Ob Finanzen oder Selbstdisziplin: Marcel Bihl aus Ringsheim programmiert digitale Helfer. Im Gespräch erklärt der 25-Jährige, was dahinter steckt.
Soziale Medien, Spiele, Tagesplaner oder Handel-Plattformen: Die Liste der Apps, die Handy-Nutzern zur Verfügung stehen, ist schier endlos. Allein auf den beiden größten Plattformen „Apple-App-Store“ und „Google-Play-Store“ sind es Schätzungen zufolge mehr als vier Millionen – und täglich kommen neue hinzu. Drei davon stammen aus dem Hause der „Crewz GmbH“ – dem Entwicklerstudio des Ringsheimers Marcel Bihl. „Mehr als 100 000 Menschen haben meine Apps bereits runtergeladen“, bilanziert er im Gespräch mit unserer Redaktion.
Doch wie fing das ganze überhaupt an? „Auf einer Party“, erinnert sich der 25-Jährige. Damals habe er mit Freunden eine Trinkspiel-App genutzt, die – zumindest in seinen Augen – Verbesserungspotenzial aufwies. „Ich wollte eine bessere entwickeln“, erklärt Bihl, der zu diesem Zeitpunkt noch Medieninformatik in Stuttgart studierte. Gesagt, getan: Nach wenigen Monaten war seine erste App fertig – ganz nach seinen Vorstellungen. Von seinem Können überzeugt, setzte er alles auf eine Karte, beendete sein Studium und gründete im März 2024 seine eigene Entwicklerfirma. „Ich wollte schon immer selbstständig werden und habe während meines Studiums gemerkt, dass ich keine Theorie, sondern Arbeitserfahrung brauche“, begründet Bihl, der heute in Freiburg lebt.
Bihl will auch ältere Generationen ansprechen
Neben seinem Partyspiel „Roved“ gibt es mittlerweile zwei weitere Apps von ihm auf dem digitalen Markt: „Niffl“ und „Nexter“. Die erste Anwendung soll Nutzern dabei helfen, entstandene Kosten – etwa bei einem gemeinsamen Urlaub – aufzuteilen. Die zweite richtet sich an Menschen, die sich etwas an- oder abgewöhnen möchten. Nutzer können Aktivitäten eintragen und veranschaulichen, wie oft sie es in der vergangenen Zeit gemacht haben. „Vom Anfangen zu lesen bis Aufhören zu rauchen“, gibt Bihl Beispiele, bei was „Nexter“ helfen soll.
Dabei dürfte es mit Sicherheit schwierig sein, aus der großen Masse herauszustechen, oder? Zumal es auch Apps mit ähnlichen Konzepten von anderen Entwicklern gibt. „Ich orientiere mich an den Marktführern und optimiere ihre Ideen. Die meisten von ihnen gibt es länger als zehn Jahre und wurden über die Zeit nur wenig verändert“, erklärt Bihl.
In der Regel brauche es von der Idee bis zur Veröffentlichung zwischen drei und vier Monate. Dabei lege er großen Wert auf Minimalismus. „Nutzer sollen direkt beim ersten Mal verstehen, was zutun ist.“ So will er auch ältere Generationen ansprechen. Ebenfalls wichtig: „Ich will die Hürden so gering wie möglich halten.“ So müssen neue Nutzer weder E-Mail-Adresse noch Telefonnummer angeben, um die Apps des Ringsheimers zu benutzen. Das bestätigt der Test unserer Redaktion: In allen drei Apps muss man lediglich seinen Namen eingeben, schon ist man startklar. Ob dieser der echte ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle.
Bihl verzichtet bewusst auf Werbung
Was ebenfalls auffällt: Es ist keine einzige Werbeanzeige zu sehen. „Das hat mich bei anderen Apps immer gestört“, begründet Bihl. Geld verdient er stattdessen dadurch, dass Nutzer zahlen, um Funktionen in der jeweiligen App freizuschalten. „Die Apps werden aber nicht schlechter, wenn man nicht zahlt. Niemand wird zum Kauf gedrängt“, betont der Entwickler. Demnach beinhaltet das Partyspiel in der kostenfreien Version 200 Fragen, für rund sechs Euro kommen jedoch 1800 weitere dazu. Bei „Niffl“ – also dem Ausgabenteiler – kann man maximal eine Gruppe erstellen. Zahlt man einmalig 4,99 Euro oder 1,19 Euro im Jahr, ist die Anzahl unbegrenzt. Und bei „Nexter“ sind fünf Aktivitäten kostenlos. Wer mehr hinzufügen möchte, muss entweder 1,19 Euro im Monat oder einmalig rund 20 Euro zahlen.
Dieses Modell scheint Fürchte zu tragen. So hätten bereits 1500 Menschen die Vollversion der Partyapp gekauft, beim Gewohnheitszähler seien dagegen 840 Käufe zustande gekommen. Allein durch Letzteres habe Bihl einen Umsatz von 17 000 Euro gemacht. „2025 habe ich noch Apps für andere entwickelt, damit genug Geld reinkommt. Mein Ziel für dieses Jahr ist es, nur von meinen eigenen Apps leben zu können.“ Und dazu gehört freilich, weitere zu entwickeln. So soll schon bald eine App für Einkaufslisten erscheinen.