Der Spatenstich ist gemacht: Vertreter der Stadtverwaltung und der Baufirma trafen sich zum Baustellenstartschuss. Foto: Dold

Die Superlative purzelten nur so: „Die größte Maßnahme im Abwasserbereich, die wir je gemacht haben“ oder „Der Anschluss an Schramberg ist die beste Lösung“.

Allerdings muss für dieses Großprojekt die Straße bis Weihnachten komplett gesperrt werden. Anschließend soll bis Mai 2027 das letzte Stück bis zur Bachwirtschaft unter halbseitiger Sperrung mit Ampelregelung erfolgen.

 

„Es ist nicht irgendein Bauprojekt“, sagte Dorothee Eisenlohr beim Spatenstich am Parkplatz Kalter Graben. „Es wird ein sechs Kilometer langer Abwasserkanal vom Stadtteil Tennenbronn nach Schramberg verlegt“, so die OBin. Der Asphalt werde aufgefräst, die Maßnahme sei ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll.

Der letzte Abschnitt ist im Bereich der Bachwirtschaft. Foto: A. Wegner

Das Land habe auf eine solche Lösung gepocht – schließlich solle die Abwasserbeseitigung gebündelt werden. Daher sei eine Sanierung der Kläranlage Tennenbronn verworfen worden. Für diese wären sicherlich acht Millionen Euro fällig geworden, ergänzte Tiefbauamtsleiter Konrad Ginter.

Mega-Projekt Kläranlage

Eisenlohr hoffte, die Abwasserbeiträge zumindest stabil halten zu können. An Kosten werden 4,7 Millionen Euro für den Kanalbau veranschlagt. 1,4 Millionen Euro an Fördermitteln seien bereits eingegangen.

Als weiteres Mega-Projekt folgt die Erweiterung und Ertüchtigung der Kläranlage Schramberg für 22 Millionen Euro. In Tennenbronn wird hingegen die bisherige Kläranlage rückgebaut. Lediglich ein Regenrückhaltebecken wird bleiben. Hierfür werden weitere 2,3 Millionen Euro fällig. Unter dem Strich, so Eisenlohr, würden knapp 30 Millionen Euro investiert. Letztlich hofft die Stadt auf eine Förderquote von 30 bis 40 Prozent. „Aber das ist noch eine kleine Zitterpartie“, räumte die OBin ein.

Wermutstropfen Radweg

Beteiligt sind auch die Gemeinden Hardt, Lauterbach und St. Georgen, die 4,3 Millionen Euro beisteuern, da auch deren Abwässer in Schramberg entsorgt werden.

Die Kläranlage Schramberg soll 2028/29 ein neues Belebungsbecken erhalten, dann werde die Nachklärung umgebaut. Das soll Ende 2030 abgeschlossen sein. 2032 soll inklusive des Rückbaus Tennenbronn alles fertig sein. „Das ist eine nachhaltige und wirtschaftliche Lösung im Sinne des Gewässerschutzes“, betonte die Oberbürgermeisterin.

Einziger Wermutstropfen sei der nicht zu realisierende Radweg. Die Strecke sei nicht im Radwegenetz Baden-Württemberg enthalten und habe für das Land keine Priorität, bedauerte Eisenlohr.

Es wird gegraben

Der Start der Bauarbeiten ist bereits erfolgt: Nach der Abzweigung Falkensteinstraße wird bereits in Richtung Tennenbronn gegraben.

Der Anfang am Ortsausgang Schramberg ist bereits gemacht. Foto: Dold

„Die Sperrung ist eine massive Einschränkung, wir bitten um Verständnis“, warb Eisenlohr. Wenn sich Autofahrer ärgerten, könnten sie daran denken, dass das Ganze ein wichtiger Schritt für die Abwasserklärung sei. Anlieger könnten morgens und abends zu ihren Häusern kommen.

Immer wieder erweitert

Tennenbronns Ortsvorsteher Manfred Moosmann lobte den zukunftsweisenden Schritt für Tennenbronn. „Zukünftiges Denken ist in Tennenbronn nichts Neues“, sagte er. Schon 1958 habe man unter der Ägide von Bürgermeister Josef Kaltenbacher als eine der ersten Gemeinden eine Ortskanalisation und mechanische Kläranlage gebaut. Diese sei immer wieder erweitert und auf den neuesten Stand gebracht worden. „Wir geben also nicht ein Stück Selbstständigkeit ab, wir gehen weiter auf dem 1958 begonnenen Weg“, so Moosmann.

Michael Rieger, Bürgermeister von St. Georgen, lobte die interkommunale Zusammenarbeit. Das Abwasser aus Langenschiltach mit seinen 700 Einwohnern läuft nach dem Bau des Kanals in die Kläranlage Schramberg.

Die Dimensionen sind enorm. Foto: Dold

Der Kanal ist 1,60 Meter tief. Probebohrungen haben ergeben, dass keine Probleme mit Felsen zu erwarten sind – mutmaßlich wurde das Gelände einst für den Straßenbau aufgeschüttet. Zudem, so Konrad Ginter, entfielen künftig die vielen Fahrten von Klärschlamm, der derzeit noch von Tennenbronn nach Schramberg transportiert wird.