In diesem Jahr spielte das Wetter beim Festival mit. Die Stimmung war ziemlich ausgelassen. Doch es gab eine Enttäuschung.
„Are you ready for the Sound of Scooter?“, rief Sänger H.P. Baxxter am Samstagabend der Menge auf dem Happiness-Festival entgegen. Die 12 500 Besucher waren es. Und damit steuerte das Wochenende auf seinen Pyro- und Bass-geladenen Höhepunkt zu. Knapp zwei Stunden spielten die Techno-Legenden – immer voll auf die Zwölf. Als Scooter eine kurze Cover-Version von „Ein Kompliment“ anstimmte, rechneten manche mit einer Ballade. Zumindest bis der umgedichtete Refrain begann: „We can dance all night long“. Die Leute auf dem Happiness konnten.
Schleppender Beginn Den Anfang machte am Freitagnachmittag die Indie-Pop-Band Tränen. Schon am Vorabend waren viele der Gäste auf dem Camping-Platz angereist. 25 000 Besucher zählten die Veranstalter am Ende - 12 500 pro Tag. Da waren die vielen Zaungäste noch gar nicht miteingerechnet. Doch am Freitag lief es etwas schleppend an. Der Grund: das unsichere Wetter. Der große Hagelsturm verschonte das Happiness zwar. Aber der Regen hielt trotzdem manchen Besucher fern.
Immerhin mussten die Veranstalter das Festival nicht wie im Vorjahr unterbrechen. Damals war ein starkes Unwetter über das Gelände hereingebrochen. Aus diesen Erfahrungen habe man gelernt, so Adrian Schurich vom Organisationsteam. Man habe ein eigenes Notfallradio aufgebaut. So könne man mit den Besuchern im Fall der Fälle kommunizieren, auch wenn das Mobilfunknetz zusammen gebrochen sei.
Eine weitere Neuerung war der Zugang zum ersten Wellenbrecher - dem Bereich vor der Bühne. In der Vergangenheit war hier vielen Besuchern unklar, wann und wie der Zugang möglich ist. Mit einem Ampelsystem wolle man das nun entzerren, so Schurich. Die Besucher stellten sich artig in die Schlange und warteten, um ihrem Lieblingskünstler ganz nahe sein zu können. „Wir nehmen das Feedback der Gäste auf und überlegen uns dann Lösungen“, so Schurich.
Eine Rückmeldung, die die Organisatoren in diesem Jahr vielleicht häufiger bekommen könnten, betrifft den Rapper Alligatoah. Auf den hatten sich viele Besucher gefreut. Mit Songs wie „Willst du mit mir Drogen nehmen“ wurde er vor zehn Jahren bekannt. Auf der Happiness-Bühne präsentierte er seine Lieder nun im Metal-Gewand. Das traf auf geteilte Meinungen. „Wir sind nach drei Liedern gegangen“, meinte eine Frau. „Die Metal-Versionen sind immer geil“, fand ein anderer. „Manche haben was anderes erwartet“, sagte Schurich. Der Rest des Programms am Freitag mit der Band Provinz, Sänger Aggu oder der Rap-Formation PA69 auf der kleinen „Arty Stage“ kamen hingegen gut an.
Auf dem Campingplatz ging die Party dann weiter. Und auch am Samstagmittag herrschte dort Hochbetrieb. Trinken aus dem Trichter, Flunky Ball, Beer Pong - die Camper unterhielten sich mit den Klassikern. Julian aus Pforzheim hatte aus seinen leeren Bierdosen einen kleinen Panzer gebastelt. Darauf kutschierte er mit seinen Freunden einen Stofftier-Dachs namens Herbert durch die Gegend. Julian war zum zehnten Mal auf dem Happiness. Besonders freue er sich auf Scooter. Manche machten sich fürs Festival extra schick. Einer ließ sich sogar kurzerhand den Vollbart rasieren.
Sommerliche Temperaturen Am Samstag machte auch das Wetter mit. Bei sommerlichen Temperaturen eröffneten Lars Fiero, Aaron und Mayberg auf der Hauptbühne das Programm. Richtig voll wurde es aber erst bei Paula Hartmann und 01099, die vor allem jüngere Fans anzogen. Währenddessen freuten sich Tjark, Tom Hengst und Berq auf der kleinen Bühne über großen Zulauf. Dort setzte die Indie-Rockerin Paula Carolina einen energetischen wie feministischen Schlusspunkt des Abends.
Top-Act Auf der Hauptbühne bahnte sich Großes an. Dort zeigte Rapper Sido den ganzen jungen Künstlern, warum er seit vielen Jahren zu den Top-Acts zählt. Nach zwei Songs hatte er die Menge gepackt. Egal, ob „Bilder im Kopf“ oder „Astronaut“ – viele Fans waren textsicher. Running Gag des Abends: Das Publikum stimmte immer wieder einen der nicht-jugendfreien Songs aus Sidos Frühzeit an. Der Rapper wollte erst nicht, brachte das Lied aber schließlich als allerletzte Zugabe.
Es wurde gekifft
Es wird gekifft Sido kiffte auch auf der Bühne, so wie manche im Publikum oder auf dem Zeltplatz. „Wir halten uns an die gesetzlichen Bestimmungen“, so Schurich. Und Cannabis ist ja bekannterweise legal. Also standen die Polizisten nur unbeteiligt rum. Allerdings hatte man nicht das Gefühl, dass weniger als in den Vorjahren gekifft wurde – nur weniger versteckt.
Höhepunkt des Festivals Und dann kam Scooter. H.P. Baxxter zeigte, dass er auch noch mit 60 Jahren eine große Show abliefern kann. Immer mit dabei: deutlich jüngere Tänzerinnen. „Techno is back“ stand hinter ihm auf der Leinwand. Und er garnierte die Songs immer wieder mit seinen einfachen Weisheiten: „When nothing goes right, go left“. Hauptsache, der Bass kickt.