Man sieht den Gesichtern auf der Hochbrücke das Hochgefühl an: Erik Lang, Referatsleiter Straßenbau Süd, RP-Projektleiter Jörg Pfeifle und Horbs OB Michael Keßler an den Seilen. Foto: Juergen Lueck

Horbs OB Michael Keßler (CDU) steht auf der Hochbrücke Horb und sagt: „Mein schönster Termin.“ Darum geht es auf der Baustelle inzwischen richtig vorwärts.

Zum ersten Mal ist Horbs OB Michael Keßler (CDU) beim Pressetermin auf der Hochbrücke dabei. 289 Tage nach dem tragischen Unfall, bei dem drei Bauarbeiter starben, herrscht mittlerweile wieder Hochstimmung auf der Hochbrücke – auch wenn das Unglück nicht vergessen ist.

 

RP-Projektleiter Reiner Gumz: „Wir haben den Unfall inzwischen verkraftet und aufgearbeitet.“ Sein Kollege Jörg Pfeifle sagt: „Das war schlimm. Aber die Zeit heilt die Wunden. Inzwischen ist wieder ganz normal Baustelle.“

Ganz normal? Eher außergewöhnlich gut. Erik Lang, Referatsleiter Straßenbau Süd des RP Karlsruhe: „Ich habe bisher nur in der Webcam verfolgt, wie es vorangeht. Unten an der Kreuzung Gutermannstraße war es schon beeindruckend, den Brückenteil mit den Seilen zu sehen. Doch hier oben ist das, was man sieht, kaum zu glauben.“ OB Michael Keßler (CDU): „Das ist mein schönster Termin heute.“

Hier wird eine Litze zum Seil: Vorne schiebt der Bauarbeiter die Litze, der Kollege dahinter bedient die Presse. Hinten rollt der Kollege die Stahllitze ab. Foto: Jürgen Lück

Denn: Seit Mittwoch, 25. Februar, werden die Seile eingehängt. Projektleiter Pfeifle: „Das sind Spezialisten von Dywidag. Das Team kommt aus Norwegen, die sind international unterwegs. Der Bauleiter hat gesagt: „Wir haben gerade 300 Meter Seile eingezogen. Da ist hier in Horb eine kleine Sache.“

230 Meter Fahrbahn auf der Hochbrücke

Kleine Sache? Optisch groß. Denn: Gut 230 Meter der Brücke sind schon fertig mit durchgängiger Fahrbahn. Referatsleiter Lang: „Als Porr gemeldet hat, dass sie schon zur Hälfte mit dem Überbau fertig sind, habe ich es kaum glauben können. Wenn man hier steht und die Baufakten analysiert, habe ich jetzt das Gefühl, dass wir schneller werden.“

Oben zieht der Bauarbeiter eine der 108 Litzen aus dem Hüllrohr, um sie in der Ankerbox rechts zu befestigen. Foto: Jürgen Lück

Aus der Ferne hängen die Seile schon. Doch oben auf der Brücke sieht man, was wirklich passiert. Pfeifle erklärt: „Auf der Rolle sind die einzelnen Stahllitzen. Die werden mit der Presse erst nach oben geführt in die Ankerbox. Oben fädelt der Bauarbeiter diese Litze in eine Platte, wo sie fixiert werden. Dann wird von unten jede Litze nach einem speziellen Spannplan auf 70 Prozent gespannt.“

Jedes Seil der Hochbrücke trägt 1000 Tonnen

Die Platte oben und unten hat 109 Löcher. Denn 108 Litzen müssen pro Seil und Seite rein. Pfeifle: „Es gibt 109 Löcher. Je mehr Litzen, desto mehr gefummel wird das.“

Das unterste Seil wird pro Seite 34 Meter lang sein, 5,1 Tonnen schwer. Das oberste Seil 70 Meter – es wiegt 10,5 Tonnen.

Erinnert an eine Harfe: Die Hüllrohre an der Hochbrücke Horb werden jetzt mit Stahllitzen gefüllt. Foto: Jürgen Lück

Pfeifle: „Wenn alle Litzen in den Seilen und den Hüllrohren sind, wird das blaue Traggerüst abgelassen. Dann werden die Seile auf 100 Prozent gespannt. Jedes Seil trägt 1000 Tonnen. “ Das soll Mitte März so weit sein.

Warum die Seile ein Meilenstein der Hochbrücke sind

Die Brücke schwebt dann zwar frei, aber optisch noch nicht so wie bei der Fertigstellung. Pfeifle: „Zuerst werden die blauen Traggerüste verschoben, damit wir die roten Traggerüste abbauen können.“

Der Hochbrücken-Teil in Höhe Neckarbad: Hier wird gerade die Voute gegossen. An dieser Stelle werden die nächsten Seile eingehängt. Foto: Jürgen Lück

Das ist wirklich ein Meilenstein für den Bau der Hochbrücke. Pfeifle: „Mit dem Einziehen der Seile sind wir jetzt in einem Modus angelangt, wo wir sagen können – die Abwicklung ist jetzt Standard. Es ist für uns Routine.“

Wie schnell geht es mit der Hochbrücke weiter?

Referatsleiter Lang: „Wir werden jetzt das Thema Rauschbart-Sperrung angehen. Wir werden die Ausführungsplanung starten, danach in die Ausschreibung gehen. Weil wir dabei mit Porr abstimmen werden, was wir parallel zum Brückenbau machen können, werden wir in diesem Prozess sicherlich genaueres zum weiteren Zeitplan sagen können. Stand jetzt wird die Hochbrücke 2028 fertig.“

Und wann droht die nächste Rauschbart-Sperrung? Lang: „In diesem Jahr wird es keine Sperrung geben.“