Nach intensiver Diskussion im Ausschuss: Der Friedrichsplatz bekommt ein Steinpflaster und einen Blitzer – aber kein Wasserspiel. Das sind die Gründe.
Belag, Blitzer, Wasserspiel – dass es in der Diskussion um die Neugestaltung des Friedrichsplatzes um genau diese drei Kernthemen gehen würde, dafür „braucht man kein Hellseher sein“, wie Oberbürgermeister Christian Ruf es zu Beginn der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Bauen und Verkehr zusammenfasste.
Für den Bereich Oberfläche – also pro und contra Natursteinpflaster, Betonplatten oder Asphalt – hatte das beauftragte Landschaftsarchitekturbüro Greenbox mit Steffen Füllemann einen Experten mitgebracht. Der Spezialist erklärte eingängig, weshalb ein in Bögen verlegtes Natursteinpflaster allen anderen Varianten vorzuziehen sei.
Belag muss Vieles aushalten können
Die Vor- und Nachteile eines Granitpflasters hinsichtlich Lärmbelastung beim Drüberfahren und Langlebigkeit dominierten zunächst die Debatte. Denn selbst, wenn der Verkehr nach der Umgestaltung den Friedrichsplatz nur noch in eine Richtung passiert, dürfte der Belag allein durch die Busse stark beansprucht werden. Hinzu kam der Umstand, dass in Rottweil regelmäßig sanierte Straßen wieder aufgerissen werden. Eine optische Flickschusterei könne es mit einem ungebundenen Pflasterbelag nicht geben.
Die CDU hatte dennoch zunächst die Vorteile von Asphalt vor Augen. Leiser und billiger, lautete die Argumentation. Und mit einem Muster durch eine Matrize versehen, vielleicht sogar recht ansehnlich. Deshalb beantragte Fraktionssprecherin Monika Hugger auch, dass die Verwaltung das Thema samt Kosten für die Gemeinderatssitzung am 22. April nochmals darstellen soll.
Der Zeitpuffer schmilzt
OB Christian Ruf wollte das Thema allerdings bereits in der aktuellen Sitzung abhaken. Die Zeit drängt. Und wie Fachbereichsleiter Rudolf Mager betonte, sei durch unvorhergesehene Entwicklungen im Untergrund der eingepreiste Zeitpuffer bereits am dahinschmelzen. Leitungen seien zum Teil mit einem Betonmantel umschlossen worden. Diesen wegzubekommen koste Zeit. „Wir schauen, wo wir optimieren können. Wir sind mit der ENRW und den Baufirmen gut unterwegs“, versicherte Mager.
Ihren Antrag nahm die CDU übrigens wieder zurück, nachdem sowohl Experte Füllemann als auch Fachbereichsleiter Mager die Nachteile des Asphaltvorschlags aufgezeigt hatten.
Der Blitzer und das große Ganze
Andere Ratskollegen wie etwa Harald-Armin Sailer (FDP) befürworteten die Pflaster-Variante. „Asphalt fällt für mich raus, weil wir hier einen Platz gestalten wollen.“ Eine Absage erteilte er auch einer neuerlichen Debatte um die beschlossene Einbahnregelung auf dem Friedrichsplatz. In Richtung OB Ruf („für mich ist diese Messe noch nicht gelesen“) und zu einer möglichen Rückkehr des Gegenverkehrs sagte Sailer: „Wir haben den Beschluss gefasst, dass wir das nicht wollen.“
Die Installation eines festen Blitzers erhitzte die Gemüter weniger. Der Verwaltungsvorschlag ging mehrheitlich durch. Wenngleich etwa Hermann Breucha (Freie Wähler) betonte „ich finde nicht, dass wir das brauchen“ und Jörg Hügel (Grüne) den Friedrichsplatz lieber mit versenkbaren Amokpollern ausgestattet hätte.
Jürgen Mehl (SPD+FFR) sah das große Ganze. Aufenthaltsqualität plus Wasserspiel plus Verkehr mache den Blitzer notwendig, so seine Rechnung. Denn dieser sorge dafür, dass Tempo 20 am Friedrichsplatz eingehalten werde.
Macht ein Wasserspiel Sinn?
Doch ob es das vor dem Forum Kunst eingeplante Wasserspiel geben kann, ist fraglich. Bis auf Mehl, der in ihm auch ein Kühlprogramm sieht, stellte ein Großteil der Ausschussmitglieder die Sinnhaftigkeitsfrage. „Das passt nicht“, meinte Sailer. „Da habe ich schon Bauchweh. Gerade kleine Kinder schauen nicht auf den Verkehr“, sagte Hugger.
Die SPD+FFR-Fraktion war sich beim Thema Wasserspiel uneinig, wie Reichenbach erklärte. „Klar, Wasser zieht. Aber wir wissen nicht, wie hoch die Folgekosten sind.“ Und Jörg Hügel gab zu bedenken, dass so ein Wasserspiel Flexibilität nähme.
Nicht optimal
Ganz gleich, ob mit Wasserfontänen oder Nebeldüsen – Hermann Breucha empfand den Bau grundsätzlich als Bereicherung. Aber: „Topographisch ist es schwierig und es muss auch ein Drumherum geben.“ Mit der Fahrbahn als direkter Nachbar? Ungünstig.
Zwar hatte das Büro Greenbox, am Mittwoch vertreten durch Landschaftsarchitektin Natalie Janisch, eine Barriere zur Fahrbahn hin eingeplant, die die drei bis fünf in den Boden eingelassenen Düsen zur Straße hin abschirmen. Die Gefahr durch den Verkehr besteht dennoch.
Für das Wasserspiel muss etwa mit 90 000 Euro Herstellungs- und 5000 Euro Unterhaltungskosten gerechnet werden. Den Wasserverbrauch beziffert die Verwaltung mit 50 Litern je Minute für Fontänen und 20 Liter je Minute für Sprühnebel. Per Kopfdruck solle das Wasserspiel in Gang gebracht werden.
Noch eine Chance?
Hubert Nowack (Grüne) brachte den Christopherus-Brunnen in die Diskussion ein. Seit Jahrhunderten spielten Kinder an Brunnen, dienten Brunnen als Wasserspender – warum also ein Wasserspiel bauen, wenn ein Brunnen schon da ist? Seine Idee: Man könnte aus dem Brunnen vor der Predigerkirche einen Trinkwasserbrunnen machen und das Wasser oberflächlich ablaufen lassen. Monika Hugger erinnerte allerdings daran, dass die Wegführung am Brunnen vorbei künftig durch die Hängebrücke stark genutzt wird, ein Ablauf eher eine Stolperfalle als eine Spielmöglichkeit schaffe.
Und dann ist da auch noch das Thema Hygiene. Zwischen Trinkwasser und Frischwasser gibt es einen Unterschied, so OB Ruf. Für letzteres übernehme die Stadt keine Verantwortung – weder an einem Brunnen, noch an einem Wasserspiel. Nicht beeinflussen könne man, „wer trotzdem sein Göschle dranhält“.
Letztlich erteilte der Ausschuss mit neun Gegenstimmen dem Wasserspiel eine Absage. Ob es für Fontänen oder Nebel noch eine Chance gibt? Darüber wird der Gemeinderat entscheiden.