Große Ehre für Lars Sunnanväder: Der Hechinger Medizintechnik-Pionier wurde am Mittwochabend mit der Friedrich-List-Medaille in Gold, die höchste Auszeichnung der IHK, geehrt.
Die Zahlen sind beeindruckend: Seit 1982 hat Lars Sunnanväder elf Medizintechnikfirmen gegründet, damit in Hechingen über 1000 Arbeitsplätze geschaffen. Für sein unternehmerisches Lebenswerk wurde er nun am Mittwochabend mit der Friedrich-List-Medaille in Gold, die höchste Auszeichnung der Industrie- Handelskammer (IHK), von IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp geehrt. Den Rahmen bot ein vom Hechinger Medical Valley ausgerichteter Innovationstag im Hause der Firma „Vantive“, früher Baxter.
Laudator Epp hob das „visionäre Denken“ und den „unternehmerischen Mut“ des heute 84-Jährigen hervor. Sunnaväder sei eine herausragende Persönlichkeit. „Patienten auf der ganzen Welt profitieren von Ihrer Arbeit“, betonte der IHK-Hauptgeschäftsführer weiter. „Dank Ihres Einsatzes ist die gesamte Region heute und in Zukunft eine der besten Adressen für Spitzenleistungen aus Medizintechnik und Biotechnologie.“
Mit Jostra im Jahr 1982 selbstständig gemacht
1974 kam Lars Sunnanväder als Gambro-Mitarbeiter von Schweden nach Hechingen. 1982 machte er sich mit der Gründung seines ersten Unternehmens Jostra selbstständig.
Es folgten zehn weitere Gründungen mit namhaften Firmen wie Jotec, Jomed, Joline und Bentley Innomed. Letztere ist inzwischen Marktführer in Europa im Bereich ummantelter Stents, expandiert in Hechingen im großen Stil und plant den Börsengang. Mit Bentley-CEO Sebastian Büchert wurde Lars Sunnanväder als „EY Entrepreneurs of the Year 2023“ ausgezeichnet.
Der Unternehmer ist seit über 50 Jahren in der Region tätig und hat für sein Wirken bereits viele Preise gewonnen. Epp sagte daher nicht umsonst: „Wir sind geehrt, dass Sie sich ehren lassen.“ Er warf auch einen Blick auf das soziale Engagement des Unternehmers – beispielsweise in der Hechinger Bürgerstiftung.
Die List-Medaille in Gold ist die höchste Auszeichnung der IHK Reutlingen. Sie wird an herausragende Persönlichkeiten verliehen, die sich durch langjähriges Engagement für die IHK oder die Region Neckar-Alb in besonderer Weise verdient gemacht haben. Zu den Geehrten der vergangenen Jahre gehören unter anderem die Unternehmer Ernst Fischer, Dr. Thomas Lindner und Christian O. Erbe, der Astronaut Prof. Ernst Messerschmid und der ehemalige Universitätsrektor Prof. Bernd Engler, wie die IHK mitteilt.
Wirtschaftslage weiter wenig rosig
Heiko Zimmermann, Vorsitzender des Medizintechnik-Clusters Medical Valley, welches ebenfalls von Sunnanväder mitinitiiert wurde, blickte auf die Anfänge des Geehrten bei Gambro zurück. Mit ihm sei das Unternehmen in den Anfangsjahren unter dem damaligen Firmenchef Holger Crafoord in Hechingen von 20 auf mehr als 500 Mitarbeiter gewachsen. „Hechingen würde heute traurig aussehen, wenn Gambro damals nicht gekommen wäre“, betonte Zimmermann weiter. Er überreichte dem 84 Sunnanväder im Beisein von Vantive-Geschäftsführer Jens Schiele ein Buch mit Einblicken in die Firmengeschichte als Erinnerung.
Am Rande der Ehrung gab Dr. Wolfgang Epp auch einen Einblick in die Wirtschaftslage in der Region. Grundsätzlich sehe es derzeit bekanntermaßen „nicht ganz so rosig“ aus. Doch: Die Region Neckar-Alb hebe sich etwas von den übrigen Landesteilen ab. Die Industrieaufträge zögen leicht an; der Trump’sche Zollwahnsinn treffe die Region vergleichsweise sanft. Sein metaphorisches Fazit: „Ein Teelichtlein flackert am Ende des Tunnels“
Ehrungen für den Technologietransferpreis der IHK
Forschung wirtschaftlich nutzen
Neben der Auszeichnung Sunnanväders wurden im Rahmen des Innovationstages in Hechingen auch Wissenschaftler respektive Forschungsteams mit dem IHK-Technologietransferpreis vom Institut für Wissensmanagement und Wissenstransfer geehrt. Dieser Preis ehrt Wissenschaftler, die bereit sind, ihre Forschung wirtschaftlich nutzbar zu machen und mit Firmen zu kooperieren. Es folgt ein Blick auf die Ausgezeichneten der Region.
Hochschule Albstadt-Sigmaringen
Ein Preis ging an Professor Joachim Gerlach, Professor Alexander Bade und Professorin Jessica Rövekamp von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen, die sich mit ihrem Projekt mit der Weiterentwicklung von Smart Meter Gateways auseinandersetzen. Sie ermöglichen anhand ihrer
Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg
Geehrt wurde zudem Professor Jens Poetsch, der an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg an einem Projekt zu Flüssig-Eiern arbeitet. Es galt, eine Produktionsanlage zu optimieren, mit der Bio-Betriebe ihre Eier als Flüssig-Eier haltbar machen können. So können sie Produktionsüberschüsse bei schwacher Nachfrage ausgleichen und müssen ihre Hartschalen-Eier nicht mehr unter den Produktionskosten verkaufen. Beteiligt war das Hofgut Martinsberg.