiß Friseurmeister Peter Mayer aus Friesenheim. Dabei gehe es meist um mehr als die Rasur.

Friesenheim - Seit März 2017 betreibt Friseurmeister Peter Mayer einen Barbershop in der Friedrichstraße in Friesenheim. Manch einer fragt sich vielleicht, warum sein "Willi’s Barber Shop" dann aber mit der Jahreszahl 1920 versehen ist. "Das Barber-Handwerk hat in unserer Familie lange Tradition. Bereits mein Großvater führte dieses Handwerk aus – damals bot er nicht nur die Rasur, sondern auch Wundbehandlung und Zähneziehen an", erklärt Mayer gegenüber der Lahrer Zeitung. Ende der 1920er-Jahre habe sich das Berufsbild dann allerdings verändert: "Entweder sind Barbiere dann Zahnärzte geworden oder Friseure. Den klassischen Barbier gab es dann erst einmal nicht mehr."

Kunden werden jünger und kommen mit klaren Vorstellungen

Mayers Vater habe als Friseur gearbeitet, er selbst habe als Heranwachsender zunächst andere Pläne gehabt. "Jeden Tag das Gleiche, das wollte ich nicht", sagt er. Die Vorstellung, der "Dorffriseur" zu sein, fand er nur wenig interessant – letztlich fand er dann doch seinen Platz in dieser Branche und hat sich 1998 selbstständig gemacht. "Meine Devise war aber schon immer: Immer weiter gehen, nie stehen bleiben, immer Neues lernen und sich weiterbilden." So ist Mayer international unterwegs, frisiert Promis bei Filmfestspielen und Musikstars beim Metalfestival "Wacken", tauscht sich mit anderen Profis aus und bekomme dadurch immer wieder die neusten Trends mit. Nicht nur das Kopfhaar, auch das Barthaar rückte immer mehr in den Interessenbereich des Friseurmeisters. Es folgten Seminare und Schulungen, bis er sich im Jahr 2017 dafür entschied, mit seinem Fachwissen einen eigenen Barbershop "nach meinen Vorstellungen" zu eröffnen.

Allein um die Rasur gehe es den Männern bei ihrer Bartpflege schon lange nicht mehr – und dem wollte Mayer mit seinem Konzept nachkommen. "Männer achten heutzutage vermehrt auf ihr Wohlbefinden: Neben dem passenden Haarschnitt oder der Rasur gönnt sich Mann gerne auch eine Kopfmassage oder im Anschluss ein Glas Whiskey", weiß Mayer. Es werde Billard gespielt oder einfach nur Gesellschaft – manchmal bis tief in die Nacht – genossen. "Das eigene Bewusstsein und natürlich damit verbunden auch das Aussehen, darauf wird viel Wert gelegt." Die Kunden würden auch immer jünger. Bereits mit 13 Jahren kämen die Jungs zu ihm und hätten genaue Vorstellungen, was gemacht werden solle. "Sehr häufig wird sich dabei an Fußballstars orientiert. Gerade ist in Sachen Haare beispielsweise die Dauerwelle bei Männern total im Trend", so Mayer.

Doch beim Thema Friseur und Barbier müsse man für ein gutes Ergebnis den passenden Dienstleister finden. "Es gibt viele Barbiere, – vor allem türkische –, die perfekte, super akkurate Arbeit liefern, am Ende wirkt der Bart aber oft eher feminin." Es gehe laut Mayer um so viel mehr als nu die richtige Technik – nämlich "um Form und Linien, Proportionen und Menschentyp". Eine Beratung mit dem Kunden zuvor, sei das A und O und genau daran erkenne man auch einen professionellen Barbier. "Der Bart ist ein Zeichen der Männlichkeit – und das sollte er doch auch nach einer Rasur bleiben", betont der Friesenheimer. Es sei jedem selbst überlassen, welchen Barber-Shop er aufsuche. Aber man könne bei vielen davon ausgehen, dass dort kein einziger Angestellter einen Gesellenbrief besitzt – im Handwerk also nicht ausgebildet wurde.

Salons sollten sich von anderen abheben und ihre Stärken fördern

Was Mayer nicht verstehen kann, ist dass sich viele Friseur-Salons unter Wert verkaufen – "und immer häufiger jammern, statt versuchen, sich zu verändern. "Ein guter Barber-Besuch kostet einfach auch dementsprechend Geld", betont er. Wichtig sei, dass man den Kunden zufrieden stellt. Das fange beim Anruf für die Terminvergabe an und ende in der Ausstattung. "Oftmals ist man aber gefangen in einer Art Hamsterrad. Da würde ein Blick von einem neutralen Außenstehenden gut tun." Fatal sei es, das Gleiche wie alle anderen, anzubieten. Es gelte, die jeweiligen Stärken herauszufinden und diese dann zu fördern.

"Barber Angles"

Peter Mayer ist Gründungsmitglied der "Barber Angels Brotherhood". Die Hilfsorganisation, bestehend aus Friseuren und Barber, will mit ihrem Handwerk Gutes tun. Obdachlosen und Hilfsbedürftigen in ganz Deutschland werden regelmäßig kostenlos die Haare und Bärte geschnitten.