Keltische Grabhügel, alemannische Spuren: Nagold ist reich an Geschichte. Doch der ganz große archäologische Fund fehlt. Bis jetzt! Denn noch nie waren die Voraussetzungen so gut, um einen spektakulären Schatz zu heben. Findet zumindest der Autor dieser Glosse.
Schatzsucher aufgepasst. In Nagold tut sich was. Letztlich ahnte man das ja schon immer – bei einer so reich besiedelten Stadt. Und tatsächlich wurden hier ja auch schon Schätze gefunden – der römische Gesichtshelm zum Beispiel, oder unser keltisches Regenbogenschüsselchen – auch wenn letzteres dann doch eine wirklich, sehr, sehr kleine Münze ist. Immerhin, ins Landesmuseum hat sie’s geschafft.
Der ganz große Schatz wurde in Nagold aber noch nicht gefunden. Wobei ja eigentlich schon. Nur wurde er noch immer nicht gehoben. Die Rede ist vom Krautbühl – diesem keltischen Fürstengrab an der Nagold , dessen Grabkammer nie geplündert wurde.
Da schlummert er also noch, Nagolds sagenhafter Schatz. Nur darf man den nicht heben. Eine echte Gemeinheit eigentlich – 2500 Jahre lang von allen Grabräubern ignoriert zu werden. Das hat Nagolds Keltenfürst nun wirklich nicht verdient!
Archäologische Schätze werden heutzutage eigentlich nur noch gehoben, wenn Gefahr in Verzug ist. Zum Beispiel bei Bauarbeiten. Und genau das macht Hoffnung. Denn zwischen Keltenhügel und dem Schlossberg wird derzeit gebuddelt ohne Ende. Im Kleb wird die Wiese komplett umgegraben, neue Leitungen gilt es zu verlegen. Und zwar vom Krautbühl bis durch den Kleb.
Das schreit nach einem Jahrhundertfund
Das schreit nach einem Jahrhundertfund! Besser waren die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schatzsuche nie. Auch CDU-Stadtrat Oliver Mayer spekulierte im Technischen Ausschuss, was eigentlich passiert, wenn die Bagger auf archäologische Funde stoßen?
Auffällig war, wie schnell Nagolds OB das Thema ad acta legen wollte. „Wir rechnen nicht damit. Das ist der Altlauf der Nagold. Da wurde schon so viel gebuddelt.“ Dann fügte das Stadtoberhaupt vieldeutig hinzu: „Doch wenn, dann sollte das schon die Qualität eines Keltengrabs oder unseres goldenen Helms haben“. Dann lohne es sich auch, die Baustelle für ein paar Jahre zu unterbrechen.
Letztlich sind diese OB-Aussagen ziemlich breit interpretierbar. Versucht er das Thema ins Lächerliche zu ziehen, um selbst in den kommenden Nächten heimlich als Schatzsucher durchzustarten? Oder steckt da doch eine Aufforderung an alle Gleichgesinnten dahinter? Frei nach dem Motto: Schatzsucher aller Welt, wenn ihr schon nach Nagold kommt, dann strengt Euch aber bitteschön auch wirklich an?
Deutlicher Hinweis unserer Vorfahren
Wir lassen die Großmannschen Worte mal so stehen und kehren zurück zu den Fakten: Die Voraussetzungen für einen Mega-Fund könnten kaum besser sein. Das Gebiet ist historisch sowas von überfrachtet. Ganz exklusiv verrate ich Ihnen auch, wo sich eine Suche besonders lohnen dürfte: Denn was fließt munter zwischen Krautbühl und Schlossberg? Genau, die Nagold.
Nicht nur in der Stadt, auch in unserem Flüsschen steckt das GOLD schon im Namen. Bekanntlich ist der Name ja keltischen Ursprungs. Noch immer streiten sich die Gelehrten, ob „Nagold“ mit „Fließendes Gewässer“ oder „Die keltische Festung“ übersetzt werden muss. Dabei wird wie so oft die offensichtlichste aller Übersetzungen ignoriert: „Nah am Gold“ übersetze ich jetzt einfach mal ganz frech und frei. Deutlicher hätte der Hinweis unserer Vorfahren doch gar nicht ausfallen können. Der Fluss ist also unsere Schatzkarte.
Da passt es wunderbar, dass die Nagold abgelassen wurde. Die Schatzsuche am Fluss ist da ganz simpel. Nach grober Sichtung, kann ich schon erste Funde vermelden: zwei Terrassenstühle und ein Fahrrad. Gewiss, das sind neuzeitliche Funde. Dennoch ist das ein vielversprechender Anfang. Und noch haben wir gar nicht richtig losgebuddelt! Also los geht’s. Machen wir unser Nagold zum Eldorado des Schwarzwalds.