Das Operationsmikroskop Aesculap Aeos erleichtert Chirurgen das Operieren, weil sie alles besser visualisieren können. Foto:  

Familienunternehmerin Anna Maria Braun vom gleichnamigen Medizintechnikhersteller aus dem hessischen Melsungen legt den Fokus auf Investitionen in Deutschland. Auch bei der Tochter Aesculap in Tuttlingen steht eine Erweiterung an.

Der Medizintechnikhersteller B. Braun setzt auch künftig auf den Standort Deutschland und investiert nicht nur am hessischen Stammsitz Melsungen, sondern will auch bei der Tochter Aesculap in Tuttlingen die Produktion ausbauen, wo rund 3500 Mitarbeiter beschäftigt sind.

 

Die Zustimmung von Vorstand und Aufsichtsrat steht zwar noch aus. „Es ist aber klar, dass wir diesen Erweiterungsschritt bei Aesculap brauchen“, sagte B.-Braun-Chefin Anna Maria Braun. Die Detailplanungen liefen. Man sei sehr stolz über das erfreuliche Wachstum bei Aesculap.

„Wir haben die Ambition und wollen auch beweisen, dass man Medizintechnik in Deutschland fertigen kann“, sagte Braun bei der virtuellen Jahrespressekonferenz und meinte damit nicht nur teure Investitionsgüter, sondern auch Verbrauchsgüter. Das erfordere aber, dass man kontinuierlich technologische Sprünge mache, ebenso auch einen Beitrag der Mitarbeiter. Ein 2025 auslaufender Zukunftssicherungsvertrag wurde am Standort Tuttlingen bereits einvernehmlich mit der dortigen Geschäftsleitung, dem Betriebsrat, der IG Metall und Südwestmetall vorzeitig bis Ende 2030 verlängert.

Viertagewoche würde Jobs kosten

Angesprochen auf das Thema Viertagewoche bezog Braun klar Stellung: „Für die Industrie ist eine Viertagewoche die eleganteste Lösung, Arbeitsplätze abzubauen und ins Ausland zu verlagern. Ich kann nur sehr deutlich sagen, die Welt wartet nicht auf Deutschland.“ Es sei keine Zeit für weniger Arbeit, sondern für mehr Arbeit angesichts des strukturellen Umbruchs.

Die 44-jährige Juristin und Mutter von drei Kindern führt seit bald fünf Jahren das weltweit agierende Familienunternehmen, das im Ranking der größten Familienunternehmen Deutschlands unter den Top 40 ist. Die Produktpalette reicht von Spritzen und Infusionslösungen über Gelenkprothesen und Produkte für Dialyse und Wundversorgung bis zu chirurgischen Instrumenten.

Wirbelsäulenimplantate aus dem 3-D-Drucker

Man wolle neue Technologien für das Gesundheitswesen in die Anwendung bringen, sagte Braun. Als Beispiele für solche Schlüsseltechnologien nannte sie etwa Wirbelsäulenimplantate, die im 3-D-Druck-Verfahren und mittlerweile in Serie hergestellt werden und die aufgrund ihrer Strukturen besser und schneller mit den Knochen verwachsen können. Ein weiteres Beispiel: die Robotik in der Chirurgie. Mit dem Operationsmikroskop Aesculap Aeos etwa könnten Chirurgen besser visualisieren, wo sie operierten, präziser sein und die OP gleichzeitig dokumentieren.

Trotz vergleichsweise hoher Energiekosten und geopolitischer Spannungen hat B. Braun den Umsatz 2023 um drei Prozent auf 8,8 Milliarden Euro gesteigert. „Wir haben in einem erneut sehr anspruchsvollen Umfeld unseren Wachstumskurs fortgesetzt“, sagte Braun, die das Familienunternehmen, das 2024 genau 185 Jahre alt wird, in sechster Generation führt.

Mit 2,2 Milliarden Euro (plus 5,2 Prozent) steuerte Aesculap ein Viertel zum Gesamtumsatz bei und profitierte vor allem von der Nachfrage nach Knie- und Hüftimplantaten, chirurgischen Instrumenten, bildgebenden Systemen und Nahtmaterial.

Das Ergebnis vor Steuern stieg um 15,3 Prozent auf 206 Millionen Euro. Der Gewinn nach Steuern lag bei 125,2 Millionen Euro. Insgesamt wurden 1,2 Milliarden Euro in die Standorte und in Forschung und Entwicklung investiert. Die Zahl der Mitarbeiter ist weltweit auf rund 63 000 (minus 3,1 Prozent) gesunken, in Deutschland sind es 15 700 Beschäftigte.