Wie leben Jüdinnen und Juden heute? Das erfuhren die Schüler der Neubulacher Gemeinschaftsschule von zwei jüdischen Gästen. Für einen Aha-Effekt sorgte eine spezielle Süßigkeit.
Wie entsteht echtes Verständnis? Wie kann Bildung dazu beitragen, möglichen Vorurteilen vorzubeugen, bevor sie überhaupt entstehen? Eine mögliche Antwort darauf wurde kürzlich an der Gemeinschaftsschule (GMS) Neubulach erlebbar.
In den Klassen 6b und 6c waren Gäste der Bildungsinitiative Meet a Jew zu Besuch, heißt es in einer Pressemitteilung der Bildungseinrichtung. Der Besuch fand für die Religions- und Ethikgruppen gemeinsam bei Religionslehrerin Sabine Cremonesi statt, die die Veranstaltung vorbereitet und organisiert hatte.
Cathy und Michael berichten von ihrem Leben als Juden
In jeweils einer Doppelstunde berichteten die beiden Referenten Cathy und Michael aus ihrem persönlichen Leben als Jüdinnen und Juden in Mannheim, erklärten religiöse Traditionen, zeigten Alltagsgegenstände des jüdischen Glaubens und beantworteten offen die zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler.
Dabei ging es nicht um abstrakte Wissensvermittlung, sondern um echte Begegnung – lebensnah, authentisch und auf Augenhöhe, so die Schule weiter.
Auffällig war laut GMS die Qualität der Fragen: Die Klassen hatten sich im Unterricht bereits intensiv mit dem Judentum auseinandergesetzt und begegneten den Gästen gut vorbereitet, interessiert und respektvoll. Besonders wertvoll war, dass sich die Schüler trauten, offen zu fragen – auch dort, wo Unsicherheit oder Unwissen bestand.
„Mir hat es sehr gut gefallen. Es war gut, dass wir so viele Fragen stellen konnten – so war es sehr informativ und wir haben viel dazugelernt“, berichtet Noel aus der Klasse 6b.
Seine Mitschülerin Pauline hebt vor allem die Anschaulichkeit hervor: Durch die zahlreichen mitgebrachten Gegenstände sei das Thema greifbar geworden – Inhalte aus dem Unterricht ließen sich so besser vorstellen und einprägen.
Schüler probieren traditionelle jüdische Speisen
Auch sinnliche Eindrücke spielten eine Rolle: Die Klasse zeigte sich neugierig auf traditionelle Speisen wie Matzen, besondere Begeisterung lösten jedoch die koscheren Gummibärchen aus. „Die schmecken ja wie die echten!“, war mehrfach zu hören.
Die Begegnung zeigte zugleich, wie wichtig Schule als geschützter Raum ist: ein Ort, an dem Fragen gestellt werden dürfen – ehrlich, respektvoll und ohne Angst vor Bloßstellung. Gerade bei sensiblen Themen wie Religion, Identität und Diskriminierung ist dies eine zentrale Voraussetzung für gelingende Bildungsarbeit.
Der Besuch machte deutlich: Bildung gegen Vorurteile entsteht nicht durch Belehrung, sondern durch Beteiligung. Dort, wo junge Menschen selbst fragen, zuhören und reflektieren, wächst nachhaltiges Verständnis. Der Mut zur Frage ist dabei eine demokratische Schlüsselkompetenz – er widerspricht einfachen Antworten und dumpfen Stereotypen, so die GMS weiter.
Erste Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage
Die Gemeinschaftsschule Neubulach versteht solche Begegnungen als festen Bestandteil ihres Bildungsauftrags. Als erste Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage in der Region setzt sie bewusst auf Projekte, die Weltoffenheit, Toleranz und gegenseitige Wertschätzung fördern. Der Leitsatz der Schule – „Wir alle sind wertvoll“ – wird hier konkret erfahrbar.