Großes Interesse herrschte an der Aktion „Meet a Jew“ im Betsaal der ehemaligen Synagoge. Anna und Benjamin diskutieren mit den Zuhörern über Alltag und Glauben.
Wie fühlt es sich eigentlich an, als Jude in Deutschland zu leben? Halten sich alle Juden streng an die Feiertagsrituale und an das koschere Essen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen bekamen die Teilnehmer der Veranstaltung „Meet a Jew“ dieser Tage im Betsaal der ehemaligen Synagoge.
Anna und Benjamin aus Stuttgart gaben Einblicke in ihren jüdischen Alltag. Die Aktion „Meet a Jew“ ist ein Projekt des Zentralrats der Juden, gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Schirmherr ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Einblick in Alltag
Das aktuelle jüdische Leben durch in Deutschland lebende jüdische Menschen kennen lernen, das ist die Idee hinter Meet a Jew. Nicht nur im Betsaal waren Anna und Benjamin zu Gast, sondern auch an einer Rottweiler Schule, wo sie Rede und Antwort standen.
Im Betsaal lauschten die Zuhörer interessiert, was die beiden jungen Leute aus ihrem Alltag berichteten. „Wie stark wir uns an die jüdischen Feiertage, das koschere Essen und anderes halten, das kommt darauf an wie gläubig wir sind. Viele picken sich die Sachen raus, die sie bereit sind zu tun“, erklärte Benjamin.
Zur Sprache kam unter anderem auch der Antisemitismus, und wie die beiden damit umgehen. Anna betonte, dass sie durchaus immer wieder Angst habe. Die Situation aber in Stuttgart „zum Glück“ nicht so heftig sei, wie in Berlin. „Man kann ja nicht weggehen. Wohin denn? Es gibt kein Wohin. Anderswo ist es nicht besser. Wir sind hier nicht in Berlin. Das ist schön. Aber wir können Berlin werden. Das ist weniger schön“, machte Anna deutlich.
Führungen
Um über die Geschichte des jüdischen Lebens in Rottweil zu informieren, gibt es einmal im Monat bis einschließlich Oktober, immer sonntags ab 14 Uhr, eine Besichtigungsmöglichkeit des ehemaligen Betsaals in der Kameralamtsgasse 6 mit anschließender Führung durch das jüdische Rottweil. Die Termine dafür sind am 14. Juli, 11. August, 8. September und 13. Oktober.
Führungswünsche zu anderen Terminen können über die Mailadresse Ehem.Synagoge-RW-eV@t-online.de angefragt werden.