Rechts der Gehweg, links der Bagger – die Baustellenausfahrt ist nicht optimal. Offenbar wird das Tor auch gerne mal verrückt, damit der Lkw besser rausfahren kann. Foto: Alt

Lastwagen, Schmutz und keine Parkplätze – die Landratsamtbaustelle ist für Anwohner und Fußgänger eine Belastungsprobe. Kann das Landratsamt nachbessern?

Ganz schön eng geht es in der Marienstraße zu, seit das alte Landratsamt Stück für Stück zurückgebaut und abgerissen wird. Die Bauarbeiten gehen gut voran, von dem einst prägenden Hochhaus ist nichts mehr zu sehen.

 

Seit Monaten kämpft sich der Bagger der Abrissfirma BERB durch den Schutt. Kipplaster transportieren in Dauerschleife das Material ab. Eigentlich beeindruckend.

Doch für Anlieger und jene, die täglich in der Marienstraße zu Fuß die Baustellenausfahrt passieren müssen, ist es ein Spießrutenlauf.

Kritik an Baustellenzaun

Thema war das jüngst im Rottweiler Gemeinderat, wo Stadtrat Hermann Breucha von den Freien Wählern seine Beobachtung mit den Kollegen am Ratstisch teilte. In der Marienstraße werde regelmäßig der Baustellenzaun verschoben, damit die Lastwagen besser ein- und ausfahren können.

Das Problem, so der Gemeinderat, Rollstuhlfahrer oder Familien mit Kinderwagen hätten auf dem Gehsteig keinen Platz und müssten auf die Straße ausweichen. Da der Verkehr dort ohnehin unübersichtlich ist, berge das eine Gefahr, die so nicht sein müsse.

Ärger bei Anwohnern

Auf der anderen Seite haben die Anwohner in der Marien-, Altstädter- und Mittelstadtstraße ihre Liebe Not. Sie klagen über Lärm, Staub und fehlende Parkplätze. Ein Anwohner berichtet, Kinder, die sonst vor dem Haus auf der Straße spielen, könnten das nicht mehr tun. Zu gefährlich.

Wir fragen beim Landratsamt nach. Was den Baustellenzaun betrifft, stehe dieser genau an der Stelle, „an der wir ihn ursprünglich installiert haben“, so Sprecherin Andrea Schmider. Der Zaun sei „selbstverständlich von Anfang an so geplant, dass die Lkws die Baustelle gut an- und abfahren können“.

Das sagt das Landratsamt

Die Engstelle in der Marienstraße ist so etwas wie ein notwendiges Übel. „Uns ist natürlich bewusst, dass durch den Baustellenzaun und die halbseitige Sperrung der Marienstraße eine Engstelle entstanden ist, die aus verkehrstechnischer Sicht nicht optimal ist. Doch alle diese Maßnahmen – so auch die Einbahnregelung in der Marienstraße – sind im Vorfeld mit der Stadt Rottweil abgesprochen beziehungsweise erarbeitet worden“. Auch die entsprechenden Genehmigungen lägen dem Landratsamt vor.

Oberbürgermeister Christian Ruf hatte in der Gemeinderatssitzung betont, wie gut der Kontakt zum Landratsamt sei und wie bemüht dieses sei, das die riesige Baustelle optimal abgewickelt werde. Dass es dennoch Einschränkungen und Beeinträchtigung gibt, liegt indes auf der Hand. Vor allem, was die Anlieger betrifft.

Große Herausforderungen

„Eine so große Baumaßnahme an einer zentralen Stelle in der Innenstadt führt unweigerlich zu Einschränkungen für alle Anlieger und ist gleichzeitig eine große Herausforderung für uns als Bauherrin“, betont das Landratsamt. Der Rückbau verursache Lärm und Schmutz. „Unser Rückbau-Partner, die Firma BERB, bindet beim Abriss den entstehenden Staub mit Wasser, aber diese Methode verhindert den Staub nicht komplett.“

Der Schotterparkplatz hinter dem Landratsamt wird für die Baustelle benötigt. Foto: Alt

Und weil die an- und abfahrenden Lastwagen in regelmäßigen Abständen das Rückbau-Material abtransportieren und später – beim Neubau das Baumaterial anliefern – entsteht in der Marienstraße zusätzlicher Verkehr.

Verständnis aber keine Lösung

Der große Schotterparkplatz hinter der Baustelle liefert hierbei die Infrastruktur für die Baustelle, „so dass die dortigen Parkplätze für die Dauer der Bauzeit entfallen – auch für unsere Mitarbeitenden“, so Schmider weiter.

„Dass die Anlieger diese Situation als belastend empfinden, kann ich nachvollziehen. Wir haben die Anlieger im Vorfeld der Baumaßnahme informiert und haben ein offenes Ohr für sie“, betont die Sprecherin. Das LRA könne „aber keine Lösungen anbieten, so sehr wir das auch bedauern“.