Heiligabend mal daheim bleiben: Diesen Wunsch kann sich Peter Hirsch bald erfüllen. Der langjährige Organist in der Seelsorgeeinheit Neckar-Baar in Schwenningen geht in den Ruhestand.
„Jeder Einsatz hat Hand und Fuß“, heißt es im Gemeindebrief der Seelsorgeeinheit Neckar-Baar zum Abschied von Peter Hirsch in seiner Funktion als Dekanatskirchenmusiker. Eine offizielle Verabschiedung möchte er nicht. Zumal er für Vertretungen weiter zur Verfügung stehe. Rentenbeginn ist für ihn der 1. Dezember. „Raus“ ist er mit Resturlaub seit Mitte November.
Eigentlich wollte er Pianist werden. Über seinen damaligen Klavierlehrer kam er zur Orgelausbildung. „Mit 15 Jahren habe ich meinen ersten Gottesdienst gespielt“, berichtet er. Das war damals in Isny im Allgäu. Nach dem Studium der Kirchenmusik war Peter Hirsch seit 1984 in verschiedenen katholischen Dekanaten als Dekanatskirchenmusiker tätig. Dass er die Stelle in Schwenningen bekomme habe, sei Georg Meissner zu verdanken.
„Ich bin 1970 hierher gekommen und im Kirchenchor hängen geblieben“, lacht Meissner. Die Kirchenmusik in St. Franziskus sei damals in einem desolaten Zustand gewesen. Das verbesserte sich mit der Stelle für Peter Hirsch. Damals seien die beiden Kirchenchöre St. Franziskus und Maria Himmelfahrt zusammengelegt worden. Die Orgel in St. Franziskus präsentierte sich in schlechtem Zustand. Bald zeigte sich: Eine neue muss her. Georg Meissner sorgte mit dem Orgelbauförderverein dafür, dass die neue Lenter-Orgel im Jahr 2015 in Betrieb gehen konnte.
Der schönste Arbeitsplatz
„Sieben Jahre haben wir Spenden gesammelt, insgesamt neun Jahre dauerte es, bis eine neue Orgel in St. Franziskus installiert war“, erinnert sich Georg Meissner. Sein Verdienst ist es außerdem, dass das Notenarchiv digitalisiert ist. Eine enorme Arbeit, weiß Peter Hirsch. Die Zusammenlegung der Kirchenchöre sei rückblickend der Vorreiter für die Gemeindezusammenlegung gewesen, die später noch größer wurde und als Seelsorgeeinheit Neckar-Baar firmiert, zu der auch die katholischen Gemeinden in Weigheim, Mühlhausen und Tuningen gehören. Am Orgeltisch mit Blick auf das Instrument sagt Peter Hirsch: „Diese Empore ist der schönste Arbeitsplatz in meinem Berufsleben“. Und das will was heißen. Denn seit jetzt 51 Jahren begleitet er Gottesdienste an der Orgel, davon seit 20 Jahren in Schwenningen.
Noch keinen Nachfolger
Wer kommt nach? Das steht noch nicht fest. „Die Stelle war ausgeschrieben und konnte bis jetzt nicht besetzt werden“, sagt Peter Hirsch. Ein möglicher Grund. Bislang habe es sich inklusive des Dekanatsauftrages um eine 75-Prozent-Stelle gehandelt. Künftig ist es eine 50-Prozent-Stelle. Außerdem gebe es auch in Sachen Kirchenmusik mit Orgel Nachwuchssorgen. Neben dem hauptamtlichen Kirchenmusiker seien in der Seelsorgeeinheit sechs Ersatzorganisten aktiv. „Am Wochenende sind in Schwenningen, Mühlhausen, Weigheim und Tuningen vier bis sechs Gottesdienste zu besetzen.“
Endlich mehr freie Wochenenden
Peter Hirsch ist nicht nur Kirchenmusiker, sondern hat viel freiberuflich gemacht – als Klavierlehrer und Mitglied verschiedener Bands. Darüber hinaus ist er Dozent für liturgisches Orgelspiel an der Musikhochschule Trossingen. Er freut sich jetzt auf mehr Freizeit und vor allem: viel mehr freie Wochenenden. „Ich will mal an Heiligabend daheim sein können“, sagt er. Denn Weihnachten ist für Kirchenmusiker immer Hochsaison. Als Jazzmusiker möchte er sich am heimischen Flügel weiterentwickeln. Als „Springer“ stehe erst ab dem 1. Februar 2026 zur Verfügung. Die zwei Monate Auszeit will er unter anderem nutzen, „um mal bei anderen hauptberuflichen Kollegen in den Gottesdienst zu gehen“.
Für die Seelsorgeeinheit gibt ihm Pfarrer Thomas Schmollinger mit: „Danke lieber Peter. Jetzt soll dir deine Zigarette noch genüsslicher schmecken, keine Pläne, keine verordneten Mehrfachgottesdienste... Wir werden dich vermissen und freuen uns, wann immer es dich in den Fingern juckt, um einzuspringen, wenn Not am Mann ist.“
Lieblingslieder
Drei Lieblingslieder aus dem Gotteslob:
„Bewahre und Gott“ (Gotteslob 453), „Wir glauben Gott im höchsten Thron“ (Gotteslob 355) und „Geborgen in dir“ (Gotteslob 839).
Drei Lieder, die jeder mal gehört haben sollte:
„Somewhere over the rainbow“ (gesungen beispielsweise von Judy Garland), „Girl of Ipanema“ (Gesang Frank Sinatra und Antonio Carlos Jobim), „The shadow of your smile“ (Gesang Frank Sinatra).